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Splashdiving-WM: Arschbomben für Nigeria

Wenn es kracht, ist Deutschland endlich mal wieder Weltspitze. Mit fünfeinhalbfacher Schraube vor der Bombe sicherte sich Christian Guth den Titel. Nun muss der Fun-Sport nur noch international anerkannt werden.

Stille im Freibad des saarländischen Dillingen. Tausende Regentropfen fallen in das Schwimmbecken. Plötzlich ein riesiger Knall: Christian "Elvis" Guth platziert seine Arschbombe. Auf dem Weg vom Zehn-Meter-Brett ins gekräuselte Wasser schafft der ehemalige Weltmeister fünf Schrauben. Die etwa 100 Zuschauer am Beckenrand klatschen und suchen sich zugleich ein trockenes Plätzchen. Den fast ebenso stark vertretenen Athleten ist es egal: Hier kämpfen die härtesten Kerle um die weltbeste Arschbombe.

Lass es krachen

Bei der Arschbomben-WM in Dillingen ging es am vergangenen Wochenende um die spektakulärsten Sprünge vom Zehn-Meter-Brett. Landung ist - wie der Name sagt - zumeist auf dem Hinterteil. Möglichst laut muss es beim Aufprall auf die Wasseroberfläche klatschen. Zuvor müssen die anderthalb Sekunden nach dem Absprung möglichst originell gefüllt werden. Zwölf offizielle Figuren wurden bislang entwickelt: vom "cannonball", einem gehockten Sprung, bis zur "potato", einem Sprung kopfüber ins Wasser.

Die Jury gibt Christian Guth Noten zwischen 4,5 bis 9,5 - die Skala reicht bis 10. Anzeichen von Schmerz sind im Gesicht des Springers kaum zu sehen - auch das wird gewürdigt. "Es gibt eine gewisse Schmerzphase, aber die geht schnell vorbei", sagt der 21- jährige Guth nach dem Sprung cool. "Im Mittelpunkt steht die technische Finesse", sagt er. Besonders wichtig sei die Eintauchphase. "Die Körperspannung ist das A und O." Wenn der Athlet die nicht aufgebaut hat, tut es richtig weh. Das spüren vor allem die ungeübten Teilnehmer - das wollen die Zuschauer aber natürlich auch sehen.

Internationale Anerkennung

Springer Guth, der auch Arschbomben-Nationaltrainer ist, pendelt zwischen seinem Job als Trainer und als Teilnehmer hin und her: Am Ende ist er Arschbomben-Weltmeister 2006 und das deutsche Team das beste der Welt. Im Finale überzeugt der 21-Jährige die Jury mit einer fünfeinhalbfachen Schaube in die Arschbombe. Sein härtester Konkurrent, der Schweizer Simon Gfeller, hat Pech: Der Arschbomben- Weltmeister des vergangenen Jahres hat statt der angekündigten fünfeinhalbfachen Schraube eine sechsfache Schraube gezeigt. Sein Sprung wurde nicht gewertet.

Der Erfinder der Arschbomben-Wettbewerbe, Oliver Schill, hat sich zum Ziel gesetzt, dass der feuchte Spaß ernst genommen wird. "Wir gründen hier eine neue Sportart", sagt der ehemalige Turmspringer. Deshalb wurde die Arschbomben-WM in diesem Jahr auch unbenannt in "Splashdiving Worldchampionship" (engl. splash = Spritzer, diving = Kunstspringen).

Vor allem internationaler soll der Sport werden. "Wie wollen sie jemandem in Nigeria das Wort „Arschbombe“ erklären", fragt sich der 37-jährige Schill. Bei der WM in Dillingen mit ihren rund 75 Teilnehmern sind zwar nur Deutschland, Österreich und die Schweiz vertreten. Für das kommende Jahr hätten aber schon Australien und Kanada Interesse bekundet. Wahrscheinlich werde die WM dann auch außerhalb Deutschlands ausgetragen.

Dörthe Hein/DPA

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