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Louis Vuitton Cup: Paarungen wie Dynamit

BMW Oracle gegen Pradas Luna Rossa, Emirates Team New Zealand gegen die Lokalmatadoren von Desafio Español. Vier Skipper, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, kämpfen ab heute im Halbfinale des Louis Vuitton Cup in Valencia gegeneinander.

Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Noch ist alles ruhig hier in Valencia, das Media Center ist fast leer, im Hafen ziehen die letzten Sonntagsausflügler ihre Runden und alle freuen sich auf den Abend, der etwas Kühle bringen wird. Es ist sehr warm, mehr als das, fast schwül, und der Himmel ist bedeckt und diesig. Auf allem lastet eine unsichtbare Schwere, denn es ist der Abend vor dem bisher wichtigsten Renntag.

Der Fuchs gegen den roten Baron

Ein vorweg genommenes Finale? Vielleicht: BMW Oracle gegen Luna Rossa von Prada, Chris Dickson gegen Francesco De Angelis. Dickson ist der Pate bei den Deutsch-Amerikanern, er vereinigt so ziemlich jede wichtige Position in seiner Person, auch die des Skippers: Nicht sehr groß, sehnige Arme, kluge Augen, das Gesicht eines Fuchses. Der Neuseeländer hat eine erstaunliche Karriere hinter sich: Bei drei völlig erfolglosen America's Cup-Kampagnen hat er mitgewirkt, bevor er 2003 zu BMW kam. Aber er hat aus seinen Fehlern und denen der anderen offenbar gelernt. In den beiden Vorrunden konnte er als Skipper eindrucksvoll beweisen, dass er die Schwächen des Gegners ausmachen und schonungslos ausnutzen kann. "Wir kennen unseren Gegner Luna Rossa ganz genau", sagte Dickson heute morgen, und das klingt für jeden hier wie eine Drohung.

Wie wird Francesco De Angelis heute Nacht schlafen? Gut wahrscheinlich. De Angelis, 1,95 Meter groß, schlank, meistens nachdenklich, die Freunde nennen ihn "il Barone", lässt nichts an sich heran, jedenfalls nicht dann, wenn andere dabei sind. Interviews gibt er nicht gerne, und in die Karten schauen lässt er sich noch weniger. In den Round Robins hat er oftmals seine Nummer Zwei, den Australier James Spithill, segeln lassen. Warum? Wahrscheinlich, um Dickson nicht zu viel zu verraten, bevor es ernst wird. Wird diese Rechnung aufgehen? Die Italiener wissen, dass sie den Start gewinnen müssen, um BMW Oracle schlagen zu können, das ist ihre einzige Chance, aber Dickson ist gerade beim Start hart und gerissen und ein Meister seines Fachs. Und im Halbfinale gilt: Best of Five, das heisst, sie müssen ihren Gegner fünf Mal besiegen, um ihn nach Hause zu schicken. Der Rote Baron wird diesmal also alles geben müssen und noch etwas mehr.

Der Schüchterne gegen die polnische Hoffnung

Dean Barker, Skipper der Neuseeländer, hat den America's Cup schon einmal gewonnen, und, was schwerer wiegt, auch schon einmal verloren. Das war 2003, als Alinghi den damaligen Defender in Grund und Boden fuhr. Das waren bittere Augenblicke für Barker, wie er heute zugibt, aber scheinbar auch eine nützliche Erfahrung. "Du lernst viel mehr aus Niederlagen als aus Siegen", sagt er mit einem schüchternen Lächeln, und er meint es so, wie er es sagt. Aber Barker wirkt hier in Valencia dennoch ein wenig alleingelassen, jetzt, das sein Ziehvater Russel Coutts nicht mehr beim America's Cup dabei ist. Barker verdankt Coutts, den viele für den besten aktiven Skipper halten, alles, und vielleicht wird genau das ihn daran hindern, so gut zu werden wie er. Dennoch sind Barker und seine Männer im Augenblick die grossen Favoriten auf den Louis Vuitton Cup. Sie haben die Vorrunde gewonnen und sich als Gegner die Vierten, die sensationell segelnden Spanier, ausgesucht.

Der Skipper der Iberier, ein in Deutschland lebender Pole, sieht genau so aus, wie man sich einen Schweden vorstellt. Er ist zigfacher Weltmeister im Eissegeln, mit Herz und Seele ein Pole und das, was man wahrscheinlich einen "verrückten Hund" nennen würde. In den Acts oftmals vom eigenen Team gescholten, ist er mit jedem Match Race besser geworden und mittlerweile können die Spanier ihm wohl sogar verzeihen, dass er eigentlich am liebsten mit einem polnischen Team und einem polnischen Boot ins Halbfinale gekommen wäre. Kann aber dieser polnische Allrounder einem Segel-Strategen wie Dean Barker das Wasser reichen? Wie auch immer: Die nächsten Tage werden heiß, hier in Valencia.

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