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Ironman: Eine Frau aus Stahl

Wo andere Urlaub machen schwimmt Nina Kraft 3,8 Kilometer, fährt 180 Kilometer Rad und läuft als Draufgabe einen Marathon. Beim jetzt stattfindenden Ironman auf Hawaii soll endlich der langersehnte Sieg her.

Die Triathletin Nina Kraft aus Braunschweig schwimmt, radelt und rennt seit Jahren ihrem großen Traum hinterher: Den Ironman auf Hawaii zu gewinnen. Das legendäre Meeting steht für die eingefleischte Langtriathletin sogar über einem Olympiasieg. "Dem Ziel Hawaii ordne ich 2004 alles unter. Der Sieg ist jetzt fällig", sagt die 35-Jährige, die bei den vergangenen drei Auflagen stets auf dem Treppchen stand, aber die oberste Stufe jeweils knapp verfehlte.

Seit fünf Jahren in der Weltspitze

Seit zehn Jahren hat sich die ehemalige Schwimmerin dem Triathlon verschrieben, seit fünf Jahren mischt sie in der Weltspitze mit. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und als Draufgabe ein Marathonlauf über 42,195 Kilometer - ihre Bestzeit für diese Tortur liegt unter neun Stunden. Das reichte allemal aus, um die erstklassig besetzten Triathlon-Wettbewerbe in Roth, Südafrika und Frankfurt zu gewinnen.

"Ich kämpfe nicht gegen andere. Was ich mache, das mache ich für mich", lautet ihre einfach klingende Philosophie. Am 16. Oktober findet der nächste Ironman statt, der Countdown hat für Nina Kraft schon längst begonnen. Knappe sechs Wochen Pause hatte sie sich nach dem Wettkampf im Vorjahr gegönnt, dann fiel der Startschuss zur nächsten Vorbereitung. 25 Trainingsstunden pro Woche stehen durchgehend an. Trainigseinheiten hat die Braunschweigerin auf Lanzarote und Mallorca absolviert. Bei Temperaturen über 30 Grad, einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit und starkem Wind konnte sie sich dort optimal auf die Bedingungen vorbereiten, die sie auf Hawaii vorfinden wird.

Die magische Grenze durchbrochen

Dieses Jahr hat die Atlethin weniger Wettkämpfe als sonst bestritten, um ihre Kräfte besser einteilen zu können. Im Frühsommer hat sie allerdings beim Triathlon in Frankfurt ihre Konkurrenz förmlich deklassiert. Nach 8:58:37 Stunden erreichte sie das Ziel und blieb dabei zum ersten Mal unter der magischen Neun-Stunden-Grenze.

Auf dem Weg nach Hawaii hat sich Nina Kraft mit den Preisgeldern nach erfolgreichen Wettkämpfen, Antrittsgeldern und den Zuwendungen von zwei Sponsoren (Saucony und Johnson Control) sowie einiger kleinerer Gönner über Wasser gehalten. Mehr als 30.000 Euro pro Jahr benötigt sie für diverse Trainingslager und die Flugkosten. Damit ist sie zum Erfolg verdammt. "Ich bin schon sehr dankbar, dass mir die Stadtbad GmbH in Braunschweig erlaubt, kostenfrei zu schwimmen und die Laufbahn im Stadion zu nutzen", sagt die Profi-Athletin.

Mit 35 auf der Höhe der Leistungsfähigkeit

Sie weiß genau, dass sie selbst als weltbeste in ihrer Sportart keine Reichtümer ernten wird. "Wir sind halt nicht so ideal für die TV-Anstalten, unsere Wettkämpfe dauern wohl zu lange", vermutet Nina Kraft. Für sie wird ein Triathlon im Kopf entschieden. "Ich bin mit 35 ziemlich auf der Höhe meiner Leistungsfähigkeit angelangt, habe sogar noch Potenzial. Vor allem aber weiß ich mit jeder Situation umzugehen", sagt sie.

Auf dem Weg zum Erfolg ist ein genauer Ernährungsplan unabdinglich. 5000 bis 6000 Kalorien verbraucht sie pro Trainingstag, die müssen adäquat ersetzt werden. Zu einem Laster allerdings bekennt sie sich ganz offen: "Bei Süßigkeiten kann ich nur ganz schwer nein sagen."

Der Traum - der Sieg

Seit dem 3. Oktober ist Nina Kraft auf Hawaii, um genügend Zeit zu haben sich vor dem Triathlon zu akklimatisieren.

Nach 9:17,16 Stunden kam die deutsche Athletin letztes Jahr in Ziel. Für dieses Jahr hat sie sich mehr vorgenommen. Sie will nun endlich die höchste Stufe des Siegertreppchens besteigen.

Klaus Langhardt/DPA / DPA

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