Tischtennis-Europameisterschaft Boll - verpennt, aufgeholt, gescheitert


Enttäuschung für Timo Boll: Im Halbfinale bei der Tischtennis-EM ist der Düsseldorfer ausgeschieden. Mit 3:4 verlor Boll gegen den Dänen Michael Maze - nach einer wilden Aufholjagd.

Bronze statt Titel-Hattrick und EM-Rekord: Für Tischtennis-Spieler Timo Boll endete die Europameisterschaft in Stuttgart am Sonntag abrupt im Halbfinale des Herren-Einzels. Gegen den Dänen Michael Maze, der den zehnfachen Europameister bereits im Mannschafts-Finale besiegen konnte, hatte Boll in einer dramatischen Partie knapp mit 3:4 das Nachsehen. Damit verpasste der gebürtige Hesse den Sprung ins Finale, wo er den Rekord des elfmaligen Europameisters Jan-Ove Waldner aus Schweden hätte einstellen können.

"Schade, dass die Aufholjagd nicht belohnt wurde. Maze hat mich anfangs überrannt", erklärte Boll. Er lag schnell 0:3 zurück, ehe ihn das Publikum zu einer Energieleistung mit packenden Ballwechseln in der heißen Porsche-Arena anspornte. Nach Spieler-Kritik war die Klima-Anlage in der Halle ausgeschaltet worden. "Lieber Hitze statt Wind", sagte Boll, der zum 3:3 ausglich, den siebten Durchgang aber 5:11 verlor. "Da sind mir einige leichte Fehler unterlaufen", bekannte der entthronte Titelverteidiger.

"Timo hat den Auftakt verpennt", sagte Rekord-Nationalspieler Jörg Roßkopf, der vor 17 Jahren an gleicher Stelle Europameister geworden war. Auch er lobte den 28 Jahre alten Dänen, der als Meister der kleinen Punkte Boll anfangs von einer Verlegenheit in die nächste stürzte. "Es ist nicht so einfach, zweimal in Deutschland gegen Timo zu gewinnen. Maze ist ebenso wie Boll in der Lage, mit den Chinesen mitzuhalten", sagte Roßkopf.

Ausnahmespieler Boll, der zuvor in Stuttgart EM-Gold mit dem Team und mit Christian Süß im Doppel geholt hatte, war trotz des Scheiterns nicht besonders traurig. "Ich bin mit meinen Ergebnissen sehr zufrieden. Ich war am Limit und meine Gesundheit hat gehalten. Das ist die wichtigste Erkenntnis für mich", sagte Boll. Wegen seiner Rückenprobleme hatte er in der Vorbereitung kaum Wettkämpfe absolviert und sich auf Schwimmen und Radfahren konzentriert. "Daran werde ich festhalten", sagte der Düsseldorfer Bundesligaspieler.

"Timo kann hoch erhobenen Hauptes aus dem Turnier gehen", lobte Bundestrainer Richard Prause den Einsatz des Führungsspielers. Mit zwei Gold- und einer Bronze-Plakette hatte Boll neben Damen-Finalistin Jiaduo Wu (Kroppach) den größten Anteil am Medaillensegen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). "Wir haben in sechs Disziplinen fünf Medaillen gewonnen. Damit konnten wir vor eigenem Publikum unsere Stärke demonstrieren", bilanzierte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.

DPA DPA

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