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Olympia 2004: "Zugang verboten"

Wer ein Jahr nach den Sommerspielen die Olympia- Anlagen von Athen besuchen will, hat Pech. Fast überall versperren zum Teil verrostete Zäune den Eintritt. Die Traumspiele des letzten Jahres sind zum Albtraum für Athen geworden.

Wer ein Jahr nach den Sommerspielen die Olympia- Anlagen von Athen besuchen will, hat Pech. Fast überall versperren zum Teil verrostete Zäune den Eintritt. "Zugang verboten", ruft der gelangweilte Wächter einer Security-Firma Touristen zu, die sich die Ruderanlage bei Shinias ansehen wollen. Öde wirkt auch die Gegend bei Hellinikon, wo zwischen dem 13. und 29. August 2004 Basketball, Kanu- Slalom und Fechten ausgetragen wurden. Papier und leere Plastikflaschen wirbeln rund um die Anlage für Beach-Volleyball in Faliron herum. "Die unvergesslichen Traumspiele" (IOC-Präsident Jacques Rogge) sind "ein Albtraum geworden", meint die angesehene linksliberale Athener Zeitung "Eleftherotypia."

"Es schmerzt sehr, wenn man diese leeren Anlagen sieht," meint die griechische Segel-Olympiasiegerin in der 470-er Klasse, Aimilia Tsoulfa. Tausende Athen-Touristen, die Olympia-Anlagen sehen wollen, kehren enttäuscht zurück und beschweren sich bei den Hoteliers. "Das kann so nicht weiter gehen", sagt der Präsident des Athener Hoteliers-Verbands, Giorgos Tsakiris. Veranstaltungen für Kinder, die das Kulturministerium seit Anfang August vor dem Olympiastadion "Spyridon Louis" organisiert, sind nach Ansicht der Zeitung "To Vima" "nur ein schwacher Trost".

100 Millionen Euro jährlich

Die Instandhaltungskosten der Anlagen kosten nach offiziellen Angaben rund 100 Millionen Euro jährlich. Zunächst machten die konservative Partei des Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis die vor 2004 das Land regierenden Sozialisten verantwortlich dafür, zu teure und luxuriöse Anlagen gebaut zu haben, die "jetzt nutzlos" sind. Das Land leide unter der Schuldenlast der nicht vorhergesehenen Defizite. Ursprünglich sollten die Spiele rund fünf Milliarden Euro kosten. Die wirklichen Ausgaben werden jetzt auf etwa 12 Milliarden Euro geschätzt.

Unter dem Druck der Öffentlichen Meinung stehend, kündigte die stellvertretende Ministerin für Kultur, Fani Petralia, vor wenigen Wochen an, dass drei Anlagen, (Kanu- Slalom, Badminton und das TV- und Radiozentrum IBC) an interessierte Investoren vermietet oder verkauft werden sollen. Die Ausschreibungen von anderen Anlagen sollen in den nächsten Monaten folgen. Bislang jedoch besteht offenbar nur Interesse für das IBC. Es soll von einem privaten Fernsehsender gekauft werden.

Kein Verwendungszweck für 15 Hallen und Stadien

Für 15 Hallen und Stadien mit Plätzen zwischen 3 500 und 15 000 Zuschauern gibt es offenbar keinen Verwendungszeck. Die Chancen, sie "los zu werden sind minimal", meint die regierungsnahe konservative Zeitung "Kathimerini". Der Wunsch der Regierung, sie für Seminare, Kongresse und anderen ähnlichen Veranstaltungen zu vermieten, sei eine Illusion.

Zufrieden sind jedoch die Einwohner Athens mit der olympischen Hinterlassenschaft. Ein nahezu perfektes neues U-Bahn- und Straßenbahnnetz erinnert sie täglich an die Spiele in ihrer Stadt. Zufrieden sind auch die Fans der Fußball-Clubs AEK und Panathinaikos Athen. Ihre Teams werden in dieser Saison im Olympistadion spielen. 55 000 Panathinaikos-Fans waren Anfang August zu einem Vorbereitungsspiel ins Olympiastadion gekommen, dessen monumentales Dach vom spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava entworfen worden ist.

Trotz der nacholympischen Probleme wollen die Griechen weitere Großveranstaltungen ins Land holen. Das Land kandidiert für die Austragung der Fußball-EM 2012. Im September kommenden Jahres wird in Athen der Leichtathletik-Weltcup ausgetragen. Im Olympiastadion wird 2007 das Endspiel der Champion League stattfinden. "Die Welt vertraut uns jetzt viel mehr", meint Sport-Vizeminister Giorgos Orfanos.

Takis Tsafos/DPA

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