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NFL: New York Giants gewinnen Super Bowl XLVI mit 21 -17

Jahrelang war er nur der kleine Bruder Peyton Mannings, doch mit seinem zweiten Super Bowl Sieg innerhalb von vier Jahren gegen die New England Patriots hat sich Eli Manning seine eigene Legende geschaffen. Beim Gegner haderte man dagegen mit ungewohnten Fehlern, fehlender Präzision und fehlender Fitness.

Mit einem 21:17 haben sich die New York Giants im 46. Super Bowl im Lucas Oil Stadium in Indianapolis durchgesetzt und den New England Patriots somit ein Deja Vu beschert. Wie bereits im NFL-Finale 2008 hatten diese nämlich im letzten Viertel geführt, ehe ein Pass von Eli Manning dem erneuten New Yorker Erfolg Tür und Tor öffnete.

Vor vier Jahren war es der inzwischen zurückgetretene David Tyree gewesen, der einen unmöglich erscheinenden Pass mit dem Helm gefangen und den entscheidenden Ballbesitz am Leben erhalten hatte. Im Lucas Oil Stadium zu Indianapolis war es dieses Mal Mario Manningham, den Manning 3:47 Minuten vor dem Ende an der Mittellinie bediente und der den Ball trotz zweier Verteidiger fing.

Auch wenn New Englands Coach Bill Belichick den erfolgreichen Fang per Video überprüfen ließ, gab es jedoch schnell wenig Zweifel, dass Manningham beide Füße, wie per Regel gefordert, im Spielfeld auf den Boden gebracht hatte.

Kurioses Ende

Running Back Ahmad Bradshaw brachte gute zweieinhalb Minuten später den Ball in der Endzone der Patriots zum 21:17-Endstand unter. Allerdings nicht ganz freiwillig, hatte er sich doch eigentlich, um die Uhr weiter runterlaufen zu lassen, vor der gegnerischen Endzone niederlassen wollen, war aber von New Englands Linebacker Rob Ninkovich zum Touchdown geschubst worden.

Aus New Englands Sicht war dieser Schachzug wegen eines fehlenden Timeouts nötig geworden, Bradshaws eigentlicher Plan hätte die Patriots zu viel Zeit gekostet. So übernahm Patriots-Quarterback Tom Brady noch einmal zuguterletzt mit 0:57 Minuten auf der Uhr, brachte seine Offensive ins Rollen, scheiterte aber letztlich bei auslaufender Uhr mit einem sogenannten Hail-Mary-Pass in die gegnerische Endzone, den weder Freund noch Feind fangen konnten.

So durfte sich Eli Manning, der es am Ende auf 296 Yards und einen Touchdown brachte, endlich aus dem Schatten seines Bruders Peyton befreien, hatte der Ältere in Diensten der Indianapolis Colts doch erst einen Super Bowl-Titel erringen können. Ausgerechnet in Peytons Heimstadion und gegen dessen Erz-Rivalen um die Quarterback-Krone ihrer Generation, Brady, gelang Eli nun dies, was Peyton 2010 bei der Niederlage gegen die New Orleans Saints verwehrt geblieben war. Auch seine erneute Wahl zum Super Bowl-MVP unterstrich den starken Eindruck.

Fehler, fehlende Präzision und fehlende Fitness

Gegenüber Brady, der bei seinem fünften Super Bowl nicht den erhofften vierten Sieg holen konnte, dürfte an dieser Schlappe noch zu knabbern haben. Die Patriots machten sich von Beginn an das Leben schwer. Angefangen bei Bradys Safety, der das 0:2 bedeutete. Ein Punt von New Yorks Steve Weatherford hatte die Bostoner an der eigenen 2-Yard-Linie gehalten, Brady stand in der eigenen Endzone, als Justin Tuck auf ihn zugestürmt war. Er warf den Ball weg und musste dafür den Safety hinnehmen. Dieser Spielzug ging dazu mit auf die Kappe von Right Tackle Sebastian Vollmer, der Tuck durchgelassen hatte. Vollmer, der im Anschluss zunächst von Belichick auf die Bank gesetzt wurde, dann aber doch wieder - teilweise erfolgreich - eingesetzt wurde, konnte somit nicht als erster Deutscher einen Super Bowl-Titel feiern.

