HOME

NFL: NFL-Kolumne - Vorschau auf Super Bowl XLVI

Im NFL-Finale kommt es zur Wiederauflage von 2008 und damit geht es den New England Patriots um Rache gegen die New York Giants. Schließlich mussten die Bostoner damals ausgerechnet im Endspiel den Traum einer Saison ohne Niederlage begraben 

"Revenge is a dish best served cold", so heißt ein klingonischer Ausspruch, in holpriger Übersetzung in etwa "Rache wird am besten kalt serviert". Die mögliche Revanche der New England Patriots im Super Bowl gegen die Giants findet allerdings eher bei angenehmen Temperaturen statt, schließlich gibt es in Indianapolis einen Dome.

Dass nun ausgerechnet Tom Brady und Eli Manning die Krone der diesjährigen Saison unter sich ausmachen, dürfte Elis großen Bruder Peyton ein wenig wurmen. Schließlich findet der 46. Super Bowl im Lucas Oil Dome in Indianapolis statt und damit in Peytons eigenem Wohnzimmer. Nicht nur die Nummer 16 der Indianapolis Colts, auch die Fans und Verantwortlichen hatten sich das Szenario jahrelang ausgemalt: Beim großen Finale in der eigenen Stadt sollte Peyton ihr Team zum zweiten Titel innerhalb weniger Jahre führen.

Doch Nummer 16 spielte in dieser Saison keine Minute, die Colts beendeten das Jahr als schlechtestes Team der NFL und stehen nun am Scheideweg. Trennen sie sich von Peyton Manning und draften Andrew Luck als seinen Ersatz oder bleiben sie dem fast 35-jährigen, der ihnen von 1999 bis 2010 durchgängig Playoff-Teilnahmen und einen Titel bescherte, treu? Das Thema Peyton dürfte uns gerade nach dem Super Bowl weiter in Atem halten.

Rache ist Blutwurst

Zurück zum Spiel der Spiele und zurück zum Rachegedanken. Denn die Niederlage 2008, als Giants-Wide Receiver David Tyrell den entscheidenden Pass von Eli Manning mit Hilfe seines Helmes fing und die Patriots in ein Tal der Tränen stürzte und eine kurze Episode von für Bostoner Verhältnisse mageren Jahren sorgte, ist für New Englands Fans immer noch die schmerzhafteste der letzten Jahre.

Schließlich waren ihre Pats nach drei Titeln 2001, 2003 und 2004 in der Saison 2007/08 auf dem Weg Geschichte zu schreiben und als zweites Team nach den Miami Dolphins 1972 auf dem Weg eine Spielzeit ohne Niederlage zu absolvieren. Und: sie wären das erste Team gewesen, dass dies in einer 16 Spiele langen Saison geschafft hätte, zu Miamis Zeiten waren "nur" 14 Partien zu spielen.

Alte Bekannte auf allen Seiten

New Englands Coach Bill Bellichick spielte den Revanchegedanken während des Media-Days herunter. Es seien zwei andere Teams mit verändertem Gesicht, ließ sich der Mann im grauen Kapuzenpullover vernehmen.

Nun, da muss ich dem Genie widersprechen. Mit ihm und Tom Brady auf der einen Seite und Tom Coughlin und Eli auf der anderen sind die Hauptdarsteller dieselben. Und gerade Brady ist jemand, der – sportlich gesehen – ein Gedächtnis wie ein Elefant hat. Wenn ihm ein Gegner jemals solch eine Schmach zugefügt hat, will er diese Scharte irgendwann auswetzen. Sein Coach, in Sachen Ehrgeiz seinem Quarterback kaum nachstehend, dürfte ähnlich denken.

Außerdem geht es für Belichick gegen einen ehemaligen Kollegen. Coughlin und er kommen aus derselben Coaching-Schule, waren sie schließlich gemeinsame Assistenten unter Bill Parcells. Beide gewannen 1990 mit den Parcells und den Giants gemeinsam einen Titel-Ring. Dass der alte Kollege im direkten Duell im Finale mit 1:0 führt, dürfte Belichick trotz aller Titel und nach außen getragener Coolness innerlich wurmen.

Breite Brüste

Mit viel Selbstbewusstsein sind die beiden Teams nach Indianapolis gekommen, alles andere wäre grob fahrlässig. Oder wie New Yorks Safety Antrel Rolle es gegenüber nfl.com passend ausdrückte: "Wir hätten dieses Flugzeug wohl kaum bestiegen, wenn wir nicht daran glauben würden, dass wir gewinnen.“ Anders als noch 2008 gelten die Giants dieses Mal nicht als Underdogs, wie auch die Buchmacher in Las Vegas erkannten und die Patriots nur als leichte Favoriten ins Rennen schicken.

Vollkommen zurecht, haben die Giants nach einer Achterbahnsaison die letzten fünf Spiele gewonnen und sind dank herausragender Defense und Offense das vielleicht sogar komplettere Team, hat die Verteidigung der Patriots das ein oder andere Mal doch gehakt. Gegen die Ravens war die Defensive in den entscheidenden Situationen jedoch auf dem Posten. Alles in allem dürfte nicht nur meine Vorfreude auf ein Spiel zwischen zwei ebenbürtigen Teams steigen. Um mich nicht nur in schwammige Voraussagen zu retten, gebe ich meinen Siegertipp ab: Der Bauch sagt, New England wird den vierten Super Bowl-Titel der Belichick/Brady-Ära feiern dürfen.

Starker Jahresbeginn für die Maras

Sollte ich mit meinem Tipp richtig liegen, gibt es für die Giants-Besitzerfamilie Mara drei Wochen späte eine andere, schlanke Trophäe zu feiern. Diese ist – anders als die Vince Lombardy-Trophy des Super Bowl Siegers- sogar aus Gold und hört auf den Namen Oscar.

Denn die Ur-Enkelin des Giants-Gründers Tim und Ur-Enkelin des Pittsburgh Steelers-Gründers Art Rooney und Nichte des jetzigen Teambesitzers Jim Rooney Mara ist für eine Auszeichnung bei den diesjährigen Academy Awards nominiert. Rooney spielt die Hauptrolle in der Neuverfilmung des Stieg Larsson-Thrillers Verblendung. Angesichts solcher Siegergene müssen sich Glenn Close und Meryl Streep am 26. Februar warm anziehen.

Heute ist nicht aller Tage...

Doch vorerst zurück zum 5. Februar und Super Bowl XLVI, der uns in den nächsten Tagen noch Einiges an Geschichten bescheren wird. Unter anderem blicken wir auf die Rivalität zwischen Tom Brady und den Mannings, stellen den potentiellen ersten deutschen Super Bowl-Gewinner, Sebastian Vollmer, vor und vergleichen die Spieler beider Teams im Check.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

Wissenscommunity