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Radsport: Holczer neuer Chef bei Katusha

Der Name Hans-Michael Holczer ist im Radsport untrennbar mit dem Team Gerolsteiner verknüpft. Bis zum Aus des deutschen Rennstalls vor drei Jahren hielt er dort alle Fäden in der Hand. Nun kehrt Holczer als starker Mann des russischen Katusha-Teams zurück.

Hans-Michael Holczer ist zurück auf der Bühne des Profiradsports. Der 57-Jährige unterzeichnete in Moskau einen Dreijahresvertrag als Generalmanager beim russischen Team Katusha.

Holczer, der bis 2008 dem Team Gerolsteiner vorstand, das sich auch wegen der Dopingfälle Stefan Schumacher, Bernhard Kohl und Davide Rebellin aufgelöst hatte, wird beim neuen Arbeitgeber von Christian Henn und Michael Rich unterstützt.

Beide sind als Sportlicher Leiter und Zeitfahr-Betreuer alte Bekannte aus Gerolsteiner Zeiten. Über ein Engagement Holczers, der die Nachfolge von Andrei Tchmil antreten wird, war schon länger öffentlich spekuliert worden.

Gerdemann und Wegmann im Gespräch

"Unser Ziel ist, den russischen Radsport nach vorne zu bringen. Ich glaube, der Ruf ist nicht der Beste. Wir müssen uns jetzt reinarbeiten, die Systemabläufe erfassen und erstmal checken, welche Fahrer-Verträge wie lange noch gelten", sagte Henn. Der Rennstall hatte bei der vergangenen Tour de France durch Alexandr Kolobnev für den einzigen Dopingfall gesorgt hatte.

Sollten in dem nach einem Raketenwerfersystem benannten Team noch Plätze frei sein, wären die früheren Gerolsteiner-Profis Linus Gerdemann und Fabian Wegmann "reizvoll", wie Henn befand. Bei den beiden Profis ist noch nicht klar, in welcher Weise sie in der fusionierten Mannschaft von Leopard-Trek und RadioShack noch ein Rolle spielen.

"Ich habe schon eine Vorstellung davon, wie ich die Lücken im Team fülle, die ich sehe. Aber das braucht Zeit. Verlangen sie bitte noch keine Namen von mir", sagte Holczer.

Holczer kann aus dem Vollen schöpfen

Die russische Verlockung für den Beamten auf Lebenszeit war offenbar stärker als die Bedenken. "Die Faszination und die Möglichkeiten des Angebots waren einfach zu groß", sagte Holczer der Frankfurter Rundschau (FR) auf deren Website.

"Das Team hat ein viel höheres Budget, als es Gerolsteiner jemals hatte, und auch meine Rolle ist eine ganz andere", erklärte der 2010 in den Schuldienst zurückgekehrte Mathematik- und Geschichtslehrer, der auch als Buchautor ("Garantiert positiv") in Erscheinung getreten war. Schätzungen zufolge verfügt das Team über einen Jahresetat von rund 15 Millionen Euro.

Doping bleibt ein Thema 

In Deutschland hatte Holczer trotz der teaminternen Affären um Schumacher und Co. den Ruf einen unbeugsamen Anti-Doping-Kämpfers. Nach seiner Verpflichtung in der Moskauer Zentrale des Sponsors aus der Energie-Industrie hatte Holczer erklärt:

"Wir dürfen Doping auf keine Art und Weise tolerieren, wir dürfen es nicht dulden und auch unter gar keinen Umständen legalisieren. Aber wir müssen uns mit dem Thema Doping im gesamten Sport arrangieren. Wir können es nicht wegkontrollieren", sagte er der FR. Holczer rechnet mit Neidern, "die sich jetzt das Maul zerreißen, dass sich jetzt der Saubermann seiner weißen Weste entledigt".

sportal.de / sportal

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