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NFL: NFL-Kolumne - Rekorde für Quarterbacks - Kampf um die Playoffs

Spätestens vor dem letzten Spieltag beginnen in der NFL die Rechenspielchen um die Playoff-Plätze, so auch bei uns. Einer, der hingegen nicht mehr rechnen muss, ist Drew Brees von den New Orleans Saints, der bereits eine ewige Bestmarke in der Tasche hat.

Im Dezember, unterm Weihnachtsbaum, wird für gewöhnlich Vieles in der NFL entschieden. Da ist es kaum verwunderlich, dass sich langsam das Playoff-Bild herauskristallisiert, sich die Titelfavoriten warm machen und in Form spielen.

In absoluter Topform sind die New Orleans Saints und vor allem ihr Quarterback Drew Brees, der beim 45:16 gegen die Atlanta Falcons mit dem letzten Pass einen 27 Jahre alten Rekord von Legende Dan Marino knackte und die Bestmarke für Raumgewinn in einer Saison von 5084 auf 5087 Yards steigerte. Da Brees in der nächsten Woche noch einmal ran darf, wird dieser Rekord wahrscheinlich auch einer für eine halbe Ewigkeit.

Brees ist mit dieser Leistung zudem der einzige Spieler in der NFL-Geschichte, der es auf zwei Spielzeiten mit über 5000 Yard brachte. Und er hat noch eine weitere Marke im Visier, konnte er mit seinen vier Touchdown-Pässen gegen Atlanta seine Jagd auf eine noch viel ältere Marke fortsetzen: Von 1956 bis 1960 schaffte es Johnny Unitas in 47 Spielen jeweils einen Touchdown-Pass zu verzeichnen. Brees kommt nach dem Spiel gegen Atlanta auf 42.

Damit nicht genug der Superlative, die Saints stehen in der Offensive – natürlich auch dank Brees – vor einem weiteren Meilenstein. 219 Yard fehlen New Orleans noch, dann hätten sie die St. Louis Rams von 1999, damals Greatest Show on Turf (Größte Show auf Kunstrasen) genannt, nach Raumgewinn eingeholt. Das sollte doch wohl drin sein im letzten Spiel gegen die Panthers.

Newtonmania

Die haben sogar einen eigenen Rekordhalter in den Reihen: Cam Newton durchbrach mit nun 3893 Yard Peyton Mannings Bestmarke für Rookies aus dem Jahre 1998. Zudem könnte er noch die 4000er Marke knacken. Kein so schlechter Rekord für einen, den viele – ich eingeschlossen – vor der Saison als noch nicht NFL-reif bezeichnet haben.

Noch einmal zurück zu Brees und den Saints. Die haben im Moment zwar einen Lauf, doch würde ich in dieser Woche eine Top Fünf mit Platzierung machen, wären sie immer noch nicht die Nummer eins. Dafür scheint mir die Greatest Show on Turf II zu sehr vom Hallen abhängig. Und spätestens im NFC-Endspiel würde in Green Bay die Frozen Tundra mit Eiseskälte und hartem Rasen auf die Saints warten.

Eckenrechnen auf hohem Niveau

Hätte, könnte, müsste – am Sonntag ist es in der NFL vorbei mit Konjunktiven, müssen doch gleich acht Teams in Endspielen um die Playoffs antreten. Dabei haben es vier von ihnen in der eigenen Hand, sich weitere Spiele im Januar zu sichern. Die andere Hälfte muss dabei auf Fehltritte dieser Konkurrenten hoffen.

Am einfachsten haben es dabei die New York Giants, die im heimischen Met Life Stadium die direkte Konkurrenz aus Dallas empfangen. Der Sieger der Partie ist gleichzeitig Gewinner der NFC East und das an Nummer vier gesetzte Team der Conference. Die restlichen Plätze sind bereits vergeben.

Fest steht: Die Cowboys müssen gewinnen – die Niederlage und sogar ein seltenes Unentschieden würde den Giants die Playoff-Teilnahme bescheren. Da ist es für die Texaner weniger günstig, dass Quarterback Tony Romo und Running Back Felix Jones angeschlagen sind und zudem die Offensive Line mit Ausfällen zu kämpfen hat.

Wunderheiler Dr. Jones?

