Radrennen Eine Million Menschen jubeln Ullrich in Hamburg zu


Der Triumphzug des Jan Ullrich in Deutschland geht weiter: Bei seinem Dritten Platz im Hamburger Weltcuprennen jubelten ihm rund eine Million Fans zu. Zu Spekulationen eines möglichen Teamwechsels hielt sich der Star bedeckt.

Eine Woche nach der Tour de France hat sich Jan Ullrich beim Hamburger Weltcuprennen in Topform präsentiert und den dritten Platz erkämpft. Im Spurt einer fünfköpfigen Ausreißergruppe musste der Tour-Zweite nur den Italienern Paolo Bettini und Davide Rebellin den Vortritt lassen.

"Das war hier fantastisch heute, ich hatte ein Gänsehaut-Gefühl", sagte ein zufriedener Ullrich nach 253 Kilometern und 5:58:20 Stunden. Eric Zabel (Unna) gewann den Sprint des Hauptfeldes und wurde Sechster.

"Man fährt hier einfach am Anschlag"

Rund eine Million Menschen feuerten den 29-jährigen Ullrich bei brütender Hitze an. "Man fährt hier einfach am Anschlag, die Begeisterung trägt einen", sagte der Wahl-Schweizer nach seinem Kraftakt. Schon 50 000 Menschen bestaunten am Morgen auf der Einkaufsmeile Mönckebergstraße die Abfahrt der 185 Profis. «Die gute Stimmung hier spornt unheimlich an. Jan hat gut attackiert, meinen Respekt», sagte Zabel, für den es wie bei der Tour wieder nicht für einen Erfolg reichte.

Das erste wichtige Rennen nach der Tour de France begann, als hätte ein großer Teil der Fahrer nicht schon die "Große Schleife" in den Beinen. Der Franzose Stephane Auge (Crédit Agricole) setzte sich bereits nach fünf Kilometern vom Hauptfeld ab. Roberto Lochowski (Leipzig) vom Team Wiesenhof, der schon im Vorjahr einen Absetzversuch gewagt hatte, hängte sich an Auge. Die beiden Ausreißer konnten aber nach 188 Kilometern wieder eingeholt werden.

Der Waseberg mit seinen 16 Prozent Steigung, die Schlüsselstelle des Rennens, sprengte das Feld zum Ende des Rennens: Ullrich und Bettini führten eine Spitzengruppe an und konnten nicht wieder eingeholt werden. "Jetzt bin ich ganz schön kaputt und könnte einen Urlaub gebrauchen. Dazu bin ich auch noch erkältet", erzählte ein erschöpfter Ullrich.

"Danke Jan"

Mit Fähnchen und überschwänglichem Applaus wurde das Radsportidol Ullrich gefeiert. Er fuhr als Amateur von 1991 bis 1995 für die RG Hamburg und traf viele alte Freunde wieder. Motiviert von dem Tour- Zweiten radelten noch 13 500 Jedermannfahrer 55, 120 oder 170 km lange Strecken vor den Profis. "Danke Jan", war überall auf den Asphalt geschrieben. Wo immer der gebürtige Rostocker auftaucht, die Sympathien der Menschen sind ihm gewiss. Eine Million e-mails, so Manager Wolfgang Strohband, habe er bei der Tour am Tag des letzten Zeitfahrens erhalten.

Ullrich aufgeschlossen gegenüber der Öffentlichkeit

Auch im Umgang mit den Medien ist er lockerer und offener geworden. Freimütig gewährte der stolze Familienvater Einblicke in sein Privatleben, das nach der Geburt von Tochter Sarah Maria vor fünf Wochen zu kurz kommt. «Meine Freundin Gaby kümmert sich um alles. Ich muss meinen Schatzi nur etwas knuddeln und knutschen und würde viel öfter zu Hause bleiben», sagte der in Scherzingen lebende Tour-Sieger von 1997: «Die Schweizer sind etwas zurückhaltender. Ich werde dort in Ruhe gelassen.»

Zu Gerüchten eines Teamwechsels hält er sich bedeckt

In der kommenden Woche will er in Dortmund bei einem Kriterium und am Samstag in Bochum bei einem Straßenrennen starten. «Ob ich die Vuelta fahre, weiß ich noch nicht, ich muss sehen wie meine Form ist», räumte Ullrich ein. Zu Gerüchten über eine Rückkehr ins Team Telekom äußerte sich der Bianchi-Profi zurückhaltend. "Mein Ziel ist es, gute Sponsoren zu finden, damit es mit Bianchi weiter geht. Es gibt viele Anfragen von Fahrern, die mich unterstützen wollen. Aber das Potenzial eines Teams hängt vom Budget ab", so Ullrich.

DPA

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