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TENNIS: Venus Williams siegt in Wimbledon - Ivanisevic im Finale

Venus Williams verteidigte ihren Titel gegen die Belgierin Justine Henin mit einem 6:1, 3:6, 6:0-Erfolg. Bei den Herren wird morgen Goran Ivanisevic gegen den Australier Patrick Rafter im Finale antreten.

Venus Williams verteidigt Titel

Venus Williams bleibt die »Königin« von Wimbledon - ein Sieg auf dem »Heiligen Rasen« für die Briten dagegen weiter ein Traum. Im »kleinen weißen« Tennisdress wehrte die Titelverteidigerin aus den USA am Sonntag den jugendlichen Ansturm der Belgierin Justine Henin mühsam ab und verteidigte mit einem 6:1, 3:6, 6:0-Erfolg ihren mit 652 600 Dollar honorierten Titel aus dem Vorjahr.

»Ich habe mich beeilt, weil ich nicht wieder nass werden wollte«, sagte Venus Williams kichernd. Auf den Punkt war sie topfit und hatte die eintägige Wartezeit offenbar besser weggesteckt. Das Match hatte kaum begonnen, da war der erste Satz auch schon vorbei. »Venus hat heute wirklich besser gespielt und verdient gewonnen«, meinte ihre Kontrahentin, die wie gegen Anke Huber im Achtelfinale den Start total verschlafen hatte. Als Justine Henin wach war, wurde die Partie beim Stande von 3:2 für sie unterbrochen. Richtig, wegen Regens.

Die Pause allerdings war kurz und nicht einmal eine halbe Stunde später schaffte die 19-Jährige den Satzausgleich. Die Becker-Faust war wieder da - der wallonische Tennis-Express in Fahrt gekommen. Doch Venus Williams zückte schon im zweiten Spiel des entscheidenden Satzes das Stopp-Zeichen in Form eines Breaks. Der Bann war gebrochen. »Vielleicht klappt es im nächsten Jahr«, sagte Justin Henin. Trotz allem war es für sie nach dem Halbfinale bei den French Open ein neuerlicher Riesenerfolg, der mit ihrem höchsten Preisgeld in Höhe von 326 300 Dollar und Platz fünf in der Weltrangliste belohnt wurde.

Ivanisevic im Finale

Ebenfalls mit Verzögerung machte Goran Ivanisevic in einer dreitägigen Halbfinal- Hängepartie gegen Tim Henman mit seinem 7:5, 6:7 (6:8), 0:6, 7:6 (7:5), 6:3-Erfolg der »Henmania« ein Ende und stürmte als erster Wildcard-Spieler ins Endspiel der All England Championships. Nach dem Aus des zahmen »Tiger Tim« wird der Titel auch im 65. Jahr nach dem legendären Fred Perry wieder an einen Nicht-Briten gehen. Sowohl für den australischen Vorjahresfinalisten Patrick Rafter als auch den Kroaten, der zum vierten Mal im Finale steht, wäre es der erste Triumph auf dem »Heiligen Rasen«. Das Match um die Nachfolge des siebenfachen Champions Pete Sampras beginnt am Montag um 13.00 Uhr MESZ (Premiere World/DSF).

»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll«, stammelte auch Ivanisevic nach seinem nicht einmal zwanzig Minuten dauernden Nachsitzen. Am Ende des drei Tage währenden Dramas in fünf Akten machte der als »verrückt« geltende Kroate Veitstänze auf dem Center Court, sprang auf zwei Drahtstühle, reckte Racket und Arme in die Höhe und ließ sich vom fairen Publikum hochleben. »Meine Arme sind hundert Kilo schwer«, meinte er. Doch die lädierte linke Schulter schmerzte nicht mehr. »Morgen wird der größte Tag in meinem Leben.«

»Es ist unglaublich, ich kann?s überhaupt nicht fassen«, so Ivanisevic weiter. Sein Kontrahent, der zum dritten Mal im Semifinale scheiterte, verschwand wortlos in die Katakomben des mit 14 000 Zuschauern ausverkauften Stadions und trauerte den verpassten Chancen nach: »Es ist frustrierend.«

Am Freitag schien er das Final-Ticket schon gelöst zu haben. Doch da stoppte ihn bei 2:1-Satzführung der Regen. Mit viereinhalb Stunden Verzögerung ging es am Samstag weiter. Doch in der 52-minütigen Wiederaufnahme zeigte Ivanisevic ungeahnte Kräfte, glich aus und wurde vom Regen gestoppt. Am Sonntag schaffte er das entscheidende Break zum 5:3. Den ersten Matchball vergab er noch mit einem Doppelfehler, doch den zweiten schlug sein Kontrahent ins Aus.

Die Nächte des Wartens und der Ungewissheit hatten »Tiger Tim« zahm gemacht. Der alte Hase aus Split kam mit dem Spiel der Nerven weit besser zurecht. »Es ist das erste Mal, dass Goran in Wimbledon so richtig locker aufspielt«, meinte Niki Pilic. »Und deshalb kann er auch gewinnen.« Der frühere deutsche Daviscup-Kapitän und Förderer des 29-Jährigen behielt Recht - und die britischen Fans vor der Großbildleinwand neben dem Center Court bekamen Tränen in die Augen.

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