Skispringen Ahonen fliegt nicht mehr


Der Überflieger und Tournee-Rekordsieger Janne Ahonen hat seinen Rücktritt vom Skispringen erklärt. Die Motivation für das harte Training reiche nicht mehr. Ein sportliches Ziel hatte der erfolgreichste Finne aller Zeiten noch: "Ich möchte auf dem Höhepunkt gehen."

Der große Schweiger Janne Ahonen war zu Tränen gerührt, als er das Ende seiner einmaligen Karriere verkündete. "Es ist das Ziel eines jeden Sportlers, am Höhepunkt aufzuhören. In diesem Winter gelang mir mit dem fünften Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee ein echtes Highlight", begründete der 30-Jährige seinen Entschluss, den er bereits während des Winters hatte anklingen lassen. "Nach dem fünften Tourneesieg war mir klar, dass ich einen sechsten Gesamtsieg nicht versuchen würde", sagte Ahonen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Helsinki.

Mehr als die Hälfte seines Lebens war Ahonen zwischen den Schanzen dieser Welt unterwegs. "Die Motivation für Wettkämpfe ist immer noch da, doch für das harte Training und die dafür nötige Selbstdisziplin habe ich sie nicht mehr", begründete er seinen Abschied. Schon im Sommer 2007 schien Ahonen den Spaß am Springen verloren zu haben. Er startete bei Autorennen und ließ für seine neue Leidenschaft den Sommer-Grand-Prix aus. Er zog seine Ehefrau Tiia, die im Mai das zweite Kind erwartet, und Sohn Mico im selbstentworfenen Haus am Rande von Lahti, dem Training vor. "Dass ich nun zum zweiten Mal Vater werde, hat mir die Entscheidung zum Aufhören, die in den vergangenen Monaten seit dem Tourneesieg gereift ist, leichter gemacht", sagte der Ausnahmespringer.

Ahonen in der ewigen Bestenliste vorn

Als 15-Jähriger startete Ahonen 1992 erstmals im Weltcup. Bereits ein Jahr später landete er im schweizerischen Engelberg seinen ersten Weltcupsieg, ehe er am diesjährigen Dreikönigstag zum fünften Mal die prestigeträchtige Vierschanzentournee gewann und damit alleiniger Rekordsieger beim "Grand Slam" der Skispringer vor Jens Weißflog (4 Gesamtsiege) wurde.

Dazwischen lagen fünf Weltmeister-Titel im Einzel und mit der Mannschaft, zwei Weltcup-Gesamtsiege und 36 Tageserfolge sowie insgesamt 19 Medaillen von internationalen Championaten. Lediglich der Olympiasieg fehlt dem finnischen Überflieger in seiner Erfolgsbilanz - und der Skiflug-Weltrekord. Dabei gelang ihm mit 240 Meter der weiteste je gemessene Skiflug, doch konnte er fast auf den Tag genau vor drei Jahren diesen Flug nicht stehen.

Schneemobile statt Skischanze

Die wirtschaftliche Zukunft nach der 16-jährigen Karriere hat sich Ahonen im Gegensatz zu seinem einstigen Vorbild Matti Nykänen schon aufgebaut. Mit seiner Firma "Radius" vertreibt er Zubehör für Schneemobile und Motorräder. Sein bisheriger Auswahltrainer Tomi Nikunen könnte sich den Vorflieger auch als Nachfolger vorstellen. "Ich glaube nicht, dass Janne allzu lange von den Schanzen fernbleiben kann. In ihm hätte das finnische Team einen sehr guten Trainer", sagte Nikunen.

Vor dem Rücktritt wird Ahonen aber noch zweimal seine Flugkünste demonstrieren: Am kommenden Wochenende bei den finnischen Großschanzen-Meisterschaften in Kuusamo und am 9. April in Lahti, wenn seine Heimatstadt eine große Abschiedsgala veranstaltet.

Uwe Jentzsch/DPA DPA

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