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Schwitzen auf Mallorca: Schweiß statt Sangria

Im Grupotel Gran Vista lässt es sich das ganze Jahr über gut aushalten. Man sollte allerdings halbwegs sportlich sein, um das breite Angebot dann auch nutzen zu können. Unser Sportredakteur hat den Selbstversuch gemacht.

Can Picafort im Nordosten der Insel Mallorca: Ein Ort, der in den Sommermonaten von Engländern heimgesucht wird. Jetzt, in der Vorsaison, sind viele Bars noch gar nicht geöffnet. Geschützt hinter Pinien gelegen, befindet sich das Grupotel Gran Vista. Ein riesenhaft anmutender Hotelkomplex – und trotzdem eine Oase. 1.100 Gäste finden hier zu Spitzenzeiten Platz, verteilt auf 100 Apartments und 338 Doppelzimmer.

"Wir sind in dieser Saison früh dran", sagt Hoteldirektor Roland Käser. Was er meint, ist die optimale Auslastung seines Hauses zum doch noch außersaisonalen Zeitpunkt. Mallorca-Kenner und -Liebhaber wissen längst, dass es im April/Mai am Schönsten auf der malerischen Insel ist. Auch die Deutschen, die Mallorca zuletzt untreu waren, wissen das. "Sie kommen wieder gerne zu uns", behauptet der Hotel-Manager. Der Mann weiß wovon er spricht. Bei ihm im Gran Vista ist Deutsch die Sprache, die hier jeder versteht - weil jeder es muss. Die Tui-Busse auf dem Parkplatz lassen erahnen, wo der Hase läuft…

Fitnesscheck am Anfang

Aber es ist anders, als Sie jetzt denken. Womit wir wieder bei der Oase wären. Das Grupotel Gran Vista ist ein Hotel, das bevölkert ist mit Menschen, die sich allesamt etwas Gutes antun wollen. Und damit ist nicht die obligatorische "Malle-Sangria" oder die "landestypische" Schweinshaxe gemeint. Nein, diese Menschen wollen ihren Urlaub in erster Linie gesund verleben, ihren Körper trainieren und dabei Geist und Seele baumeln lassen. Die Sportmöglichten sind anscheinend unbegrenzt: Von Beachvolleyball bis Tontaubenschießen und von Pilates bis zu Tennis. Jeder kommt auf seine Kosten. Und alles in einer lockeren, clubartigen Atmosphäre - ohne nervige Animateure und laute Musik.

Irgendwie sind deshalb auch alle im Sportdress unterwegs, klein und groß, jung und alt. Nicht jeder ist hier vom Sportgeist getrieben, aber mich lockt das beeindruckende Angebot dann doch, und so entschließe ich mich, selber aktiv zu werden. Den inneren Schweinhund mal wieder richtig überwinden. Wenn nicht hier, wo dann? Aber ja nicht überstürzen. Schön langsam anfangen. Mit einem Fitnesscheck vielleicht. Den hat mir der Hotelmanager zunächst "verschrieben".

Fußreflexzonenmassage - Energieausgleich für die Seele

Meine Personal-Trainerin Katrin geht gleich in die Vollen. Fettanteil, Gewicht. Dann rauf aufs Ergometer zum Belastungstest. Dabei wird meine Herzfrequenz gemessen. Alles bestens, sagt sie und rechnet anhand meiner Werte sowie einer ellenlangen Formel jetzt irgendetwas für mich aus. "So, Klaus, das ist jetzt der Bereich, der für dich während deines Trainings optimal ist. In dem solltest du dich immer bewegen." Schön, dass sie mich duzt, so alt kann ich also doch noch nicht aussehen, denke ich und träume bereits jetzt vom Whirlpool… aber nicht doch. Meine Trainerin hat noch mehr vor mit mir. "Mal schauen, welche Muskelgruppen verkürzt sind". Oh, das klingt nach chiropraktischen Griffen. Ist dann aber doch nicht so schlimm. Bisschen Beugen und Strecken, fertig.

Als Nächstes steht eine Fußreflexzonenmassage auf dem Programm. Die verbleibende Zeit nutze ich, um an der Poolbar meinen Energiespeicher wieder aufzufüllen. Salat, Früchte und ein fettes Bocadillo - schön ausgewogen und dazu immer viel Wasser trinken. Ich bin bereit für die nächste Herausforderung. Keine Zeit, die schon mächtig wärmende Sonne in der großzügig angelegten Gartenanlage inklusive Poollandschaft zu genießen. Der Weg führt mich stattdessen an den Liegen vorbei in den zum Hotel gehörenden (und neu erbauten) Wellness- und Spa-Bereich.