Die Fehler setzten sich weiter fort. Bezeichnend für die ansonsten oft fehlerfreie Maschinerie des Belichick-Teams war das Vorgeschehen vor dem ersten Giants-Touchdown durch Victor Cruz. Ninkovich hatte einen Fumble der New Yorker kurz vor der eigenen Endzone für die Patriots erobert, doch New England hatte einen Mann zuviel auf dem Feld. Im nächsten Spielzug schlugen Manning und Cruz zu – die Giants führten 9:0.

Im zweiten Viertel drehten die Pats das Spiel dank eines Field Goals von Kicker Stephen Gostkowski und einem Touchdown-Pass auf Running Back Danny Woodhead zwar zum 10:9-Halbzeitstand, doch bis dahin war so ziemlich jedem der knapp 70.000 Zuschauer im Stadion klar, was viele Bostoner vor dem Spiel gefürchtet hatten: Star Tight-End Rob Gronkowski war durch seine Knöchelverstauchung so eingeschränkt, dass er eher Ablenkungsmanöver, denn echte Offensivwaffe war.

Erst Gronk, dann Brady

Nach der Pause sorgte Brady für Zuversicht, nachdem er zunächst einen Super Bowl-Rekord seines Vorbildes Joe Montana kassierte und 16 erfolgreiche Pässe am Stück warf und schließlich Gronkowskis Tight End-Partner Aaron Hernandez, der gemeinsam mit Wide Receiver Wes Welker in die Bresche gesprungen war, in der Endzone zum 17:9 bediente.

Doch dies sollten die letzten Punkte sein. Gronkowski sollte zwar von Brady noch einmal mustergültig durch die Mitte bedient werden, doch kurz vor der New Yorker Endzone schnappte Giants-Linebacker Chase Blackburn dem angeschlagenen wirkenden Gronkowski den Ball weg. Kurze Zeit später erwischte es Brady, der sich nach einem Sack von Tuck, der ihn zwei Mal zu Boden schickte, an der Schulter behandeln ließ. Seinen Rhythmus hatte Brady bereits zur Interception verloren, jetzt sollte nur noch wenig klappen.

Sie wollten ihn wegjagen

Bei den Giants lief es teilweise ebensowenig rund, sie leisteten sich jedoch keine Ballverluste und hatten gleich bei zwei Gelegenheiten Glück, dass die eigenen Leute Fumbles der Mitspieler aufsammelten. Zwei Field Goals von Lawrence Tynes sorgten im dritten Viertel auf eine Verkürzung des Rückstandes auf 15:17, ehe Manninghams Fang und  Bradshaws unfreiwilliger Touchdown dem erneuten Triumph Tür und Tor öffnete.

Nicht nur für Eli Manning, auch seinen Coach Tom Coughlin dürfte der zweite Sieg mit den Giants im Endspiel der NFL das Ticket für die Hall of Fame gewesen sein. Coughlin hatte im verwöhnten New York auch in dieser, zeitweise sehr durchwachsenen Saison seine Schwierigkeiten gehabt.

Noch vor acht Wochen hatten die Zeitungen der größten amerikanischen Stadt angesichts der möglicherweise verpassten Playoffs seinen Kopf gefordert. Durch den zweiten Triumph zog Coughlin mit seinem Lehrmeister Bill Parcells gleich, der für die Giants die ersten zwei Super Bowl-Titel gewonnen hatte. Zudem behielt er zum zweiten Mal gegen einen weiteren Parcells-Schüler und Ex-Kollegen in New York die Oberhand: Bill Belichick.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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