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Rad-WM: Zabel will aufs Siegertreppchen

Nach Bronze 2002 in Zolder und Silber im Vorjahr in Verona hat Erik Zabel bei den Titelkämpfen in Madrid seine dritte WM-Medailleim Visier. Gold scheint allerdings schon von anderen gepachtet zu sein.

Die Italiener sind die Favoriten der WM. Das Team von Franco Ballerini will sich am Sonntag über 273 Kilometer, auf denen 13 Mal eine fünfprozentige Steigung zu nehmen ist, als "Gold-Express" präsentieren. Zabel weiß, dass er sich nicht nur auf seinen zukünftigen Team-Kollegen Alessandro Petacchi, der ihm und der gesamten Konkurrenz bei der Vuelta fünf Mal das Hinterrad zeigte, konzentrieren darf: "Paolo Bettini ist auf diesem Kurs genauso stark einzuschätzen."

Schluss ist noch lange nicht

Für seine alte Bonner Firma, der der inzwischen 35-Jährige 13 Jahre treu diente (192 Siege), streift er das T-Mobile-Trikot noch einmal am 9. Oktober bei Paris-Tours über: "Dann ist Schluss." Aber ans Karriere-Ende denkt der nimmermüde Berliner noch lange nicht. "Das Schlimmste, was Erik passieren könnte, ist, wenn ihm jemand das Rad wegnähme. Er darf den rechtzeitigen Absprung nicht verpassen", mahnte der ein Jahr jüngere Team-Kollege Steffen Wesemann, der in Madrid für die Schweiz an den Start geht.

Erik Zabel fährt in der nächsten Saison für das neu geschaffene Milram-Team. Dies wurde am Freitag in Madrid offiziell bestätigt. Zweiter Topfahrer in der Formation, die die ProTour-Lizenz der italienischen Domina Vacanze-Equipe bis zum Jahr 2009 übernimmt, ist der Italiener Alessandro Petacchi. Teamchef wird der bisherige Domina-Vacanze-Chef Gian-Luigi Stanga. Das Team wird vom Bremer Nordmilch-Konzern finanziert.

"Wer gewinnt, hat immer recht"

Womöglich steht der Berliner auf den letzten Metern seiner großen Karriere wie bei T-Mobile hinter Jan Ullrich wieder im Schatten eines Großen. Bei den bedeutenden Rundfahrten wollen sich Zabel (Tour de France) und Petacchi (Giro d’Italia) aus dem Weg gehen. Ansonsten will der von der diesjährigen Tour-Demission noch immer enttäuschte ehemalige T-Mobile-Erfolgs-Garant Petacchis "Sprinter-Zug" nutzen, der dem Supersprinter aus La Spezia den Weg zu vielen Erfolgen ebnete.

Früher habe ihn in den Schlussspurts seine Mannschaft "aus dem Gröbsten" herausgehalten, jetzt würde er "sozusagen um mein Leben" fahren. Seit zweieinhalb Jahren müsste er sich im Sprint "einem höheren Risiko aussetzen", sagte Zabel der "Süddeutschen Zeitung" in einem Interview. Darin kritisierte er auch Ullrich: "Ich will Jan nicht ans Bein pinkeln. Otto Rehhagel hat bei Werder Bremen mal den Satz geprägt: Wer gewinnt, hat immer recht. Andersrum muss ich aus eigener Erfahrung sagen: Wenn man nicht gewinnt, muss man sich fragen, warum".

Im Rückblick auf die fast abgelaufene Saison sagte der Vize-Weltmeister über den "Kurzarbeiter" Ullrich, der in Madrid nicht mehr am Start ist: "Die Crux ist, dass Jan irgendwann im Mai mit Radrennen anfängt, vielleicht im April. Wenn Winokurow nicht Lüttich gewonnen hätte und ich nicht am Henninger Turm, dann wäre da erstmal gar nichts gewesen."

Andreas Zellmer/DPA / DPA

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