Tour de France ARD/ZDF beenden Berichterstattung


ARD und ZDF schalten sich aus der Tour-de-France aus, das Radsport-Engagement von T-Mobile ist nach dem neuen Doping-Fall in Gefahr: Nach Bekanntwerden der positiven A-Probe von Patrik Sinkewitz wurde umgehend ein Exempel statuiert und der Radsport noch tiefer in die Krise gestürzt.

Aus und vorbei: ARD und ZDF wollen vorläufig nicht mehr live über die Tour de France berichten. Ursache ist der jüngste Dopingfall: Der T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz war positiv getestet worden. Nach stern.de-Informationen will die ARD um 14 Uhr einen Bericht über Doping senden und um 15 Uhr zum Regelprogramm zurückkehren. Ob in den ARD- und ZDF-Informationsprogrammen zumindest Zusammenfassungen der Ergebnisse laufen, werde zur Stunde verhandelt, so ein Insider. Der Boykott werde so lange anhalten, bis der Fall Sinkewitz geklärt sei, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nach einem Treffen mit den ARD-Verantwortlichen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender waren auf diesen Fall offenbar vorbereitet. Erst Mitte Juli sagten die Intendanten von ARD und ZDF, Günter Struve und Nikolaus Brender, der "Süddeutschen Zeitung", dass sich ihre Sender "wie noch nie gegen abgesichert" hätten, um einen Abbruch der Tour-Übertragung zu verhindern. Sowohl gegenüber den deutschen Rennställen als auch gegenüber dem Veranstalter", wie Struve sagte. Damit die Tour so sauber wie möglich ablaufe, haben ARD und ZDF offenbar auch damit gedroht, weitere Rad-Wettkämpfe nicht mehr übertragen zu wollen. Struve: "Es zeigt sich, dass man Fahrer und Veranstalter nur über Geld einschüchtern kann."

Zuvor war T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz bei einer Trainingskontrolle am 8. Juni positiv auf Doping getestet worden. Dies gab der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) am Mittwoch bekannt. Der BDR war von der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA über den positiven Analysebefund mit dem erhöhten Testosteronwert informiert worden. Nach dpa-Informationen lag der Wert bei 24 zu 1 - der zulässige Grenzwert liegt bei 4 zu 1. Fassungslos reagierte Sinkewitz auf die Nachricht. "Ich? Wieso ich? Davon weiß ich nichts. Das kann nicht sein", sagte der Fahrer.

B-Probe innerhalb von fünf Tage zu beantragen

Sinkewitz wird nach seinem Unfall bei der Tour de France in einem Hamburger Krankenhaus behandelt. Der 26-Jährige war am Sonntag mit einem Zuschauer zusammengestoßen und hatte sich schwere Gesichtsverletzungen zugezogen. "Ich werde gleich operiert und kann mich jetzt nicht darum kümmern", sagte der Radprofi zu dem Doping-Vorwurf.

Sinkewitz muss innerhalb von fünf Tagen erklären, ob er die Öffnung der B-Probe beantragen will. "Sollte die B-Probe den positiven Befund bestätigen, wird der BDR die Einleitung eines Verfahrens beim Bundessportgericht beantragen und Patrik Sinkewitz aus allen Kadern streichen", erklärte der Verband in seiner Pressemitteilung.

Franke nicht überrascht

Nach der Affäre um die Toursieger Jan Ullrich und Bjarne Riis aus Dänemark hat das T-Mobile-Team sich dem Anti-Doping-Kampf verschrieben. Die positive A-Probe ist ein schwerer Schlag für das um Sauberkeit im Radsport kämpfende Team. "Wir haben Sinkewitz sofort suspendiert", sagte T-Mobile-Sprecher Stefan Wagner. Der Leiter Sponsoring-Kommunikation bei der Deutschen Telekom AG, Christian Frommert, war für eine Stellungnahme bei stern.de am Mittwochmittag nicht zu erreichen.

Der Heidelberger Anti-Doping-Kämpfer Professor Dr. Werner Franke reagierte im Gespräch mit stern.de wenig überrascht auf den neuen Doping-Verdachtsfall bei T-Mobile: "Mich überrascht das alles überhaupt nicht. War doch klar, dass alles so weiter läuft. Mein Kollege Wilhelm Schänzer hat es doch am Dienstag in einem Interview auch schon gesagt. Natürlich wird weiter gedopt. Die Substanzen werden lediglich schwerer nachweisbar." Hart ins Gericht ging Franke gegenüber stern.de mit dem T-Mobile-Team. "Sie haben sich angeblich dem Anti-Doping-Kampf verschrieben. Aber davon merkt man nichts. Schlagworte herausposaunen kann jeder. Handeln können die Leute anscheinend nicht. Das ist alles nur noch unglaubwürdig", ergänzte Franke.

Als Verstoß gegen die Dopingregeln gilt ein Verhältnis der Konzentration von Testosteron zu Epitestosteron (T/E-Quotient) im Urin eines Athleten von höher als 4 zu 1. Dies gilt allerdings nur, solange kein Beweis vorlag, dass dieses Verhältnis einer physiologischen oder pathologischen Ursache zugeordnet werden kann. Proben von Athleten mit einem höheren T/E von 4 müssen mit der Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie in den Analyselabors untersucht beziehungsweise bei negativem Isotopenbefund durch weitere Kontrollen überprüft werden.

Klaus Bellstedt, lk, nik mit DPA


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