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NBA: Mavericks verlieren gegen die Utah Jazz 121 -123 n.V.

Niederlage nach Triple Overtime, Tätlichkeit von Delonte West. Beim lesen der reinen Statistiken müsste man sich um die Ambitionen der Dallas Mavericks Sorgen machen. Wir erklären, warum die Mavs daraus trotzdem Einiges mit in die Playoffs nehmen können.

In einem hart umkämpften Spiel haben die Dallas Mavericks bei den Utah Jazz zwar eine 121:123-Niederlage nach dreifacher Overtime einstecken müssen, können aus dem Auftritt aber viel Positives für die Playoffs mitnehmen. Vor allem in der Schlussphase der regulären Spielzeit wurde man an die abgeklärten Auftritte der letztjährigen Playoffs erinnert.

Nach acht Siegen in Serie waren die Mavericks trotz der Niederlage gegen die Lakers vom Vortag guter Dinge nach Salt Lake City gereist, hatte Dirk Nowitzki doch beim letzten Aufeinandertreffen seine Saisonbestmarke von 40 Punkten aufgestellt.

Nowitzki in Playoff-Form

Aber es ist immer gefährlich, wenn man gegen einen Spieler antritt, den man früher selber beschäftigt hat, nur um ihn dann gegen andere Spieler zu traden. Utahs Devin Harris ist so ein Fall. Der Guard, früher bei den Mavs, wurde einst im Tausch für Jason Kidd an die New Jersey Nets abgegeben, die ihn – und andere - dann ihrerseits für Deron Williams eintauschten.

Harris legte sofort los, als wollte er die Mavs für diesen Trade bestrafen. Elf Punkte im ersten Viertel, davon drei Drei-Punkte-Würfe, setzten die Mavericks sofort unter Druck – doch auch Nowitzki hatte im Vergleich zur schwachen Partie gegen die Lakers seinen Wurf wiedergefunden.

Der Zug zum Korb stimmt wieder

"Ich habe viel zu viele Würfe genommen", so Nowitzki nach dem Spiel gegen Los Angeles. "So will ich nicht spielen, ich muss einfach wieder effizienter schießen. Also muss ich daran arbeiten." Und das schien über Nacht schon funktioniert zu haben, 20 Punkte hatte Nowitzki bereits zur Halbzeit auf seinem Konto und hielt seine Mannschaft damit trotz eines durchgehenden Rückstandes immer in Schlagdistanz.

Vor allem ist es für Mavericks-Fans beruhigend zu sehen, dass der Deutsche wieder den Weg zum Korb sucht. Freiwürfe sind nun mal Brot und Butter in den Playoffs, und die erarbeitet man sich meist in der Zone. Nowitzkis Freiwurfversuche sind so selten wie seit acht Jahren nicht mehr – aber pünktlich zu den Playoffs scheint das auch Nowitzki wieder eingefallen zu sein.

Mavs brauchen ihre Closer

Allerdings zeigten auch die Jazz, dass man ein durchaus legitimer Anwärter auf die Playoff-Plätze ist. Vor allem DeMarre Carroll und Al Jefferson machten Dallas unter den Körben schwer zu schaffen, und ein Goldenes Händchen von Carroll zum Ende des dritten Viertels sorgten für einen Elf-Punkte Rückstand der Mavs.

Doch die Mavericks scheinen sich bereits für die Playoffs einzuspielen. Gerade in Auswärtsspielen ist es in den Playoffs oft so, dass man drei Viertel lang versucht, im Spiel zu bleiben, um dann im letzten Abschnitt das Spiel dank guter Kraftreserven zu gewinnen - im letzten Jahr perfekt vorgeführt von Nowitzki und Jason Terry.

Carter, Millsap, Overtime!

Und diese Qualität steckt natürlich immer noch in den Mavs. Nur zu sehen gab es sie in den letzten Wochen viel zu selten. Nach und nach wurde der Vorsprung kleiner, Dreier von Nowitzki, Terry und Carter brachten die Mavericks in der Schlussminute bis auf einen Punkt heran. Zugeschnitten war der letzte Spielzug dann auf Nowitzki, aber weil der Carter außen völlig frei sah, nahm er den Assist und ließ Carter den letzten Dreier sicher verwandeln – den Millsap dann aber doch kurz vor der Schlusssirene per Putback-Dunk ausgleichen konnte

Die Overtime verlief dann nicht weniger dramatisch. Eine frühe Mavericks Führung konnten die Jazz dank zwei Dreiern wieder ausgleichen, Terry brachte die Mavericks kurz vor dem Ende nach Jazz-Führung noch auf einen Punkt heran, aber zwei Freiwürfe von Utahs Gordon Hayward hätten das Spiel entscheiden können – hätte Nowitzki nicht vier Sekunden vor dem Ende einen Dreier versenkt.