Physiotherapeut Achim, der schon die Beine etlicher Profifußballer durchgeknetet hat, führt mich durch sein Reich. Im hintersten Zimmer schimmert Kerzenlicht, leise asiatisch anmutende Musik durchdringt den Raum. Also jetzt die Fußreflexzonenmassage: Achim erklärt mir, dass es sich dabei um nichts anderes als einen Energieausgleich handelt. Ich tue so, als ob ich alles verstehe und folge seinen Anweisungen. "Schließ die Augen und denk an was Schönes." Mit Akupressur, also leichtem Druck auf die Fußsohlen, versetzt er mich für 40 Minuten in einen Zustand der totalen Entspannung - ein erhebendes Gefühl. Ob ich Nierenprobleme habe, fragt er mich hinterher. Wie bitte? "Du hast wahrscheinlich nur zu wenig Wasser getrunken." Aus Angst vor weiteren Schock-Diagnosen verzichte ich beim Abendessen (für mich extra von einem Ökotrophologen zusammengestellt) auf den Vino. Von der Niere bis zur Leber ist es ja nun auch nicht weit.

Niederlage in der Folterkammer

Heute hat mir das Team um Manager Roland Käser ein Programm zusammengestellt, dass ich während meines Vitality-Frühstücks (Eier mit Speck oder Marmeladenbrötchen sind für mich übrigens ab sofort tabu) mit gemischten Gefühlen durchgehe. Fitnesstraining im Gym steht da und Sportmassage von Achim. Der von gestern, denke ich. Super, das kann nur gut werden. Nur das Training davor… muss das denn wieder sein? Ja, es muss. Der Ton meiner Personal-Trainerin klingt bestimmend - und hart.

Nun also ran an die Geräte. Bisschen Butterfly und Bankdrücken krieg ich ja wohl auch noch hin. Mit Verlaub, die Gäste des Studios sind ja nun auch nicht gerade 20, eher 50. Einer sogar noch älter. Blamage ausgeschlossen! Blamage ausgeschlossen? Katrin bremst mich in meinem Aktivismus. Ich soll mich zunächst eine halbe Stunde auf dem Laufband warm machen. Meine Paradedisziplin, los geht’s. Alles super, stemm ich locker weg. Neben mir glotzen die ambitionierten Oldies schon neidisch rüber - bilde ich mir ein. Dann endlich, das erste Marter-Instrument: Ich lasse mir 50 kg auflegen. Noch ein bisschen Platz nach oben lassen, kann nicht schaden. Nicht gleich alles zeigen.

Zehn Wiederholungen hat ein Set, drei sollte man davon schon schaffen. Gelingt mir auch, aber ich pumpe, Zweites Gerät, dasselbe Spiel. Die 40 kg fühlen sich auf einmal wie 80 an. Schon die zweite Wiederholung wird zur reinsten Folter. Ich breche ab, sieht ja keiner. Und ob! Das wird hier sehr wohl realisiert. Im Fitnessstudio beobachtet jeder jeden, kennen Sie das? Dann der Nackenschlag: Ein drahtiger Opi kommt zum Bankdrücken: "Ja, wer war da denn gerade dran", fragt er in die Runde. Alle lachen, ich auch, leicht gequält. Er legt mal locker 20 kg obendrauf und wuchtet die Eisen mit spielerischer Leichtigkeit in die Höhe. Grausam.

Keine Chance gegen den Wohlstandsbauch

Endlich, denke ich, ist es vorbei. Jetzt will ich nur in die Hände von Achim. Der weiß ja nichts von meiner Schmach im Folterraum. Eine klassische Sportmassage wartet auf mich, herrlich. Er walkt mich so richtig durch und fragt besorgt nach meinem Oberschenkel. "Hast du heute heimlich einen Marathon hingelegt?". Sehr komisch, ein Witzbold, der Achim. "Nein, ich habe mich lediglich eine halbe Stunde auf dem Laufband aufgewärmt." Schweigen im Behandlungsraum. Das kann so nicht weiter gehen. Ab sofort muss ich noch regelmäßiger Sport treiben. Ein erstes so dringend benötigtes Erfolgserlebnis will ich mir aber noch am Abend holen. Mein Nachbar vom Frühstück muss auf dem Tennisplatz büßen. So viel steht fest. Aber auch daraus wird nichts: Der Mittvierziger mit dem Wohlstandsbäuchlein schlägt mich glatt in zwei Sätzen. Halleluja, im Bett graut es mir bereits vor dem nächsten Tag: Meiner 100-Kilometer-Radtour mit einem schweizerischen Ex-Profi…

In Kürze erfahren Sie auf stern.de wie der Sporturlaub unseres Sportredakteurs weiterging.

Von Klaus Bellstedt
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.