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Toter Leichtathlet: Herms starb an Herzmuskelentzündung

Der deutsche Leichtathlet Rene Herms ist laut Obduktionsbericht an den Folgen einer Herzmuskelentzündung verstorben. Offensichtlich sei Herms vorher zu leichtfertig mit einem Infekt umgegangen, erklären Sportmediziner gegenüber stern.de.

Der mysteriöse Tod von 800-Meter-Läufer Rene Herms ist aufgeklärt. Der 26-Jährige sei vor zwei Wochen in seiner Wohnung im sächsischen Lohmen an einer "beidseitigen, virusbedingten Herzmuskelentzündung" den "Sekundentod" gestorben, teilte die Staatsanwaltschaft Dresden am Freitag Herms" Witwe Steffi mit.

Das berichtete seine ehemalige Managerin Kerstin Pohlers. Hinweise auf Doping habe es nicht gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius auf Nachfrage. "Rene Herms ist eines natürlichen Todes gestorben", hieß es in einer knappen Pressemitteilung: "Das Todesermittlungsverfahren kann damit abgeschlossen werden."

Die Rechtsmediziner hätten der Witwe erklärt, die Herzmuskelentzündung sei durch eine Herpes-Infektion ausgelöst worden, die aber schon länger zurückgelegen habe, sagte Kerstin Pohlers. Ursache dafür könnten die Röteln oder eine Gürtelrose gewesen sein.

Der Sportmediziner Ingo Froboese von der Deutschen Sporthochschule in Köln weist daraufhin, dass Herms "den Fehler begangen habe, nach dem Infekt das Training nicht um- oder eingestellt zu haben. Vielleicht hat er noch an der Leistungsschraube gedreht". "Atleten müssten unbedingt einer permanenten, strengen sportmedizinenschen Kontrolle unterliegen. Im Moment liege "der Focus zu sehr auf der Leistungsdiagnostik", sagte Frobose zu stern.de. Der Hamburger Sportmediziner Klaus-Michael Braumann von der Uni Hamburg sieht im Fall Herms "den traurigen Hinweis, dass Sportler sich unbedingt zurückhalten müssen, wenn sie an einem Infekt leiden."

Herms' Verein, die LG Braunschweig, spekulierte bereits bei Bekanntwerden seines Todes mit einer Herzmuskelentzündung, denn der Leistungssportler hatte über Silvester einen grippalen Infekt und deshalb eine Trainingspause eingelegt.

Der zwölfmalige deutsche 800-m-Meister, der beim Dresdner SC bei Dietmar Jarosch trainierte, war am 10. Januar von seiner Schwiegermutter leblos vor dem Computer gefunden worden.

Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen, der bereits am 9. Januar eingetreten war. Herms wird am Montag um 10 Uhr auf dem Friedhof in Pirna beigesetzt. Weil er Schulden hinterließ, wie seine Frau jüngst der Sächsischen Zeitung erzählte, werden die Beerdigungskosten vom Landessportbund Sachsen übernommen. Der Dresdner SC hat darüber hinaus ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen eingerichtet.

Die Tragödie um Herms wurde am 10. Januar bekannt. Seine Witwe, um deren Hand er 2004 nach seinem Sieg bei der DM in Braunschweig öffentlich angehalten hatte, bat an diesem Tag ihre Mutter, in der gemeinsamen Wohnung in Lohmen nach Rene zu schauen. Ihr Mann, mit dem sie wegen einer Arbeitsstelle in Hannover vorübergehend eine Fernbeziehung führte, war nicht zu erreichen.

Erst blieb der übliche Gute-Nacht-Anruf am Abend zuvor aus, dann ging er auch am nächsten Morgen nicht ans Telefon. Zum Training erschien der ehemalige U20- und U23-Europameister ebenfalls nicht. Noch am Tag seines Todes hatte der Wirtschaftsstudent in Dresden trainiert. "Wir haben uns ganz normal verabschiedet. Es gab überhaupt keine Anzeichen", sagte sein Trainer Dietmar Jarosch. Herms, mit seiner Bestzeit von 1:44,14 Minuten (2004) fünftschnellster Deutscher der Geschichte, galt lange als großes Talent und war schon früh in der Aktivenklasse erfolgreich.

Noch als Jugendlicher gewann er 2001 den ersten DM-Titel, dem er im Freien bis 2006 fünf weitere folgen ließ und dabei 2002 in Wattenscheid kaltschnäuzig Olympiasieger Nils Schumann auf der Zielgeraden abhängte. Weitere sechsmal DM-Gold gewann er in der Halle. 2001 wurde Herms U20-Europameister, 2003 U23-Titelträger. In der Aktivenklasse blieb ihm der sportliche Durchbruch jedoch verwehrt. Seine besten Ergebnisse waren Platz sieben bei der EM 2002 in München und das Halbfinale von Athen 2004.

DPA/tis/DPA

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