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Plagiatsvorwurf: Ballonfahrer klagt Baumgartner und Red Bull an

Ein Ballonfahrer hatte vor Jahren den gleichen Plan, den Felix Baumgartner umgesetzt hat. Das Kuriose daran: Er klopfte deshalb bei Red Bull an, wurde abgewiesen - und weihte Baumgartner ein.

Von Klaus Bellstedt

Als Felix Baumgartner am vergangenen Sonntag aus 39 Kilometern Höhe aus einer Kapsel kippte und mit bis zu 1342 km/h dem Erdboden entgegen raste, stockte Millionen Zuschauern der Atem. Es war dieser Mix aus Bewunderung und Nervenkitzel, der den Beobachter an der Mattscheibe kleben ließ. Es ist nicht bekannt, in welchem Gemütszustand Ivan Trifonov den Stratosphärenfall des Österreichers verfolgt hat. Zu vermuten ist aber, dass der Ballonfahrer eher frustriert am Bildschirm mit dabei war. Trifonov, ein gebürtiger Bulgare, der in Wien lebt, will den Rekordsprung ursprünglich nämlich selbst geplant haben - und nach eigener Aussage vor Jahren sowohl Red Bull als auch Felix Baumgartner in seine Pläne eingeweiht haben. Extremsportler und Energy-Drink-Hersteller haben mittlerweile mitgeteilt, mit Trifonov in Kontakt gestanden zu haben. Der 67-Jährige hingegen fühlt sich betrogen.

Mit seinem Ballon hat Trifonov, Spitzname "Ivan der Schreckliche", schon so ziemlich jeden Flecken der Erde überflogen - und dabei Rekorde aufgestellt. Als erster Mensch überquerte der Mann, der in der Fliegerszene kein Unbekannter ist, das Mittelmeer. Er fuhr als erster im Ballon zum Nord- und zum Südpol. Und Trifonov war der erste Ballonfahrer, der über den Kreml und die Chinesische Mauer flog. Aber die gemütlichen, wenn auch nicht risikofreien, Touren in seinem Korb reichen dem Bulgaren irgendwann nicht mehr. Er sucht die ultimative Herausforderung. Sein Traum ist es, sich mit seinem Ballon bis auf 50 Kilometer in die Höhe treiben zu lassen, um sich dann - wie jetzt Baumgartner - mit Schallgeschwindigkeit in die Tiefe zu stürzen.

Vier Aktenordner voller Pläne

Alles soll geplant gewesen sein. Die österreichische Zeitung "Kurier" titelt im Januar 2002: "Im freien Fall mit Überschall zur Erde". Ein Schutzanzug soll verhindern, dass Trifonov bei dem Sprung verbrennt. "Mission Uranos" nennt er sein abenteuerliches Projekt, an dem er seit 1992 mit russischen Kosmonauten bastelt. Was ihm fehlt, ist das Geld. Zehn Millionen Franken muss Trifonov für sein Projekt irgendwie zusammenkriegen. Er denkt an Red Bull und fühlt dort nach eigener Aussage vor. "Drei Mal habe ich dort angefragt", erzählt er dem "Kurier". Doch drei Mal habe er eine Absage erhalten, das letzte Mal sei dies im Jahr 2002 gewesen. Weil der Ballonfahrer angeblich wusste, dass Didi Mateschitz, der Boss von Red Bull, ein Faible für Baumgartner hat, habe er nach dem Bericht des "Kurier" zwei Jahre später mit dem Extremsportler direkt Kontakt aufgenommen. Trifonov wollte zu dem Zeitpunkt nicht mehr selbst springen.

Mit vier Aktenordnern voller Pläne und Unterlagen habe er sich auf nach Salzburg gemacht, um Baumgartner zu treffen. Der soll nicht abgeneigt gewesen sein - und sämtliche Berechnungen und Kontaktdaten kopiert haben, behauptet Trifonov, der sich bei der Gelegenheit auch eine Art Teammitarbeit bei Baumgartner zugesichert haben will. Allerdings nur mündlich. Heute nennt der Bulgare das einen "Fehler". Danach trennen sich nach Angaben von Trifonov die Wege der beiden Abenteurer. Für lange Zeit habe es keinen Kontakt zwischen den beiden gegeben. Aus der Presse will er schließlich erfahren haben, dass Baumgartner sein Vorhaben lieber mit einem amerikanischen Team umsetzen will. "Er sagte mir kalt, dass er mich nicht braucht. Das ist charakterlos", so Trifonov zum "Kurier".

Red Bull klärt auf

Kurz vor der Stratos-Mission sollen sich die beiden in der Wahrnehmung des Bulgaren wieder angenähert haben. Trifonov plant nach seiner Aussage beim Start in Roswell dabei zu sein. Das Visum habe er angefordert, aber in letzter Sekunde sei der Besuch in New Mexico geplatzt. "Plötzlich hieß es, es gebe zu wenig Platz." behauptet Trifonov. Baumgartners Sprung verfolgt der Bulgare von seiner Mietswohnung im Wiener Stadtteil Favoriten aus. "Ich gönne dem Felix Baumgartner den Erfolg", sagt Ivan Trifonov. "Ich habe Lust, gegen ihn zu klagen, aber ich habe nichts Schriftliches in der Hand und auch nicht die finanzielle Power von Red Bull, um das durchzuziehen."

Red Bulls Mitleid mit Trifonov hält sich übrigens in überschaubaren Grenzen. Konfrontiert von stern.de mit dessen Geschichte heißt es in einer Mitteilung lediglich: "Die Idee einen Absprung im freien Fall aus der Stratosphäre zu absolvieren ist bereits über 50 Jahre alt. Im Laufe der Jahre wurden Red Bull und Felix Baumgartner immer wieder Projekte basierend auf dieser Idee präsentiert, unter anderen auch von Herrn Trifonov. Das Konzept war aus unserer Sicht nicht überzeugend und wurde nicht weiterverfolgt."

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