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NBA: Dallas Mavericks verlieren auch das vierte Spiel gegen Oklahoma City Thunder

Müde Beine, fehlende Motivation - da konnte auch die zähe Gegenwehr von Dirk Nowitzki nichts retten. Die Dallas Mavericks sind als erster Titelverteidiger der NBA-Playoff-Geschichte in der ersten Runde mit 0:4 gescheitert 

Die Dallas Mavericks sind in der ersten Runde der NBA-Playoffs als erster Titelverteidiger der Geschichte mit einem 0:4 ausgeschieden. Das 97:103 im vierten Spiel gegen die Oklahoma City Thunder besiegelte das Schicksal für den Champions von 2011, bei dem nun im Sommer größere Umbauarbeiten anstehen dürften.

Langsamer Start, doch die Hoffnung bleibt

Zu Beginn der Partie sah alles nach einer Kopie des dritten Spiels der beiden Teams aus. Dallas verschlief die ersten Minuten, und Oklahoma startete einmal mehr mit viel Tempo. Doch ein guter Run von Jason Kidd und Shawn Marion Mitte des ersten Viertels glich die Partie aus – und obwohl die Thunder auch im zweiten Viertel auszureißen drohten, konnte Dallas dank 10 Punkten von Dirk Nowitzki innerhalb von acht Minuten mit einem Unentschieden in die Pause gehen.

Nach der Pause merkte man den Mavericks endlich an, dass sie den Ernst der Lage begriffen hatten. Die Verteidigung griff, abgesehen von James Harden konnte keiner der Thunder-Stars punkten, und bei Dallas lief Nowitzki, der seine ersten fünf Würfe der Halbzeit allesamt versenkte, heiß. Mit einem Vorsprung von 13 Punkten ging es ins Schlussviertel – eigentlich eine beruhigende Ausgangslage für die letzten 12 Minuten, zumal die 34 Punkte der Mavericks in diesem Abschnitt die beste Ausbeute war, die einem der beiden Teams während der gesamten Serie in einem Viertel gelang.

Gestatten: James Harden, Mavs-Killer

Doch wie so oft in dieser Saison ist in Dallas nicht alles Gold, was glänzt. Natürlich lag der Einbruch der Mavericks im vierten Viertel auch an der mangelhaften eigenen Punkteausbeute, doch vor allem war James Harden, der Mann mit dem wildesten Bartwuchs der Liga, für Dallas nicht zu stoppen. Der Guard der Thunder, der in den nächsten Tagen wohl als bester sechster Mann der Liga ausgezeichnet werden wird, traf aus allen Lagen und kompensierte mit seinen 15 Punkten ein schwaches Viertel der beiden Superstars Durant und Westbrook auf Seiten der Thunder.

Auf Seiten der Mavericks war es einzig Dirk Nowitzki, der sich mit Dallas' letzten neun Punkten gegen das drohende Ausscheiden stemmte – alle anderen Routiniers, ob Kidd, Marion oder Carter, sahen in der entscheidenden Phase des Spiels allesamt müde und ausgelaugt aus, so dass die Thunder das Spiel am Ende mit sechs Punkten für sich entscheiden konnten. Nowitzki beendete die Partie mit 34 Punkten, doch vor allem die fehlende Unterstützung von der Bank kostete die Mavericks zumindest einen Ehrenpunkt in der Serie. Bei den Thunder war James Harden mit 29 Punkten der beste Schütze.

Großer Umbau in Dallas – so schnell wie möglich

Im Sommer werden die Verantwortlichen in Dallas nun alles daran setzen müssen, das viel zu alte Team grundlegend umzubauen und vor allem zu verjüngen. Während Pointguard Jason Kidd mit seinen 39 Jahren bereits angekündigt hat, im nächsten Jahr auch mit einem Platz auf der Bank sowie einer signifikanten Gehaltskürzung zufrieden zu sein, um noch einen letzten Anlauf auf den Titel zu wagen, ist das Schicksal von Spielern wie Shawn Marion, Vince Carter und Delonte West völlig offen.

