Saisonabsage Schwarzer Tag für NHL


Erstmals seit 1919 wird es in diesem Jahr keinen Stanley-Cup-Gewinner geben. Nach fünf Monaten Arbeitskampf hat die NHL die restliche Saison abgesagt.

Mit der Absage der gesamten Saison hat die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL den wohl schwärzesten Tag ihrer Geschichte erlebt. Liga-Chef Gary Bettman zog in New York die lange erwartete Konsequenz aus dem schon fünfmonatigen Arbeitskampf und verkündete, dass auch die restlichen Spiele bis zum Sommer ausfallen werden.

Keine Alternative zur Saisonabsage

Als "schrecklich" beschrieb Bettman seine Gefühlslage, nachdem erstmals im nordamerikanischen Profisport eine komplette Saison einem Arbeitskampf zum Opfer fiel. Zuletzt hatte es 1919 keinen Stanley- Cup-Sieger gegeben, weil die Finalserie wegen einer Grippewelle ausgefallen war. "Das ist ein trauriger, bedauernswerter Tag, den wir alle gern vermieden hätten", sagte Bettman, betonte aber, er habe keine andere Wahl gehabt. Neben der Fortsetzung der Verhandlungen werde es Planungen für die Saison 2005/2006 geben.

Für die europäischen Vereine bedeutet dies, dass sie zumindest für den Rest dieser Spielzeit mit den 379 NHL-Profis planen können, die dem Arbeitskampf bisher schon ausgewichen sind. In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sind derzeit 25 Akteure aus Nordamerika aktiv, darunter die deutschen Nationalspieler Jochen Hecht, Marco Sturm und Olaf Kölzig.

Auch die letzten Angebote mit substanziellen Zugeständnissen hatten keine Einigung mehr gebracht. Beide Seiten waren bei der maximalen Gehaltssumme für jedes der 30 Teams nur noch 6,5 Millionen Dollar voneinander entfernt. Bettman multiplizierte die beiden Zahlen und unterstrich dann: "Wir waren nicht so dicht beieinander, wie spekuliert wurde. Insgesamt geht es um 200 Millionen Dollar."

Die Gewerkschaft hatte am Wochenende der Forderung nach der Einführung von Gehaltsobergrenzen nachgegeben - aus Bettmans Sicht zu spät, um noch ernsthafte Verhandlungen zu führen. Die Liga hatte ihrerseits darauf verzichtet, Einnahmen und Gehälter weiter aneinander zu koppeln und 42,5 Millionen Dollar als maximale Gehaltssumme pro Club angeboten.

"Das war der beste Deal, den wir hätten haben können, obwohl wir in den nächsten beiden Jahren weiter Geld verloren hätten. Wir haben das vorgeschlagen, um die Saison zu retten", sagte Bettman und kündigte an, die NHL werde nun wieder eine Koppelung von Einnahmen und Gehältern fordern.

Der Gewerkschaft warf er erneut Unkenntnis der wirtschaftlichen Situation vor: "Wir haben zehn Jahre lang ein Gehaltsabkommen gehabt, das nicht funktioniert hat. Alle wussten das, nur die Gewerkschaft nicht." Es sei nicht möglich, 75 Prozent der Einnahmen für Gehälter auszugeben. "Die Spieler sollen so viel bekommen, wie wir uns leisten können - nicht mehr und nicht weniger."

Robert Semmler/DPA DPA

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