SKISPRINGEN Nachwuchs im Adlerhorst


Der Horst von Skisprung-Bundestrainer Reinhard Heß ist um einen fluggewaltigen Adler reicher. »Jung-Adler« Stefan Hocke war die Entdeckung der beiden Weltcup-Auftaktspringen im finnischen Kuopio.

Der Horst von Skisprung-Bundestrainer Reinhard Heß ist um einen fluggewaltigen Adler reicher. »Jung-Adler« Stefan Hocke ist flügge geworden. Der 18-jährige Oberhofer war die Entdeckung der beiden Weltcup-Auftaktspringen im finnischen Kuopio und ließ als Fünfter am Samstagabend beim zweiten Weltcup-Einsatz seiner Laufbahn sogar die deutschen Stars hinter sich. »Die Ergebnisse übertreffen alle meine Erwartungen«, jubelte der blonde Abiturient und strich die erste Prämie (3000 Schweizer Franken/rund 1900 Euro) seiner Laufbahn ein.

In Schmitts Schatten - noch ...

Clever hielt sich der Thüringer am Samstagabend bei der Preisgeld-Übergabe auf dem Marktplatz von Kuopio im Schatten von Martin Schmitt. Der viermalige Weltmeister ist nach wie vor die klare Nummer eins im Team und eine der dominierenden Figuren im Weltcup. Nach dem zweiten Platz am Freitag hatte der Schwarzwälder tags darauf auch den zweitbesten Sprung des ersten Durchgangs. Im Finale fiel er hinter dem finnischen Sieger Risto Jussilainen aber auf Rang sieben zurück.

Die Suche nach der Stabilität

»Das ist nicht weiter tragisch. Ich weiß ja, dass mir zur Zeit die Stabilität fehlt. Der ganze Bewegungsablauf ist noch nicht wieder automatisiert. Ich suche noch das richtige Gefühl, vor allem für das erste Flugdrittel. Das kommt aber noch«, sagte Schmitt. Auch beim Material hat er noch nicht das Optimale herausgefiltert. In Kuopio testete er einen Anzug, dessen Stoffoberfläche weniger Luftverwirbelungen erzeugt. »Er war noch gewöhnungsbedürftig«, sagte Schmitt und stürzte kurz darauf auch schon wieder im gewohnten Silber-Look von der Schanze.

Raketen-Ski

Für Diskussionen unter den Service-Leuten sorgten die Germina- Sprunglatten von Stefan Hocke. Die Skibauer aus dem thüringischen Floh haben mit Unterstützung der Experten aus dem deutschen Team regelrechte »Raketen« entwickelt. »Der Junge hat durch seinen Heimtrainer Rainer Schmidt eine gute Grundlagen-Ausbildung. Die Aufnahme in die Weltcup-Mannschaft und das Training im Team haben ihn beflügelt. Zudem kann er wie nur ganz Wenige Korrekturen der Trainer beim nächsten Sprung umzusetzen«, nannte Reinhard Heß Gründe für Hockes Aufstieg. Im letzten Winter hatte er bei der Junioren-WM noch den Start beim Mannschafts-Wettkampf verpasst. Team-Betreuer Rudi Lorenz erinnert er »stark an Martin Schmitt im gleichen Alter.«

Chance für Olympia?

Der neue Shooting-Star sorgte mit seinen stabilen Flügen für Turbulenz bei den Kontrahenten, Aufmerksamkeit unter der Weltpresse und nimmt den Wirbel um seine Person gelassen. »Ich habe doch schon weit mehr als in meinen kühnsten Träumen erreicht. Jetzt scheint sogar ein Olympia-Start in Salt Lake City möglich, mit dem ich nie spekuliert hatte«, wiegelt Hocke ab und versucht, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. »Von mir erwartet doch keiner etwas. Favoriten sind die anderen.«

Mit ein paar weiteren Trainingssprüngen auf einer Großschanze will Reinhard Heß die Form seiner Männer bis dahin weiter voran bringen. »Mal sehen, wo wir springen können.« Er hofft, dass die »Kopfwäsche«, die er dem Rest seines Teams um die Mannschafts-Weltmeister Alexander Herr und Michael Uhrmann mit frischen Eindrücken vom Wettkampf verabreichte, Wirkung zeigt.


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