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Skispringen: Vierschanzentournee: Qualifikation abgebrochen

Die Qualifikation, auf die Hannawald erneut verzichtete, wurde am Sonntag wegen widriger Verhältnisse nach zwei Stunden von der Jury abgebrochen

Mit Wehmut schaute Sven Hannawald als Tages- Vierter in Innsbruck der Siegerehrung für Janne Ahonen zu. Doch gleich darauf erwachte wieder das Kämpferherz in ihm, das die Vierschanzentournee doch noch bis zum letzten Sprung offen halten soll. Dank des weitesten Satzes im Finale auf der Bergisel-Schanze kann der Hinterzartener weiter auf die Titelverteidigung hoffen, wenngleich dieser bei einem Rückstand von umgerechnet 15 Weitenmetern auf Ahonen in weite Ferne gerückt ist. «An den Tourneesieg denke ich eigentlich nicht mehr. Der Abstand ist relativ groß», sagte Hannawald.

Auch Bundestrainer Reinhard Heß glaubt nur noch an eine theoretische Chance. «Von der Papierform und dem aktuellen Leistungsvermögen denke ich, die Tournee ist entschieden. Aber auch Janne muss noch zwei Mal die Schanze runter», klammert sich Heß wie Hannawald an das Prinzip Hoffnung. Dennoch geht der Finne an diesem Montag (13.45 Uhr/RTL live) auf der Paul-Aussenleitner-Schanze als klarer Favorit in die Spur, zumal der Gesamtsieger von 1999 den Bakken im Salzburger Land als eine seiner Lieblingsschanzen ansieht.

Qualifikation nach zwei Stunden abgebrochen

Die Qualifikation, auf die Hannawald erneut verzichtete, wurde am Sonntag wegen widriger Verhältnisse nach zwei Stunden von der Jury abgebrochen. Im Probedurchgang am Montagvormittag werden nun die 50 Springer für den Wettkampf ermittelt. Somit kommt es beim Abschluss- Springen zu keinen K.o.-Duellen. «Das war nicht nur eine richtige, sondern auch vernünftige Entscheidung, weil sonst die Gesundheit der Athleten gefährdet gewesen wäre», sagte Reinhard Heß.

Sein Schützling Sven Hannawald fühlt vor dem «Grande Finale» keinen nervlichen Druck. «Jetzt muss Janne die Last tragen. Ich kann locker in den Wettkampf gehen und will noch einmal zwei Granaten zünden. Mal sehen, was dann herausspringt», sagte der 28-jährige Vorjahressieger. Gerade diese Lockerheit könnte möglicherweise das Zünglein an der Waage sein. Denn in Innsbruck, als Hannawald nach 114 Metern und Platz 13 im ersten Durchgang praktisch die Tournee verloren hatte, trieb ihn die Unbeschwertheit im zweiten Sprung auf 117,5 m und damit auf Platz zwei in der Gesamtwertung.

«26,7 Punkte Rückstand sind eine Menge Eisen. Sven darf nicht mehr auf den Tourneesieg schauen. Aber Janne ist auch nicht der Übermensch. Große Fehler darf er sich nicht leisten. Bisher war er der Konstanteste, deshalb steht er ganz vorn», sagte Martin Schmitt, der am Bergisel mit Platz neun ein solides Ergebnis einfuhr. Nach der Tournee wird er zum weiteren Formaufbau für die Weltmeisterschaften Mitte Februar in Val di Fiemme eine Weltcup-Pause einlegen.

Prinzip Hoffnung für Bischofshofen

Mehr denn je will Hannawald in Bischofshofen sein Zeug machen. «Mit dem richtigen Fuß aufstehen und die nötige Ruhe bewahren», lautet die Taktik des Skiflug-Weltmeisters. «Wenn ich sage, ich will unbedingt gewinnen, kann das voll in die Hose gehen. Ich werde also nicht versuchen, dem Janne Ahonen auf Biegen und Brechen hinterherzustiefeln», betonte der «Sportler des Jahres», der für sich große Unterschiede zwischen der 50. und 51. Tournee ausgemacht hat. «Vor einem Jahr stand ich so unter Strom, dass ich Schwächen überspielt habe. Jetzt fühle ich mich ausgeruhter, dafür bringen mich Kleinigkeiten aus dem Konzept», bemerkte er.

Ahonen scheint die Favoritenbürde kaum zu belasten. Der «Schweiger aus Lahti» gibt sich wortkarg wie immer. Wie es in seinem Inneren aussieht, weiß keiner. «Vielleicht ist das gar nicht so eine schlechte Show, die er da abzieht. Indem er nichts und niemanden an sich ran lässt, wird er interessant, braucht sich dem Rummel um seine Person aber nicht zu stellen», sagte Martin Höllwarth. Der Weltcup- Spitzenreiter aus Österreich schielt selbst noch auf den Tourneesieg. Als Dritter von Innsbruck hinter seinem Landsmann Florian Liegl schob er sich auch auf Rang drei des Gesamtklassements.

Hannawald wollte dennoch eine gewisse Unruhe bei Ahonen ausgemacht haben. «Das kenne ich aus dem Vorjahr. Wenn man weiß, dass man die Tournee ziemlich sicher in der Hosentasche hat, wird man ein bisschen nervös.»

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