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MLB Warum sind die New York Yankees so wertvoll?


Sie sind der 14. und 25. Buchstabe des Alphabets, ergeben zusammen aber eine Kombination, die 1,7 Milliarden Dollar wert ist - NY. Warum sind die New York Yankees das mit Abstand finanzkräftigste Team des Baseballs und laut forbes.com Nummer drei der Sportclubs dieser Welt?

Nicht erst seit gestern weiß man: Sportclubs sind mittlerweile riesige Wirtschaftsunternehmen, die im Erfolgsfall nicht nur eine Menge Umsatz, sondern auch Gewinn machen. Bayerns gerne zitiertes Festgeldkonto wäre dafür ein Beleg. In der Forbes-Liste der wertvollsten Sportteams belegen die Münchener lediglich Rang 19, immerhin mit einem achtbaren Wert von über einer Milliarde Dollar.

Doch vorne rangieren hinter Manchester United (1,86 Milliarden) und den Dallas Cowboys (1,81 Milliarden) die New York Yankees, die auch in unseren Breitengeraden allgegenwärtig sind. Nicht, weil sich so viele Deutsche für die MLB interessieren und mit den berühmten NY-Baseball-Caps ihre Anhängerschaft ausdrücken wollen, sondern weil der 14. und 25. Buchstabe des Alphabets in Kombination mittlerweile fast ein Mode-Label sind, das für viele Synonym für den Big Apple ist.

Die drei Säulen der Yankees

Nummer eins in ihrem Sport sind die Yankees mit Abstand: ihr Wert von 1,7 Milliarden Dollar liegt 800 Millionen über dem des ärgsten Konkurrenten Boston Red Sox (912 Millionen Dollar). Doch wie funktioniert diese von Forbes so genannte "Geldmaschine mit drei Motoren"?

Da wären zum einen die Zuschauereinnahmen im Yankees-Stadium. Laut baseball-reference.com besuchten 2010 knappe 3,8 Millionen Menschen Spiele des Teams, das damit knapp Nummer zwei hinter den Philadelphia Phillies besetzt. In den Jahren zuvor sah es noch rosiger aus, von 2005 bis 2008 hatten die New Yorker sogar die Vier-Millionen-Marke geknackt. Erst der Umzug ins neue Yankee Stadium brachte den leichten Einbruch auf hohem Niveau. Doch alleine 325 Millionen Dollar des Gesamtumsatzes im letzten Jahr kamen laut aeryssports.com durch Ticketverkäufe zustande.

Gemeinsam mit den Dallas Cowboys, die in der Liste von Forbes einen Platz vor den Yankees liegen, sowie den Finanzexperten von Goldman Sachs und CIC Partners betreibt das Team dazu die Firma Legends Hospitality Management, die sich nicht nur in New York, sondern auch im neuen Cowboys Stadium, um Catering und Merchandising kümmert. Zudem berät LHM in einem Joint Venture mit der Sportvermarktungsfirma IMG andere College- und Profiteams, um deren Einnahmen in den Stadien zu verbessern. In diese Schiene fallen zudem die Sponsoren-Einnahmen von unter anderem Pepsi und Delta Airlines. Alleine durch LHM kann das Team 25 Millionen Dollar jährlich an Einnahmen verbuchen, wie forbes.com auflistet.

Standbein Nummer drei ist der Kabelkanal Yankees Entertainment and Sports Network, kurz YES. Wie unter anderem die Red Sox, strahlen die Yankees bereits seit 2002 ihre Spiele auf dem faktisch teameigenen Sender aus. Nicht nur Yankees-Spiele, auch die Spiele der New Jersey Nets, die zu Beginn als Partner mit an Bord waren, durch ihren Verkauf allerdings nicht mehr an der Firma beteiligt sind, und College-Spiele laufen über dem Sender. Außerdem zeigt YES zeitversetzt Spiele des FC Arsenal aus der Premier League, dem FA Cup und der Champions League.

Formell zahlt YES den Yankees laut forbes.com alleine 84 Millionen Dollar im Jahr für die Rechte, 2009 kamen noch einmal 100 Millionen Dollar an Dividende dazu. Für 2010 vermeldete aeryssports.com für den Sender einen Umsatz von 400 Millionen Dollar, mehr als so mancher MLB-Konkurrent gesamt verbuchen kann.

Würde man die eigenständigen Unternehmen Yankees, YES und LHM - deren Besitzer die Mutterfirma Yankee Global Enterprises LLC ist - zusammenzählen, so Kurt Badenhausen von Forbes, käme man auf einen Gesamtfirmenwert von 5,1 Milliarden Dollar.

Reich, reicher, Yankees?

Angesichts dieser schwindelerregenden Zahlen wundert es nicht, dass die Top Vier der am besten verdienenden Spieler im Jahre 2010 Akteure der Yankees waren und auch 2011 sind sie mit immerhin Dreien in den Top Ten, die Alex Rodriguez (31 Millionen Dollar Gehalt) und CC Sabathia (23) anführen, vertreten. Und trotzdem, so vermeldete usatoday.com bereits 2009, zahlt das Team im Verhältnis zum eigenen Einkommen prozentual genauso viel, wie die anderen Clubs.

Die Yankees sind einfach reicher, was natürlich auch am Standortvorteil liegt. Schließlich ist für Sportteams in New York das meiste Geld zu holen, ist hier mit gutem Abstand zur Nummer zwei Los Angeles doch der größte Fernsehmarkt des Landes zu finden. Potentiell über sieben Millionen Zuschauer garantieren YES und damit den Yankees hohe Einnahmen bei den Werbekunden.

