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Skispringen: Die Hinterher-Hüpfer

Die Goldenen Zeiten sind vorbei. Fünf Jahre nach dem legendären Triumph von Sven Hannawald ist für die deutschen Skispringer Vierschanzentournee nur eine Nebenrolle vorgesehen.

Während die "jungen Wilden" wie Österreichs Wunderkind Gregor Schlierenzauer und Norwegens Newcomer Anders Jacobsen zum Angriff auf die Etablierten um die Titelverteidiger Janne Ahonen und Jakub Janda blasen, sind die sportlichen Aussichten für das Sextett des Deutschen Skiverbandes (DSV) so trüb wie das Wetter. "Die Siegzeiten sind vorbei. Es ist unrealistisch, dass einer aus unserem Team bei der Tournee vorne dabei ist", redete Bundestrainer Peter Rohwein fünf Tage vor dem Auftaktspringen in Oberstdorf Klartext.

Trotz des bislang trostlosen Saisonverlaufs gönnte der Coach seinem Team zum Weihnachtsfest einige besinnliche Stunden und strich kurzerhand die am zweiten Feiertag in Ramsau geplante Zusatzschicht. Stattdessen soll sich die Mannschaft bei einem Spezialtraining am Mittwoch in Oberstdorf den letzten Schliff holen. "Durch den glücklichen Umstand, dass die Schanze präpariert ist, können wir den Reisestress vermeiden und uns vor Ort Selbstsicherheit holen", begründete Rohwein die Planänderung.

Dabeisein ist alles

Angesichts der düsteren Prognose für die Springen in Oberstdorf (30. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (7. Januar) gelang es Rohwein an Weihnachten nicht, völlig abzuschalten. Der Coach traut lediglich seinen Routiniers Michael Uhrmann, der nach einem verpatzten Saisonstart langsam zu alter Stärke findet, und Martin Schmitt den einen oder anderen Achtungserfolg zu. "Wenn Michi mal auf das Podest springen würde, wäre es schön. Martin ist zu Anschlussplatzierungen zwischen 10 und 15 in der Lage. Mehr ist nicht realistisch", erklärte Rohwein.

Getreu dem Motto, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, liebäugelt der im Vorfeld heftig kritisierte Bundestrainer vor allem mit einer Leistungssteigerung von Uhrmann. "Wir haben vor Weihnachten in Engelberg noch einiges am Ski probiert, am Schwerpunkt gefeilt und an der Skilänge gebastelt. Ich hoffe, dass er noch einen Tick besser wird. Man darf aber nicht mit Nachdruck darauf hoffen", sagte Rohwein.

Kein Platz auf dem Treppchen

Als günstig könnte sich erweisen, dass Uhrmann anders als im Vorjahr nicht als Favorit gehandelt wird. "Michael ist letztes Jahr als Vierter im Gesamt-Weltcup angereist und in der Öffentlichkeit schon zum Tournee-Sieger gemacht worden. Mit diesem Druck konnte er nicht umgehen. In dieser Saison tut er sich schwer und ist noch auf Formsuche. Dies kann für ihn eine Erleichterung sein", sagte Rohwein.

Für positive Schlagzeilen soll auch Schmitt sorgen. Der 28-Jährige war im bisherigen Saisonverlauf der konstanteste deutsche Springer. "Wenn Martin seine Leistung stabilisiert, ist das okay. Er ist dann auch in der Lage, mal unter die Top sechs zu kommen. Aber dann muss alles stimmen", sprach Rohwein dem viermaligen Weltmeister Mut zu.

Eric Dobias/DPA

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