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Jan Ullrich: Jubelnde Fans und harte Kritik

Einen Tag nach dem Ende der Tour de France jubelten tausende Fans ihrem T-Mobile-Team auf dem Bonner Marktplatz zu. Obwohl Jan Ullrich hier tosenden Beifall erntete, kam von Lance Armstrong scharfe Kritik.

"Das Team heißt zwar T- Mobile, aber für uns seid ihr das Team Bonn", sagte Bürgermeister Peter Finger, als sich das Radsport-Truppe zum sechsten Mal ins Goldene Buch der Stadt eintrug.

Beinahe noch mehr Applaus als Jan Ullrich bekam der Gesamt-Fünfte und zweifache Etappensieger Alexander Winokurow aus Kasachstan. Er mischte sich mit seinen Teamkollegen unter das Publikum auf dem Bonner Marktplatz und gab Autogramme. Nicht mit von der Partie war Andreas Klöden, der sich nach einem Kahnbeinbruch an der rechten Hand erholen muss. Klöden war auf der 180,5 Kilometer langen 16. Etappe der 92. Tour de France von Mourenx nach Pau gestürzt.

"Der Mann, der nie Schwächen zeigte"

Bei einem kurzen Interview auf der Rathaustreppe bezeichnete Jan Ullrich seinen Dauerkonkurrenten und Widersacher Lance Armstrong als Riesensportler: "Er ist der Mann, der nie Schwächen zeigte. Er wird uns allen fehlen." Nach dem Karriere-Ende des siebenmaligen Toursiegers Armstrong aus den USA sei das Rennen wieder offener geworden. "Ich möchte im nächsten Jahr noch einmal teilnehmen", sagte der Tour-Dritte unter dem Beifall seiner Fans.

Der "Hamburger Morgenpost" sagte Ullrich, dass er weiter an einen zweiten Sieg glaube: "Ich fahre so lange, bis ich die Tour noch mal gewinne". Die Tour sei für ihn das Größte. Er wolle auf jeden Fall "noch einmal ganz vorne sein". Ullrich hatte das Rennen 1997 gewonnen. Seither musste er sich mehrfach Lance Armstrong geschlagen geben.

"Übergewichtig und schlecht vorbereitet"

Lance Armstrong, der sich nach seinem siebten Tour-Sieg endgültig aus dem Profi-Radsport zurückzieht, kritisierte Jan Ullrich hart. "Er muss sich zum Tour-Start in besserer Form vorstellen. Das, was wir am Ende der Tour sehen, ist der Mann, der die Tour gewinnen kann. Doch was wir in der ersten Hälfte sehen, ist der Mann, der die Tour verliert. Er hat die Tour immer in den ersten Tagen verloren", zitierte die "Bild"-Zeitung den Amerikaner. Der Texaner konkretisierte seine Kritik weiter: "Vielleicht eineinhalb Kilo weniger am Start, ein bisschen bessere Kondition, ein bisschen bessere Vorbereitung und dann glaube ich, dass er gewinnen kann."

Jan Ullrich war keineswegs beleidigt, sondern zeigte sich im ZDF-Interview dankbar für die Kritik Armstrongs. Er fände es hervorragend, dass der Amerikaner seine Meinung sage und betonte, dass er ja auch wirklich jahrelang dieses Problem gehabt habe.

Aber diesmal sei das nicht der Fall gewesen. Vielmehr hätten ihn die Stürze behindert. Auch in der "Hamburger Morgenpost" wies der Rostocker die Kritik an seinem Trainingszustand und Motivationsproblemen zurück: "Ich habe bis aufs Messer gekämpft und hätte nach meinen Stürzen auch im Krankenhaus landen können." Er sei glücklich, überhaupt bis zum Ende durchgekommen zu sein, bilanzierte der Radprofi die diesjährige Frankreich-Rundfahrt.

SM mit Material von AP/DPA / DPA

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