Tradition und Erfolge bringen Geld - und andersrum

Der Standortvorteil ist allerdings nicht die alleinige Formel des finanziellen Erfolges. Sonst wären der Lokalrivale Mets, die Islanders und Rangers in der NHL, oder die Knicks und New Jersey Nets und natürlich die NFL-Teams Giants und Jets ebenfalls ganz vorne in ihren Ligen zu finden. Vielleicht kann man für die Yankees die alte Formel "Geld schießt keine Tore" ein wenig abwandeln und umdrehen. "Erfolg bringt Geld und der bringt Erfolg" lautete demnach wohl die, zugegeben etwas holprige, Binsenweisheit.

Denn das 1901 als Baltimore Orioles gegründete Team, das 1903 in den Big Apple zog, kann seit der Ära von Babe Ruth Anfang der 1920er Jahre auf eine nie kopierte Erfolgsgeschichte zurückblicken. 27 World Series-Titel, so viel wie kein anderes Team im US Sport, nennen die New Yorker ihr Eigen.

Diese alten Erfolge scheinen wiederum die frisch eingekauften Stars immer wieder zu beflügeln, wie Ex-Spieler Paul O'Neill im Columbus Dispatcher feststellte. "Man spürt sofort einen Druck - aber einen positiven Druck, den man haben will", so O'Neill gegenüber dispatch.com. Nicht von den Besitzern, Medien oder Fans, sondern der Tradition. Besuche von Legenden wie Yogi Berra in der Kabine wecken laut O'Neill den Ehrgeiz bei den Spielern, Teil der Yankees-Geschichte zu werden.

George Steinbrenner - die Kraft hinter allem

Standortvorteil, frühere Erfolge und Tradition sind somit die Grundpfeiler der Yankees. Doch was nützt all dies, wenn diese Grundpfeiler nicht optimal genutzt werden? Mitte der 1970er Jahre hatten die Yankees zwar die eigene Historie zum Zurückblicken, aber für ihre Verhältnisse mäßigen sportlichen Erfolg. 1964 hatten sie zum letzten Mal eine World Series erreicht, ehe 1973 George Steinbrenner das Team für 8,8 Millionen Dollar erstand.

Dass sich diese Investition in den Folgejahren vervielfachen sollte, hatte der Geschäftsmann aus dem Mittleren Westen dabei auch seinem eigenen Gespür zu verdanken. Bei seinem Antritt als Besitzer hatte er ein Ende der Zeiten ohne World-Series-Teilnahme und Titel versprochen, aber auch betont, sich aus dem Alltagsgeschäft herauszuhalten.

Das eine Versprechen konnte er vier Jahre später mit einem Titel bereits erfüllen, doch das zweite wollte er dann doch nicht einhalten. Steinbrenner machte sich aufgrund seiner Allgegenwärtigkeit, seinem Verschleiß an Managern und seinem militärähnlichen Führungsstil einen Namen als Boss der Bosse. Als er im letzten Jahr verstarb, kratzten die Spekulationen über einen möglichen Verkaufswert an der Grenze zu einer Milliarde Dollar.

Steinbrenner baute die drei Säulen

Steinbrenner hatte bereits 1988 die erste Basis für die derzeitige Ausnahmestellung des Teams gelegt, als er die Senderechte der Yankees an das Madison Square Garden Network verkaufte und somit das Einkommen in diesem Segment ebenfalls vervielfachte. Die Gründung von YES 2002 sollte nur die logische Folge dieses ersten Schrittes sein. Mittlerweile hat YES den einstigen New Yorker Marktführer MSG übrigens vom ersten Platz in der Stadt verdrängt.

Sponsorenverträge, wie dem 1997 mit Adidas als Hauptausrüster geschlossenen, der in zehn Jahren 93 Millionen Dollar einbrachte, brachten Steinbrenner zwar auch Konflikte mit der MLB und den anderen Besitzern ein, bestätigten letztlich aber dessen Geschäftssinn.

Und natürlich ist Steinbrenner für den Bau des neuen Yankee Stadiums verantwortlich, nachdem er das alte bereits Mitte der 1970er Jahre modernisieren ließ. 1,5 Milliarden Dollar kostete der Bau des 2009 eingeweihten neuen Stadions, das über 50.000 Zuschauer fassen kann, und die Infrastruktur drum herum. 800 Millionen Dollar davon bezahlte Steinbrenner, den Rest trug die Stadt und damit der Steuerzahler.

Natürlich war dies der typische Zug, den man von den Yankees und Steinbrenner erwartete. Genau wie die State-of-the-Art-Austattung, die sich besonders in der Zuschauerkapazität - übrigens gegenüber dem allgemeinen Trend in der MLB - niederschlug. "Das ist immer Georges Philosophie gewesen: Wir sind die Yankees, alles muss erster Klassse sein", erklärte Yankees-Präsident Randy Levine usatoday.com. "Wir wollten ein Stadion bauen, das einen 'Wow'-Faktor hat." Den haben auch die Preise für VIP-Sitze, die bereits 2009 2.625 Dollar pro Spiel kosteten.

Man muss seine Chancen nutzen

Damit noch einmal zurück zur Ausgangsfrage - natürlich profitierten und profitieren die Yankees davon, dass die Buchstaben NY eben für eine ganze Stadt stehen. Aber das Team und letztlich George Steinbrenner und seine Angestellten verstanden es wie keines der anderen Teams der Stadt daraus, und aus der Tradition, ein einmaliges Erfolgsrezept zu schmieden.

Und damit wurden in den letzten Jahrzehnten die Weichen für eben jenen Reichtum gestellt, der die Yankees zum finanziellen Überflieger der MLB und der Geldmaschine macht, die bei Forbes auf Rang drei weltweit geführt wird.

Sven Kittelmann

sportal.de sportal

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