Es ging also in die zweite Overtime. Und auch hier hatten die Mavericks alle Chancen, zu gewinnen, doch weil beiden Teams die Erschöpfung anzumerken war und sich niemand entscheidend absetzen konnte, ging es sogar in die dritte Verlängerung, in der sich Nowitzki drei kostspielige Fehlwürfe leistete und den Jazz damit den Sieg ermöglichte. Beste Scorer ihrer Teams waren Nowitzki bei den Mavs (40 Punkte, 9 Rebounds) sowie Al Jefferson bei den Jazz (28 Punkte, 26 Rebounds).

Offense wins Games , Defense wins Rings!

Man sieht aber trotz Niederlage mittlerweile, dass auch die Mavs begriffen haben, dass die Playoffs vor der Tür stehen. Die Intensität, vor allem defensiv, ist viel höher als noch vor einigen Wochen – besonders gut an Jason Kidd zu beobachten, dem seine Pausen in den letzten Wochen offenbar sehr gut getan haben. Selbst eine im Schnitt viel jüngere, ergo körperlich fittere, Mannschaft wie die Utah Jazz konnten über die gesamte Spieldauer unter Druck gesetzt werden, schwierige Würfe zu nehmen.

Zwar hapert es nach wie vor bei der Arbeit unter dem Korb, selbst wenn Shawn Marion im letzten Monat auf einen Schnitt von 10,5 Rebounds kommt. Doch solange die Mavs weiter so gut im Raum stehen und verschieben, dazu bei den Steals so gefährlich bleiben (allein neun in Halbzeit eins) und die eigenen Turnover weiter begrenzt halten, scheint man für die Playoffs mit ihren Defensivschlachten gerüstet zu sein.

West mit klarer Tätlichkeit

Dass man es mit der Intensität allerdings auch übertreiben kann, bewies Mavs-Guard Delonte West Mitte des zweiten Viertels. Warum er den vorher von ihm gefoulten Hayward auf dem Weg zur Freiwurflinie den Finger ins Ohr steckte, weiß niemand außer ihm selber. Die Halle brach in laute "Throw him out!"-Sprechchöre aus, die Schiedsrichter ließen sich auf einem Monitor die Wiederholung zeigen – und ließen dann Gnade walten.

Dass er für diese Aktion nicht mehr als ein technisches Foul bekam, grenzte an ein Wunder – und trotzdem werden die Mavericks abwarten müssen, ob West dafür noch nachträglich von der Liga bestraft und unter Umständen für einige Spiele mit einer Sperre belegt wird. Sicher nicht behilflich werden West dabei seine Vergangenheit als – auch schon verurteilter – Straftäter sowie sein als aufbrausend bekanntes Temperament sein.

Nuggets auch auswärts stark – James clutch!

Zur Hilfe kam den Mavericks heute natürlich auch, dass die Konkurrenz weiter in Spielen gegeneinander Punkte lässt. Nachdem die Denver Nuggets bereits ihr Heimspiel gegen die Houston gewinnen konnten, gelang ihnen selbiges heute auch in Texas. Beim 105:102 konnte man im letzten Viertel einen Zwölf-Punkte-Rückstand auf die Rockets aufholen und sich am Ende dank eines Dreiers von Ty Lawson durchsetzen.

Profit schlagen aus der Niederlage der Rockets die Phoenix Suns, die ihrerseits mit 125:107 gegen Portland gewinnen konnten. Phoenix überholt damit aufgrund des besseren direkten Vergleichs die Rockets im Kampf um den achten und letzten Playoff-Platz.

Laut zu Wort gemeldet hat sich Lebron James in der MVP-Frage. Nicht mit Worten, sondern einem weiteren Beweis, dass er zumindest in Spielen der Regular Season sehr wohl nervenstark ist und ein Spiel übernehmen kann. Innerhalb der letzten knapp fünf Minuten erzielte James gegen die New Jersey Nets alle 17 Punkte seiner Heat und drehte damit einen Sieben-Punkte-Rückstand quasi im Alleingang zum 101:98-Sieg seiner Mannschaft.

Die Heat, ohne Superstar Dwyane Wade angetreten, der geschont wurde, taten sich zwar schwer, konnten aber dank Chicagos 84:87-Ausrutscher gegen die Washington Wizards den Abstand auf den Tabellenführer auf 2,5 Spiele verringern.

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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