Die Spieler selbst dürfte das jedoch zunächst nicht beschäftigen. Das Fazit aus diesen Playoffs ist klar: Für Nowitzki und Co. geht es nach einer anstrengenden Saison in den Urlaub, wo sich vor allem der deutsche Superstar schnellstmöglich daran machen sollte, die Spielzeit zu vergessen und im Spätsommer dann rechtzeitig mit der Vorbereitung auf die neue Saison zu beginnen. Denn sicherlich ist das frühe Ausscheiden – ebenso wie die durchgehend sehr dürftigen Darbietungen der Regular Season – auch der Tatsache geschuldet, dass sich viele Spieler, inklusive Nowitzki, aufgrund des Titelgewinns sowie des durch den Lockout immer weiter herausgezögerten Saisonbeginns zu lange auf die faule Haut gelegt hatten. Von der Frische und dem Biss, die die Mavs vor allem in den Playoffs des letzten Jahres noch ausgezeichnet hatten, war nämlich über die gesamte Spielzeit wenig zu sehen – was in einer völlig einseitigen Serie gegen die mit jugendlichem Tempo aufspielenden Thunder endete.

Clippers und Grizzlies – Drama vorprogrammiert

Wesentlich spannender geht es hingegen in der Serie zwischen den Los Angeles Clippers und den Memphis Grizzlies zu. Hatten die Clippers in Spiel eins mit einem der größten Comebacks der NBA-Geschichte den Grizzlies ein Heimspiele gestohlen, hatten sich die Grizzlies in der zweiten Partie mit einer eindrucksvollen Leistung revanchiert. Am gestrigen Abend reichte es nicht ganz, nach dem 87:86 führen die Clippers in der Serie mit 2:1 Spielen und können sich mit dem nächsten Spiel in Los Angeles zwei Matchbälle erspielen.

Spiel drei fand gestern in einem vollbesetzten Staples Center in LA statt – und auch dort wartete auf die Fans, die sich über das erste Playoff-Heimspiel der Clips seit sechs Jahren freuen durften, eine nervenaufreibende und dramatische Partie. Zunächst sah es so aus, als könnten die Clippers das Spiel von Beginn an dominieren. Mit einem Zwischenspurt nach der Pause brachten sich die Gäste aus Memphis zwar mit bis zu 8 Punkten in Front, doch die Clippers sind mittlerweile eben nicht nur auf die Offensive von Blake Griffin und Chris Paul angewiesen, sondern können ebenso gut verteidigen.

Mehr als sieben Minuten hielten sie die Grizzlies im vierten Viertel ohne Korberfolg, und hätten sie bessere Freiwurfschützen in ihren Reihen, die Partie wäre nie mehr spannend geworden. Weil sich die Grizzlies aber dank zweier Verzweiflungsdreier von Rudy Gay 12 und 9 Sekunden vor dem Ende bis auf einen Punkt heran geschoben hatten und Eric Bledsoe zwei Freiwürfe vergab – die Clippers verwandelten nur 13 ihrer 30 Versuche von der Linie – hatte Gay in den Schlusssekunden sogar die Chance, das Spiel für Memphis zu gewinnen, scheiterte aber mit einem weiteren langen Wurf am Korbrand.

Bester Akteur bei den Clippers war Chris Paul, der mit 24 Punkten und 11 Assists glänzen konnte. Rudy Gay war mit ebenfalls 24 Punkten der beste Schütze bei den Grizzlies. In der bisher spannendsten Serie der ersten Runde ist nach wie vor alles ausgeglichen, schließlich hätten die Grizzlies in den Spielen 5 und 7 das Heimrecht – Spiel vier dürfte allerdings im Falle eines Clippers-Sieges eine kleine Vorentscheidung bedeuten.

Pacers übernehmen das Kommando

Für die zweite Runde planen dürfen hingegen die Indiana Pacers. Nachdem man das erste Spiel gegen die Orlando Magic noch unerklärlicherweise verloren hatte, gab es nach Siegen in den folgenden Partien auch in Spiel vier einen, wenn auch hart umkämpften, Pacers-Sieg. Nach dem 101:99-Sieg nach Verlängerung nimmt Indiana einen 3:1-Vorsporung mit nach Hause und sollte in den verbleibenden drei Spielen den Einzug in die zweite Runde besiegeln können.

Überragender Mann bei den Pacers war David West, der mit 26 Punkten und 12 Rebounds für die Bestmarken des Abends sorgen konnte. Vor allem unter den Körben, wo die Pacers immer wieder zu leichten Rebounds kamen, war den Magic der verletzungsbedingte Ausfall ihres All-Star-Centers Dwight Howard durchgehend anzumerken.

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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