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NFL: NFL-Kolumne - Warum sind die Green Bay Packers so gut?

Im Gegensatz zu anderen NFL-Städten ist Green Bay wohl eher ein beschauliches Städtchen. Und trotzdem wohnt hier der Erfolg. Dank 13 Titeln in der langen Geschichte der Football-Liga hat man sich nicht von ungefähr den Spitznamen Titletown verdient. Und ist auf dem besten Wege, dort Nummer 14 zu feiern.

Gerade einmal 100.000 Einwohner zählt das Städtchen Green Bay in Wisconsin, größter Arbeitgeber neben einem Versicherungsunternehmen und einem Logistikunternehmen sind das Indianerreservat und der Schulbezirk. Außerdem beheimatet Green Bay das erfolgreichste Team der NFL-Geschichte, die Packers.

13 NFL-Titel nennen die Grüngoldenen ihr Eigen, soviel hat kein Anderer. Wen kümmert es im deswegen mit dem Spitznamen Titletown versehenen Städtchen, dass in der Super Bowl-Zeit seit 1966 gerade einmal vier dieser Titel gewonnen wurden? Zumal sie in diesem Jahr souverän in Richtung Titelverteidigung zu gleiten scheinen. Für diese Dominanz in der Liga mit 11:0-Siegen gibt es mehrere Gründe.

Aaron Rodgers, Superstar

Es ist schon reichlich unfair, was die Quarterbacks bei den Packers angeht. Erst treibt mit Brett Favre einer der besten der letzten zwei Jahrzehnte dort sein Unwesen, dann kommt dieser junge Rodgers, guckt sich drei Jahre lang an, wie man es macht, um dann zu übernehmen.

Und wie er übernommen hat. Sein einstiger Mentor Favre, der am Ende seiner Karriere in Green Bay sein Denkmal höchstselbst demontiert hat, wunderte sich vor kurzem öffentlich zwar, warum Rodgers drei Jahre nach seinem Abgang "erst“ den Super Bowl gewinnen konnte. Doch für mich klingt das auch etwas nach Neid. Nicht falsch verstehen, ich habe Favre als Spieler immer gemocht, die letzten Jahre traf er doch meist neben dem Feld die falschen Entscheidungen – und ich rede nicht nur von Handyfotos.

Aber genug von Favre, der ist nämlich bereits etwas länger Geschichte im Staate Wisconsin. Rodgers Nummern lesen sich im Moment wie der Traum eines jeden Highschool-Quarterbacks. In sieben Spielzeiten, davon jetzt der vierten Saison als Stamm-Quarterback, kommt er bei 16.198 Yard Raumgewinn, 120 Touchdowns und 36 Interceptions auf ein sagenhaftes Quarterback-Rating von 103,8. Zum Vergleich: Peyton Manning hat eines von 94,9, Tom Brady kommt auf 96,0 und Joe Montana auf 92,3.

Und ja, ich weiß, dass dieses Rating sehr umstritten ist, weil eben nicht alles in Zahlen ausgedrückt werden kann. Ich sage auch nicht, dass er besser als Manning, Brady und Montana ist. Aber er befindet sich derzeit auf Augenhöhe, nach mindestens weiteren vier Jahren wird es eh Zeit auf Rodgers Errungenschaften zurückzublicken, um seine Leistungen weiter einordnen zu können.

Eine Statistik, die im Thanksgiving-Spiel bei den Lions auftauchte, hat mich ebenfalls beeindruckt und sollte hier noch erwähnt werden: In den letzten zwei Jahren hat Rodgers 45 Touchdown-Pässe in der sogenannten Red Zone, also innerhalb der 20-Yard-Linie des Gegners, geworfen – lediglich zwei Mal musste er einen Ballverlust per Interception hinnehmen.

Im Moment ist er für mich der beste Quarterback der Liga, da können auch fünf Touchdowns von Drew Brees nichts ändern. Keiner spielt derzeit so effektiv, ist dabei jedoch kein einfacher Ballroboter, der mechanisch Pässe wirft. Rodgers hat Spaß am Spiel, ist wie sein Vorgänger Favre jedoch kein sogenannter Gunslinger, der oft großes Risiko geht. Wenn man der alten Nummer vier Böses wollen würde, könnte man sagen, Rodgers hat sich von Favre auch die schlechten Seiten abgeschaut und gelernt, wie man es besser macht.

