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TENNIS: »Rausschmiss wäre mal was Neues«

Thomas Haas schwingt sich zum Groß-Revolutionär auf. Deutschlands besten Tennisprofi lässt die Kritik von DTB-Präsident Georg von Waldenfels unbeeindruckt.

Thomas Haas schwingt sich immer mehr zum Groß-Revolutionär auf. Deutschlands bester Tennisprofi gibt sich von der Maßregelung durch DTB-Präsident Georg von Waldenfels unbeeindruckt und fordert ihn heraus. »Dann soll er sich mal anstrengen«, sagte Haas am Dienstag zur Drohung, ihn aus dem Daviscup-Team des Deutschen Tennis Bundes (DTB) zu werfen. »Wenn man so etwas liest, kann man eigentlich nur lachen.« Unter Umständen könnte der schöne »Tommy« seinem Präsidenten sogar zuvor kommen: Gut drei Wochen vor dem schweren Auftaktspiel in Kroatien kündigte der 23-Jährige zum wiederholten Male an, über eine Pause nachzudenken.

Kein klares Bekenntnis

Eine Entscheidung darüber will Haas nach den Australian Open fällen, wo er mit dem glatten Dreisatz-Erfolg über den Russen Andrej Stoljarow einen optimalen Auftakt erwischte. Auch ein Gespräch mit dem neuen Kapitän Michael Stich soll es nach dem ersten Grand-Slam- Turnier des Jahres noch geben. Dass Stich in Zagreb nicht auf ihn verzichten kann, ist Haas natürlich klar. Dennoch gab er kein klares Bekenntnis für den Daviscup ab.

»Wieder eine geile Schlagzeile«

Die E-Mail des Verbands-Chefs habe er nicht erhalten, von Waldenfels habe sie wahrscheinlich an die falsche Adresse geschickt, sagte Haas und gebärdete sich verbal wie ein Halbstarker: »Es wäre doch mal was Neues, wenn der Verband einen Spieler rausschmeißen will. Dann wäre ich eben der Erste.« Dass der Streit ausgerechnet während der Australian Open eskaliert, beunruhige ihn, räumte Haas ein. Doch so etwas sei er ja gewohnt. Mitten in die US Open sei vor seinem Achtelfinale gegen Lleyton Hewitt die Nachricht vom Rücktritt von Carl-Uwe Steeb als Daviscup-Kapitän geplatzt. »Und jetzt haut Waldenfels wieder eine geile Schlagzeile rein«, schimpfte Haas.

Zwischen den Generationen eingekeilt

»Mit diesen Streitereien schadet man dem Tennissport«, sagte Davicup-Kapitän Michael Stich am Montagabend im »Blickpunkt Sport«. »Das Sportliche muss im Vordergrund stehen, nicht das Persönliche.« Stich sieht sich derzeit zwischen zwei unversöhnlichen Charakteren aus zwei verschiedenen Generationen eingekeilt - als hätte er vor seinem Debüt schon nicht genügend sportliche Sorgen.

»Ohne Tommy wird es eng«

Auch Rainer Schüttler sagte nach seinem Zittersieg über den Franzosen Paul-Henri Mathieu, er empfinde die Diskussionen in der Öffentlichkeit als überflüssig. Es dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, die Spieler beuteten den Verband aus oder würden ihn zum Schuldenmachen zwingen. Der Bad Homburger, der angesichts der schwachen Form von Nicolas Kiefer seinen Einzelplatz gegen Kroatien sicher haben dürfte, betonte jedoch auch: »Ohne Tommy wird es sehr eng werden, egal wer spielt.«

Kosten für den Physiotherapeut

Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die jungen Leute immer mehr haben wollten, meinte dagegen Stich. Ein klarer Fingerzeig Richtung Haas, der erst zur Revolte überging, als der Verband seinen privaten Physiotherapeut nicht bezahlen wollte. Und nicht nur das: Als er 1999 bei den Australian Open bis ins Halbfinale vorstieß, sei auch ein Physiotherapeut des Verbandes in Melbourne gewesen. Als er dies nach dem Achtelfinale erfahren habe, war der Betreuer schon abgereist, erzählte Haas verbittert.

»Und wenn wegen eines Extrazimmers für die Familie beim Daviscup ein Aufstand gemacht wird, ist das schon traurig«, fügte er hinzu. Dem Präsidenten will er angeblich nichts Böses. Alle seien unterstützt worden, nur er nicht, betonte Haas. Er stelle doch keine Riesenforderungen. »Ich greife niemand an. Waldenfels nimmt das ein bisschen persönlich.«

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