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Rally Dakar: Mit Masseur durch die Wüste

Für Ellen Lohr ist es der zweite Start bei der Wüsten-Rallye Dakar. Mit Stern.de sprach die ehemalige DTM-Pilotin über ihre neue Leidenschaft, den Rallye-Sport.

Frau Lohr, Sie sind jahrelang Tourenwagen-Rennen gefahren, haben als einzige Frau je ein DTM-Rennen 1992 in Hockenheim gewonnen. Was fasziniert Sie jetzt plötzlich am Rallyefahren und ganz besonders an der Dakar?

An der Dakar fasziniert mich besonders das Abenteuer in Verbindung mit hochklassigem Rennsport. Für so eine Marathon-Rallye durch die Wüste muss man schon ein kleiner Camper sein, aber man sieht dafür tolle Länder, in die man sonst nie kommen würde.

Muss man sich als klassischer Rundstrecken-Rennfahrer im Rallyeauto besonders umstellen? Wo liegen die Unterschiede?

Die Unterschiede sind gar nicht so gravierend. Wenn man das richtige Gefühl für das Set-up und das Auto hat, ist der Unterschied zwischen Straße und losem Untergrund nicht so groß. Man muss halt lernen, ein Rallye-Fahrzeug richtig quer zu stellen. Solche Drifteinlage kosten auf der Rennstrecke natürlich sehr viel Zeit, bei einer Rallye gehören sie aber dazu. Besonders schwierig ist es im Sand und dem ganzen Staub hinter einem Fahrzeug her zufahren, aber dank meiner Tourenwagen-Vergangenheit kann ich ja eins sehr gut – Überholen. Auf der Rennstrecke will man natürlich immer so schnell wie möglich sein, bei so einem Marathon-Rennen, wie der Dakar, muss ich aber das Auto auch sehr schonen um die gesamte Distanz von diesmal mehr als 9000 Kilometern zu überstehen. Die größte Umstellung für mich war es, mit einem Beifahrer zu fahren, der dich ständig voll babbelt (lacht).

Sie starten in diesem Jahr zum zweiten Mal bei der Dakar. Wie haben Sie sich auf den Kraftakt in der Wüste vorbereitet? Wie wirkt sich die Zusammenarbeit mit Ihrem neuen Physiotherapeuten Balbir Singh, der ja auch Michael Schumacher zehn Jahre lang betreut hat, aus?

Dieses Jahr bin ich viel besser vorbereitet. Um meine Kondition zu verbessern, habe ich ein tägliches Lauf-Training absolviert. Sehr glücklich bin ich natürlich über die Zusammenarbeit mit Balbir Singh. Bei der Dakar bekommt man durch die vielen Schlaglöcher und Sprünge mit dem Fahrzeug schnell Nacken- und Rückenschmerzen. Balbir ist der beste Masseur und Physiotherapeut, den es gibt. Die richtige Betreuung hilft bei so einer Extrem-Rallye sehr.

Neben Ihrer eigenen Vorbereitung, was hat sich im Vergleich zu Ihrem ersten Dakar-Start noch verändert?

Mit dem Kwikpower Mercedes-Benz Team habe ich in diesem Jahr ein sehr professionelles Service-Team. Mit den Begleitfahrzeugen, einem Unimog, einem Actros und einem Viano von Mercedes ist das eine sehr gute Unterstützung. Wir haben sogar eine Dusche und sind damit in der Hinsicht auf dem Niveau der viel größeren Werksteams (lacht). Je mehr Helfershelfer man bei der Dakar auf der Strecke hat, desto besser kommt man durch. Außerdem habe ich mit Detlef Ruf einen erfahrenen Beifahrer, der schon viermal bei der Dakar gestartet ist. Unser Ingenieur hat uns außerdem mit dem Prototyp auf Basis der neuen Mercedes M-Klasse ein sehr gutes Auto gebaut.

Was wollen Sie bei der diesjährigen Dakar erreichen? Wie sehen Ihre Ziele aus?

Im letzten Jahr bin ich schon sehr früh ausgefallen und das war sehr frustrierend. Wir konnten mit unserem neuen Fahrzeug nur zweimal testen, daher ist es unser Ziel, unbedingt in Dakar anzukommen. Diese Zielsetzung ist schon groß genug und es wird nicht einfach werden.

Eine ganz banale Frage zum Schluss. Was macht man eigentlich, wenn man auf einer mehrstündigen Marathon-Etappe auf die Toilette muss?

Bei der Dakar wird man irgendwann sehr hemmungslos (lacht). In Mali gab es im letzten Jahr nur ganz kleine Basthütten. Die Männer haben es bei diesem Thema sehr viel einfacher. Um keine Zeit zu verlieren, sollte man es aber vermeiden, während der Etappe anzuhalten.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Christian Gebhardt

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