Leichtathletik-WM Die Platzhirsche aus den USA


Die Leichtathleten der USA strotzen vor Selbstvertrauen und wollen ihre unendliche Erfolgsstory bei den Weltmeisterschaften fortsetzen. Bei den zehn Welttitelkämpfen seit 1983 sammelte keiner mehr Medaillen als die US-Amerikaner

"Das Team ist noch besser als bei den Olympischen Spielen 2004", meint der amerikanische Männer-Chefcoach John Smith. Bei den Athen-Spielen gewann die USA 25 Medaillen und war mit Abstand (Russland/20) Leichtathletik-Nation Nummer eins. Auch bei den bisherigen zehn Welttitelkämpfen seit 1983 sammelte keiner mehr Plaketten als die US-Amerikaner: Mit 185 Medaillen, darunter 87 goldene, liegen sie im "ewigen" Medaillenspiegel weit vor den Deutschen (132) und Russen (85).

"Wir wollen immer die Besten sein, das ist ein Teil der amerikanischen Mentalität", sagte Smith zum Geheimnis des steten Erfolges. Zu seiner Philosophie gehöre, immer positiv zu denken: "Wir lehren unsere Athleten zu genießen. Ich würde niemals zu einem meiner Sportler sagen, wenn er Zweiter geworden ist, dass er verloren hat." Zur Positiv-Strategie gehört ebenso, dass der Skandal um das Balco- Dopinglabor und das dort entwickelte Designersteroid THG kein Team- Thema ist. "Darüber gibt es keine Gespräche mit Athleten", berichtete Smith und fügte an: "Wir haben ein Kontrollsystem etabliert, das Fairness und Ehrlichkeit garantiert."

Konkurrenzloses Team

Die USA schickt insgesamt 131 Athleten in die Wettbewerbe, darunter 27 Olympia- und WM-Medaillengewinner. Der Altersdurchschnitt des amerikanischen Teams beträgt 26,5 Jahre, wobei 45 Prozent der Sportler jünger als 25 sind. "Es ist eine gute Mischung aus Routiniers und Jungen", so Smith. Dass die WM im US-Fernsehen so gut wie nicht stattfindet, ist für Frauen-Cheftrainerin Sandy Fowler sogar ein Vorteil: "Damit ist der Druck etwas weg."

Bei den Medienauftritten vor dem WM-Start vermitteln die US- Athleten jedoch den Eindruck, dass sie nichts und niemanden fürchten. "Der Weltrekord von 9,75 Sekunden sind mein Ziel, doch zunächst bin ich hier, um den Titel zu holen", kündigte 100-m-Olympiasieger Justin Gatlin ohne falsche Bescheidenheit an.

Auch Dwight Phillips, der in Athen Gold im Weitsprung gewann, plagen keine Selbstzweifel: "Ich bin der beste Weitspringer der Welt. Wenn mich jemand schlagen will, muss er mich schon bei Seite räumen." Dass er Weltmeister wird, steht für ihn fest. "Ich beziehe mein Selbstbewusstsein aus den Siegen und daraus, die Konkurrenz immer wieder in den Hintern getreten zu haben", so der Titelverteidiger.

Selbst der erst 19 Jahre junge Kerron Clement tönt wie ein Alter. "Ich erwarte Gold, definitiv", verkündete der Hallen-Weltrekordler über 400 m, cool, "ich bin hungrig auf Erfolg." Nur die gleichaltrige Olympia-Zweite über 200 m, Allyson Felix, ist nicht so Siegesgewiss und kalkuliert wie im Athen-Finale eine Niederlage gegen Veronica Campbell ein. "Ich kann sie schlagen, wenn ich einen guten Start habe, aber sie ist stark", meinte Felix. Für die USA wäre es so oder so nicht schlimm: Es würden ja zwei Amerikanerinnen vorne sein.

Andreas Schirmer/DPA


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