Aber keine Sorge, liebe Dallas-Fans! Euer obskurer Teambesitzer Jerry Jones, im zarten Alter von 69 immer noch nicht bereit Verantwortung abzugeben, hat Romos Handverletzung als spieltauglich diagnostiziert. Hat er zumindest einem Radiosender gesagt. Er habe so seine Zweifel gehabt, doch als Romo einen Tag nach dem 7:20 gegen die Philadelphia Eagles erst mit der rechten Hand an seine Bürotür anklopfte und dann noch den Handshake fehlerfrei ausführte, war Jones von dessen hundertprozentigem Einsatz überzeugt.

Ich mag Jones' Optimismus beim Duell der östlichen Wundertüten nicht ganz teilen – zu viel spricht eigentlich für die Giants. Obwohl: Die haben mit Eli Manning einen Quarterback, der ähnlich wie Romo in entscheidenden Situationen zu Negativleistungen fähig ist. Und der – so scheint es – mit der Favoritenrolle wenig zurecht zu kommen scheint. Trotzdem glaube ich eher an die Blauen als die Texaner.

Im Westen nichts Neues?

Las es sich in der NFC noch verhältnismäßig einfach, garantiere ich bei den folgenden Rechenspielen Kopfschmerzen. In der AFC geht es gleich um zwei Plätze und dies auch nur in Fernduellen. Zum einen muss auf diese Art der Sieger der AFC West ermittelt werden. Setzen sich die Denver Broncos im Duell mit den Kansas City Chiefs durch, nützt den Raiders zumindest im Kampf um die AFC-West-Krone der Sieg gegen den vierten Divisionsrivalen San Diego Chargers nichts. Im Kampf um den letzten Wildcard-Platz wäre allerdings noch was drin für die Raiders.

Auf den Wildcard-Platz haben die Cincinnati Bengals die größten Chancen, wenn sie gegen die bereits qualifizierten Baltimore Ravens gewinnen. Und selbst bei einer eigenen Niederlage wäre der Zug noch nicht abgefahren, wenn die Oakland Raiders, die New York Jets (in Miami) und die Tennessee Titans (in Houston) verlieren.

Das bedeutet im Umkehrschluss für die Raiders, Jets und Titans, dass sie ihre Spiele auf jeden Fall gewinnen müssen und auf Baltimores Schützenhilfe angewiesen sind. Damit natürlich nicht genug. Die Jets müssen zudem darauf hoffen, dass die Chargers den Divisionsrivalen aus Oakland noch ärgern wollen und die Denver Broncos die AFC West für sich entscheiden. Ein Unentschieden der Raiders brächte die Jets dagegen weiter – aber nur, wenn die Titans nicht gewinnen. Von denen aus dürften die Jets sogar gewinnen, wenn nur Oakland und Cincinnati verlören.

Butter bei die Fische – wer macht das Rennen?

Wenn mich meine Rechenkünste nicht ganz im Stich lassen, haben es die Broncos und Bengals natürlich am leichtesten, ein Sieg gegen ihre jeweiligen Gegner und das Rennen ist entschieden. Doch, halt! Beide bekommen es mit Divisionsrivalen zu tun, die ihren Gegenübern nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen dürften.

Die Bengals haben es dabei sicher einfacher, sind die Ravens doch bereits für die Playoffs qualifiziert und vielleicht setzt John Harbaugh auf Schonung für einige Spieler. Andererseits geht es für Baltimore immer noch um den zweiten Platz in der AFC und damit ein spielfreies erstes Playoff-Wochenende.

Leicht wird es auch für die Broncos, die in den letzten beiden Spielen Niederlagen kassierten, nicht werden. Kommt mit Kyle Orton doch ausgerechnet der zugunsten Tim Tebows geschasste Quarterback als Anführer der Chiefs in die Stadt. Außerdem dürfte Interimscoach Romeo Crennel nach der unglücklichen Niederlage nach Verlängerung gegen die Raiders aus der letzten Woche noch um seinen möglichen Verbleib auf dem Trainerposten spielen.

Ich gehe davon aus, dass die Bengals mit einem Sieg allen hätte, wäre, könnte-Szenarien um Jets, Titans und Raiders den Garaus machen. Da die Broncos aber verlieren und Oakland mit Rückenwind aus der Kansas-City-Partie gewinnt, dürfen die Kalifornier in die Playoffs.

Heute bleibt meine Top- und Flop-Fünf Küche mal kalt, in der nächsten Woche kommt dann die Generalabrechnung mit Siegern und Verlierern der regulären Saison 2011/12. Dann schauen wir auch, wie sich unsere Redakteure geschlagen haben und blicken auf die erste Playoff-Runde.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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