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RADSPORT: Dopingvorwürfe: Jan Ullrich ist sauer

Sichtlich angefressen ist Jan Ullrich nach den Dopingvorwürfen der letzten Wochen. Jetzt will der Telekom-Kapitän nur noch die Rechtsanwälte sprechen lassen.

Sichtlich angefressen ist Jan Ullrich nach den Dopingvorwürfen der letzten Wochen. Statt sich ständig selbst verteidigen zu müssen, will der Telekom-Kapitän künftig nur noch die Rechtsanwälte sprechen lassen. Der Rad-Olympiasieger erwägt juristische Schritte gegen den ehemaligen Festina-Betreuer Willy Voet. Der hatte behauptet, ihm sei kein Toursieger bekannt, der ohne Doping gewonnen hätte. »Das ist natürlich eine Riesenrufschädigung für mich. Ich lasse das prüfen. Wenn man gerichtlich dagegen angehen kann, dann mache ich das auch«, sagte Ullrich am Sonntagabend in der SWR-Sendung »Sport im Dritten«.

Unverständnis bei Ullrich

Der Merdinger zeigte sich empört über Voets Aussagen. »Das kann ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Ich kenne ihn persönlich nicht, er hat noch nie mit mir gesprochen. Deswegen verstehe ich nicht, wieso sich so ein Mensch ins Studio setzen kann«. Ullrich geht das Thema Doping »in letzter Zeit ziemlich auf den Nerv«. Künftig wird er sich mit Äußerungen zum Thema zurückhalten: »Von meiner Seite ist alles gesagt«.

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Doping auch beim Team Telekom?

stern.de: »So viele Fahrer können nicht Asthmatiker sein«

stern.de: Ermittlungen: Jan Ullrich als Dopingsünder?

stern.de: Doping: Ermittlungen gegen Team Telekom?

stern.de: »Hemassist würde Jan nie nehmen - er lebt zu gerne«

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Kritik übte der 27-Jährige an der Razzia italienischer Ermittlungsbehörden beim Giro d'Italia. »Man musste etwas finden und es publik machen, sonst hätte sich die Razzia ja nicht gelohnt«. Ullrich-Manager Wolfgang Strohband erwägt zudem gerichtliche Schritte gegen die italienischen Behörden wegen Verleumdung. Die Staatsanwaltschaft soll auf Grund der Funde von Asthma-Medikamenten auch gegen Ullrich ermitteln.

Asthma überall?

Unterdessen zweifelt Klaus Müller, Leiter des Doping-Labors in Kreischa, die hohe Zahl von Asthmatikern im Profi-Radsport an. »So viele Fahrer können nicht Asthmatiker sein, deshalb muss in Zukunft auch ein unabhängiger Arzt die Asthma-Diagnose stellen. Das darf nicht mehr nur der behandelnde Arzt machen. So wird es weniger wahrscheinlich, dass Gefälligkeitsatteste ausgestellt werden«, sagte Müller in einem Gespräch mit dem Berliner »Tagesspiegel«.

Trotz des Ärgers war die Teilnahme am Giro für Ullrich wichtig. »Ich habe vom Giro eine gute Form herausgebracht«. Beim Kriterium über 77 km am Sonntagabend im oberschwäbischen Bad Saulgau gewann die deutsche Nummer eins vor 20 000 Zuschauern. »Das Rennen habe ich gebraucht, um meine Spritzigkeit aufzufrischen«. An der morgen in Rust beginnenden Tour de Suisse nimmt Ullrich nicht teil. »Ich bereue das, weil die erste Etappe bei mir in Merdingen vor der Haustüre entlanggeht«.

Bei der Tour nur Herausforderer

Stattdessen bereitet sich Ullrich in Frankreich weiter auf die Tour de France vor und fährt in den Alpen und den Pyrenäen die schweren Bergetappen ab. Die Favoritenrolle weist er von sich. »Lance Armstrong ist der haushohe Favorit, weil er die letzten zwei Jahre souverän gewonnen hat. Ich bin wieder nur der Herausforderer«, stapelte Ullrich tief. Auf ähnliche Negativ-Schlagzeilen wie beim Giro kann der Merdinger verzichten. »Ich hoffe, dass es eine Tour wird, die ohne Doping abläuft«.

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