HOME

Maske-Comeback: Angezählt beim Wiegen

War das wirklich Henry Maske beim offiziellen Wiegen vor seinem Comeback-Fight gegen Virgil Hill? Der skurrile Auftritt des "Gentleman" lässt Böses erahnen. Wenigstens RTL-Allzweckwaffe Kai Ebel präsentierte sich in Normalform. stern.de berichtet aus München.

Von Klaus Bellstedt

Was war das bloß für ein Auftritt von Henry Maske! Am Abend vor dem Kampf duellierten sich der "Gentleman" und Weltmeister Virgil Hill im piekfeinen Bayerischen Hof auf der Waage. Und auch wenn Maske 200 Gramm weniger an Gewicht aufzuweisen hatte, dieser Vorkampf ging eindeutig an den Amerikaner. Virgil Hill wirkte entspannt, präsentierte genüsslich seinen gestählten Körper und spielte mit den Fotografen. Der Weltmeister hat bereits mit dieser Vorstellung gegenüber dem verkniffen wirkenden Henry Maske einen ersten Punktsieg landen können.

Maske kam mit einer Miene zum offiziellen Wiegen, als hätte er den Kampf bereits hinter sich. Düster blickte er drein, mit geduckter Haltung und fast schleichend. Der 43-Jährige war zwar auch früher nicht der Mann der großen Show, weil er es nie nötig hatte. Aber zwischen gestern und heute liegen zehn lange Jahre. Sieht so wirklich ein Champion aus? Nein, sein Auftritt am Vorabend des Comeback-Fights konnte einfach nicht darüber hinweg täuschen, wie es im Inneren des in die Jahre gekommenen Ex-Champions aussieht.

Ebel rettet die Show

Beim direkten, zehn Sekunden andauernden Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten huschte zum ersten und letzten Mal an diesem Abend eine Art Lächeln über das uns allen so bekannte und treue Maske-Gesicht. Der obligatorische Handshake sah irgendwie anders aus als bei "echten", von den Weltverbänden sanktionierten Kämpfen. So als hätten sich zwei Freunde eine längere Zeit nicht gesehen, standen sie sich da gegenüber. Wollen die beiden sich am Samstagabend vor über 12.000 Fans in der Münchener Olympiahalle und geschätzten 12-14 Millionen TV-Guckern wirklich wehtun? Zweifel sind angebracht.

Nach dem Wiegen, als Henry Maske sich gerade wieder die Trainingshose anziehen wollte, wurde es dann aber noch mal spannend. Kai Ebel, die Allzweckwaffe von RTL, schritt zur Tat und näherte sich dem Bedauernswerten. So schrill und nervig Ebel auch meistens daherkommt, eines muss man ihm lassen: Der Reporter hat mit seinen angespitzten Ellenbogen bis jetzt noch jeden allzu schwierigen Interviewpartner vor die Flinte bekommen. So also auch Maske. Der guckte zwar zu Beginn leicht verdutzt, lieh dem RTL-Mann dann aber doch drei Minuten seiner kostbaren Zeit.

Der Ruf steht auf dem Spiel

Viel Gehaltvolles kam dabei erwartungsgemäß nicht heraus, aber immerhin: Wir wissen jetzt, was Maske am Vorabend gegessen hat ("nichts Üppiges, aber auch nicht zu wenig") und wie viele Stunden Schlaf er sich in der Nacht vor dem Kampf gönnen würde ("acht Stunden sollten es schon sein"). Und noch was: Am Samstagfrüh wolle er dann ein letztes Mal noch mit seinem reaktivierten Trainer Manfred Wolke durch den Englischen Garten spazieren und "alles durchsprechen". Was eigentlich?

Irgendwie hatte das alles etwas Tragisches an sich. Henry Maske war, wie schon gesagt, nie ein Mann der Presse, er beherrschte nie die große Show. Aber dennoch liebte er stets die Öffentlichkeit. Heute merkt man davon nichts mehr. Es scheint so, als ob ihm - je näher der Kampf rückt - das Herz mehr und mehr in die Hose rutscht. Vielleicht ist ihm jetzt erst wirklich bewusst geworden, auf was er, der früher seinen Kampfnamen "Gentleman" mit Stolz trug, sich da wirklich eingelassen hat - und was er verlieren kann. Maskes über so viele Kämpfe mühsam aufgebauter Ruf steht auf dem Spiel. Und auch ein bisschen sein Image des Saubermannes. Denn eines ist klar: Sollte sich der 43-Jährige so oder so ähnlich wie Stefan Raab von Regina Halmich vorführen lassen, wird ganz Deutschland auf ihn einprügeln. Maskes Vorstellung beim Wiegen lässt Böses erahnen.

Wissenscommunity