Wer will noch mal, wer hat noch nicht?!

Ausnahmekönner Rodgers würde das Team ohne fremde Hilfe vielleicht gut machen können, aber so gut schafft es einer alleine im Football jedoch auch nicht. Dass Rodgers das weiß, beweist er immer und immer wieder, schließlich wird bei ihm nicht nur ein bevorzugter Spieler mit Pässen bedacht. In der Packers-Offensive darf jeder mal zupacken. So kamen 14 Spieler in dieser Saison in den Genuss eines Passes von ihrem Quarterback, neun von ihnen werden regelmäßig bedacht und immerhin acht haben den Ball mindestens einmal in der Endzone gefangen.

Auf ähnliche Zahlen kam 2007 ein anderes Team. Der Name? New England Patriots! Die Saisonbilanz? 16:0! Am Ende scheiterten die Bostoner jedoch im Super Bowl unter anderem an einem Fang mit dem Helm von Giants-Wide Receiver David Tyree. Ob sich Geschichte wiederholt, steht noch in den Sternen. Klar ist nur, dass es Rodgers durch diesen Umstand, mindestens vier Ziele pro Passversuch zu haben, leichter gemacht wird. Schließlich darf sich der Gegner nicht auf ein Lieblingsziel versteifen.

Die Männer hinter den Kulissen

Ein weiterer Grund für den Höhenflug der Packers liegt sicher auch bei den sportlich Verantwortlichen an der Seitenlinie und in der Geschäftsstelle. General Manager Ted Thompson zeigte bei der Auseinandersetzung mit Brett Favre 2008 bereits, dass er einen klaren Plan verfolgte: Das Team auch um Rodgers herum aufzubauen. Der Erfolg gibt ihm mittlerweile recht. Und so mancher Cheesehead wird mit Sicherheit seine Worte aus der Vor-Super-Bowl-Zeit bereuen – denn so beliebt wie heute, war Thompsom bei den Fans nicht immer.

Ähnliches gilt ebenfalls für Coach Mike McCarthy, der mit seinem Trainerstab an der Seitenlinie unauffällig, aber effektiv arbeitet. So stellten er und seine Leute im Spiel gegen die Lions nach offensiv durchwachsener erste Hälfte das Team in Nuancen um, Detroit sah fortan fast nur noch die Rücklichter des Divisionsrivalen. Das Stichwort ist hier übrigens unauffällig – im Gegensatz zu einigen anderen Kollegen setzt McCarthy auf die leisen Töne und hat damit derzeit den größten Erfolg. Damit einen kurzen Gruß aus Rex Ryan...

Fazit: Die Packers sind derzeit das beste Team der NFL, was aber nicht heißt, dass sie unschlagbar sind. Wie das Beispiel der damals unschlagbaren Patriots zeigt, ist es ein Spielzug, ein guter Fang eines Gegners und alle Dominanz ist dahin.

VonDoom-Mania statt Tebow-Hype

Von der Dominanz der Packers zum derzeit zweiten heißen Thema der Liga. Mir ist es als Broncos-Fan fast schon peinlich, hier Woche für Woche über den Quarterback eines 6:5-Teams berichten zu müssen. Aber es ist nun mal Thema und ich habe natürlich auch meine sehr klare Meinung zu Mister Tebow. Ich halte ihn immer noch für einen guten Footballspieler, der eine Menge Einsatz und Siegeswillen mitbringt – ein guter Quarterback ist er nicht.

Aber was mich derzeit wirklich nervt ist die Aussage: Was wollt ihr denn mit werfen, er gewinnt doch Spiele! Irrtum, liebe Tebow-Jünger – er verliert keine Spiele. Was im Gegensatz zum Anfang der Saison fantastisch läuft, ist die Defensive und da vor allem die Passverteidigung.

