Leichtathletik-EM in Göteborg Doch noch Silber für Kirsten Bolm


Nach Stunden des Hoffen und Bangens durfte sich Kirsten Bolm doch noch über die Silbermedaille im 100 m Hürdensprint bei der Leichtathletik-EM in Göteborg freuen. Die Jury gab einem Protest des DLV statt.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte Protest eingelegt und Erfolg bekommen: Kirsten Bolm bekam doch noch die Silbermedaille zugesprochen. Das bestätigte DLV- Generalsekretär Frank Hensel. Die Mannheimerin war zunächst auf Platz drei nach Zielfoto-Entscheid hinter der in 12,72 Sekunden zeitgleichen Derval O’Rourke eingestuft worden. Auch die Irin erhielt Silber. Europameisterin wurde in 12,59 Sekunden die Schwedin Susanna Kallur. "Ich habe ganz schon gebibbert und gedacht, dass ich vielleicht gar keine Medaille habe", hatte die Deutsche noch unmittelbar nach dem Rennen gesagt.

Vor dem Finale hatte Kirsten Bolm ihrer schwedischen Rivalin den Fehdehandschuh selbstbewusst hingeworfen. "Ich will ihr die Suppe versalzen. Susanna steht vor heimischem Publikum besonders stark unter Druck", hatte die Athletin der MTG Mannheim gesagt. Im Halbfinale setzte sie sich souverän mit 12,83 Sekunden durch - nur die Skandinavierin war im zweiten Semifinal-Lauf schneller. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ihr klar: "Im Bereich der Bestleistung muss ich wohl laufen und an meinen 12,59 Sekunden kratzen."

Die Psychologiestudentin war vor der EM nur beim Europacup in Malaga gegen Kallur gelaufen und um 5/100 Sekunden unterlegen. Seit ihrem guten Auftritt bei der WM 2005, als sie in Helsinki Vierte wurde, ist das Selbstbewusstsein von Kirsten Bolm gewachsen. "Niederlagen sind dazu da, danach anzugreifen", sagte die in Frechen bei Köln geborene Läuferin und fügte an: "Ich bin mir meiner Leistungsfähigkeit bewusst."

Um diese Selbstsicherheit zu erlangen, musste sie eine Reihe von sportlichen Rückschlagen wegstecken. Als sie nach einem vierjährigen Studium in den USA 2001 in die Heimat zurückkehrte, gewann Kirsten Bolm zwar 2002 bei der Hallen-EM Silber, scheiterte aber bei der Freiluft-EM im gleichen Jahr in München im Vorlauf.

In der Folgezeit machten ihr zahlreiche Verletzungen zu schaffen. Als sie vor den Olympischen Spielen 2004 ein Trainingslager wegen Rückenproblemen abbrechen und um die Teilnahme in Athen bangen musste, änderte sie ihr Training radikal und dosiert seitdem die Belastungen besser. "Das war der Wendepunkt", sagte Kirsten Bolm. Dass sie erst im reifen Athletenalter in die Weltspitze vorgestoßen ist, nimmt sie gelassen: "Besser spät als nie." Außerdem hat die Hürdensprinterin, die zunächst bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking plant, noch einiges vor. "Ich bin noch hungrig", sagte sie.

DPA DPA

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