HOME

Janne Ahonen: "Mir ist das egal"

Die Skisprung-Experten überschlagen sich in diesen Tagen mit Superlativen über den Finnen Janne Ahonen. Den hoch Gelobten lässt der Rummel um seine Person jedoch kalt.

Der Vierfach-Triumph ist für Überflieger Janne Ahonen zum Greifen nahe, doch den bodenständigen Finnen lässt die Euphorie um seine Person völlig kalt. "Mir ist das egal. Das ist nur etwas für die Statistiker. Für mich zählt nur der Gesamtsieg. Darauf arbeite ich hin", sagte der 27-Jährige nach seinem dritten Tageserfolg bei der Vierschanzentournee, durch den er dem Grand Slam sehr nahe gekommen ist. "Er packt es", ist sich Sven Hannawald sicher, seinen "Jahrhundertrekord" von 2002 bald mit Ahonen teilen zu müssen.

Konkurrenten und Trainer staunen ungläubig und suchen verzweifelt nach Ursachen für die bisher im Skizirkus einmalige Dominanz von Ahonen. Denn der Finne bricht in dieser Saison Rekord um Rekord. Zehn Siege in elf Weltcup-Springen schaffte noch keiner vor ihm, am Dreikönigstag könnte er mit dem elften Saisonsieg die Bestmarke von Martin Schmitt (1999/2000) und Adam Malysz (2000/2001) egalisieren. Mit sechs Siegen in Serie (bisher fünf) hat er eine weitere Bestmarke bereits in seinen Besitz gebracht. "Ich denke, er macht sich keine Gedanken. Er absolviert die Wettbewerbe mit einer Lockerheit, an der sich die anderen die Zähne ausbeißen", versucht Bundestrainer Peter Rohwein das Phänomen Ahonen zu erklären.

Besser als Nykänen

"Er springt auf einem höheren Level als früher Matti Nykänen. Matti ist zwar der größte Springer, aber Janne der beste, den es jemals gab", zollt Ahonens Landsmann Mika Kojonkoski anerkennend Lob für seinen ehemaligen Schützling. Für den jetzigen Coach Norwegens spielt neben den sportlichen Voraussetzungen vor allem die Disziplin Ahonens eine große Rolle. "Er ist ein ernsthafter Familienmensch und Geschäftsmann."

Ahonen selbst kommentiert die vielen Gedankenspiele mit einem knappen Lächeln. Die bewundernden Worte und Schlagzeilen bringen ihn nicht aus dem Sieges-Rhythmus. "Es macht mir einfach Spaß, alles funktioniert von allein", lautet das sich wiederholende Statement des Finnen, der seit über zehn Jahren kontinuierlich im Weltcup vorne mitspringt und die Tournee bereits zum dritten Mal nach 1999 und 2003 gewinnen kann. "Was Janne jetzt macht, das hat bisher noch nicht annähernd jemand geschafft", lobt auch der ehemalige Seriensieger Martin Schmitt, der wie der Skandinavier 28 Weltcup-Siege errungen hat. "An ihn kommt unter normalen Bedingungen keiner heran."

Die Wandlung des Janne Ahonen

Vom ewigen Zweiten zum absoluten Siegspringer - Ahonens Entwicklung kam nicht unerwartet, für viele in dieser Dimension aber dennoch überraschend. Nur nicht für seinen Trainer Tommi Nikunen. "Da kommen viele kleine Dinge zusammen. Er ist körperlich topfit und hat ein enormes Selbstvertrauen. Zudem hat er unheimlich viel Spaß am Springen", nennt Nikunen Gründe für die Leistungsexplosion Ahonens. Der entscheidende Schritt nach vorn sei der Gewinn des Gesamtweltcups im Vorjahr gewesen. Das habe dem 27-Jährigen den nötigen Schub gegeben. Zudem habe sich nach der Geburt von Sohn Mico (3) dessen Einstellung zum Sport geändert. "Skispringen ist nicht mehr alles für ihn. Das tut ihm gut", sagt Nikunen.

Eric Dobias/DPA / DPA

Wissenscommunity