Und die besitzt mit Defensiv End Elvis Dumervil und Rookie-Linebacker Von Miller ein für den gegnerischen Quarterback fürchterliches Duo. Beide kommen gemeinsam auf 16 Sacks, 10,5 kann sich davon alleine Miller zugute schreiben. Also zum mitschreiben: Von Miller und Elvis Doom Dumervil gewinnen Denvers Spiele – Tebow darf auf ihre Vorlage gerne vollenden. Wenn die Offense unter Tebow dann mal mehr als 20 Punkte macht, dann darf man vielleicht von einem Tebow-Sieg sprechen.

Wat mutt, datt mutt

Kicker Nick Novak von den Chargers konnte übrigens gegen die Broncos am Wochenende das entscheidende Field Goal nicht verwandeln. Ob das an einer vorherigen Szene lag, ist jedoch nicht überliefert, doch wenn Novak vor Scham im Boden versinken wollte, dürfte auch das kicken schwergefallen sein.

Doch was war passiert? Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit und beim Stande von 13:13 trat San Diegos Offense auf das Feld. Solche Gelegenheiten veranlassen die Regisseure der Übertragungen gerne einmal, den Kicker des betreffenden Teams im Bild zu zeigen. Novak hatte in jenem Moment jedoch ganz andere Sorgen und erleichterte sich am Rande des Spielfeldes, von einem Teambetreuer mit Handtuch geschützt. Zumindest konnten die Zuschauer des übertragenden Senders CBS klar und deutlich Namen und Rückennummer des hockenden Klogängers lesen.

Das schwächste Glied der Kette

Bis zur zwölften Spielwoche hat es gedauert, doch der erste Headcoach hat bereits seine Entlassungspapiere bekommen. Nach acht Jahren bei den Jacksonville Jaguars ist für Jack del Rio Schluss. Ich werde zumindest seine ungewöhnlichen Motivationstechniken vermissen. So ließ er 2003 eine Axt nebst Hauklotz in der Kabine aufstellen – um einen seiner Lieblingssprüche, man dürfe nicht aufhören, das Holz zu hacken, bildlich darzustellen. Punter Chris Hanson musste das Holzhacken jedoch erst einmal einstellen, nach dem er vor lauter Übermut sein Bein getroffen hatte.

Übrigens sollen die Jaguars dazu verkauft werden. Shahid Khan heißt der neue Besitzer, der das Team in Jacksonville halten soll. Also Adieu Los Angeles Jaguars? Zumindest muss Khan Einiges tun, um dieses Team attraktiver zu machen, ein volles Stadion haben die Jaguars sicher vor langer, langer Zeit zuletzt gesehen.

Tops und Flops

Dieses Mal gibt es wirklich nur den Schnelldurchlauf: In der Top fünf sehe ich Green Bay (darüber steht oben genug), die New Orleans Saints (fünf Touchdowns von Brees, die Giants demontiert), Patriots (beeindruckender 38:20-Erfolg in Philadelphia), Baltimore Ravens (eines der vier besten AFC-Teams) und die Houston Texans (mit dem Ersatz vom Ersatz-Quarterback zur ebenfalls AFC-besten 8:3-Bilanz).

Die Flops: Indianapolis Colts (Quarterback Curtis Painter muss im nächsten Spiel auf die Bank, 0:11-Bilanz), St. Louis Rams (zu Hause gegen die Cardinals verloren). Und der zweifach geplatzten hohen Ansprüche wegen: Die Chargers und die Eagles.

Der Tritt zum Schluss

Über Ndamukong Suhs Tritt gegen einen am Boden liegenden Packers-Spieler habe ich ja bereits im Spielbericht geschrieben, jetzt ist auch die Strafe ausgesprochen. Der Verteidiger der Lions muss zwei Spiele lang aussetzen, obwohl er sich reuig gezeigt hätte, wie espn.com berichtete. Nach dem Spiel sah das ganze übrigens noch anders aus, als er in der Pressekonferenz davon sprach, sich aufgestützt zu haben. Für späte Reue gibt es zu recht zwei Spiele Strafe oder in Zahlen ausgedrückt: auf 164.000 Dollar Gehalt muss er nun erst einmal verzichten.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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