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Tour de France 2006: Neuer Doping-Fall schockiert

Nach dem Ende der Tour de France steht eigentlich alles fest - oder doch nicht? Wenige Tage nach dem Tour-Ende gibt es einen neuen positiven Doping-Test. Der Name des Fahrers ist noch unbekannt.

Auch das harte Durchgreifen gegen die Dopingsünder vor der Tour de France hat zumindest einen Radprofi wohl nicht vor der Einnahme verbotener Mittel abgeschreckt. Der am Sonntag mit dem Sieg des Amerikaners Floyd Landis zu Ende gegangenen Frankreich- Rundfahrt droht doch noch ein Dopingfall. Wie der Internationale Radsport-Verband (UCI) in Paris bekannt gab, sei in einem Fall ein "anormales Resultat" entdeckt worden. Es sei der erste Fall einer positiven Probe bei der Tour 2006 gewesen.

Identität des Dopingsünders bleibt geheim

Die UCI äußerte sich jedoch weder zu der Identität des Fahrers noch zu der gefundenen Substanz oder zu dem Datum der Probe. Das Resultat der A-Probe sei bekannt geworden. Die B-Probe stehe jedoch noch aus. Sollte das Ergebnis durch die Gegenanalyse bestätigt werden, oder der Fahrer auf eine zweite Probe verzichten, hätte auch die diesjährige Tour einen Doping-Fall. Die UCI teilte mit, dass der Fahrer, sein Team, der nationale Verband und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA bereits informiert worden seien.

"Der internationale Anti-Doping-Kodex und das Anti-Doping- Reglement der UCI untersagen die Veröffentlichung des Namens des betreffenden Fahrers, genauso wie andere Details, die seine Identifizierung ermöglichen bis zum Abschluss des Verfahrens", hieß es in der Mitteilung des UCI.

Fall Fuentes: Informationen erst spät an Verbände

Unterdessen will der Radsport-Weltverband im Rahmen des Dopingskandals um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes in den kommenden zwei Wochen weitere detaillierte Informationen an die nationalen Verbände geben. Das kündigte Verbandspräsident Partrick McQuaid bei einer Pressekonferenz in Hamburg zum Weltcup-Rennen Vattenfall-Cyclassics an. Rudolf Scharping, Präsident des Bund Deutscher Radfahrer (BDR), forderte in der Hansestadt im Kampf gegen Doping seinerseits einen weiterreichenden Maßnahmenkatalog.

"Doping ist ein Problem in unserem Sport", sagte McQuaid, der sich bei möglichen Widerständen und juristischen Schritten einiger Verbände nach Zugang der neuen Erkenntnisse an den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne wenden will. Dass genauere Informationen erst jetzt weitergeleitet würden, führte der UCI-Chef vor allem auf die umfangreichen Ermittlungsakten der spanischen Polizei zurück. "Es geht um 58 Fahrer, und hinter den Namen steht nicht einfach, welche verbotenen Substanzen sie genommen haben. Wir mussten 500 Seiten durcharbeiten", sagte McQuaid.

"Stumpfe Waffen"

Im Kampf gegen Doping im Radsport will Scharping unterdessen ein engeres Zusammenrücken von Teams, Veranstaltern, Sponsoren, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und vor allem der Politik erreichen. Das derzeitige Arzneimittelgesetz sei eine "stumpfe Waffe gegen kriminelle Netzwerke", sagte der ehemalige Verteidigungsminister. Zur Suspendierung von Jan Ullrich durch das T-Mobile-Team im Zuge das Skandals sagte Scharping: "Gut, dass es vor der Tour passiert ist. Während oder nach der Tour wäre das eine Katastrophe gewesen."

Jürgen Gesper/DPA / DPA

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