Tour de France Start der "Operation Grünes Trikot"

Das Abenteuer kann beginnen. Zum ersten Mal fährt Ralf Grabsch bei der Mutter aller Radrennen mit: Das Portrait eines Debütanten
Von Annette Jacobs

Die Anspannung steigt bei Ralf Grabsch. Mit 33 Jahren ist der Radprofi schon ein alter Hase im Geschäft. 1999 verhalf er seinem ehemaligen Teamkollegen Jan Ullrich zum Sieg bei einer drei Wochen langen Rundfahrt. Aber die Spanien-Rundfahrt ist eben doch nicht zu vergleichen mit dem drittgrößten Sportereignis der Welt: Nach der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen versteht sich - der Tour de France.

„Die Frankreich-Rundfahrt ist einfach etwas Besonderers! Vor der habe ich mächtigen Respekt.“ Drei Tage vor Beginn des Tourauftakts geht der Trubel los: Presse- und Sponsorentermine, Interviews und die obligatorische medizinische Untersuchung stehen an. Dennoch, so ganz genau weiß Ralf Grabsch noch nicht, was in den kommenden Tagen auf ihn zukommt: „Ich lasse mich einfach überraschen. Denn trotz Fußball-Weltmeisterschaft ist schon jetzt klar: In Frankreich ist Radsport einfach das Größte.“

Der Traum vom Etappensieg

Das Ziel ist klar: Ralf Grabsch wird bei der Tour de France in erster Linie dafür sorgen, dass sein Kapitän Erik Zabel ins Grüne Trikot schlüpft. Schon sechs Mal gewann der Sprintkönig die Trophäe der endschnellen Männer der Tour. Nun wird Ralf Grabsch im cyan-farbenen Zug des neuen Zabel-Teams mitkämpfen, dass sich der deutsche Supersprinter den Traum eines siebten Sieges in Grün erfüllt.

„Ich sorge bis drei Kilometer vor dem Ziel dafür, dass Zabel vorne im Feld in meinem Windschatten fahren kann“, erklärt Grabsch. „Erst dann kommen unsere beiden Experten Fabio Sacchi und Marco Velo zum Zug. Im Gewirr des hitzigen Massensprints bin ich dann nicht mehr dabei. Das sollen ruhig die anderen beiden machen. Die haben ein gutes Auge dafür.“

Aber natürlich träumt auch ein Sprinthelfer bei der Tour de France vom eigenen Erfolg. Seine Fähigkeit als sogenannter Puncheur - einer der auch am Ende einer 200 Kilometer langen Etappe noch ein hohes Tempo fahren kann - könnte ihm zu einem Etappensieg verhelfen. Wenn alles gut läuft. Und natürlich hat Grabsch das Ziel, das alle Tourdebütanten haben: Er möchte am 23. Juli nach 3639 Kilometern in Paris die Ziellinie der Tour de France erreichen.

Karriere mit Höhen und Tiefen

Am liebsten zusammen mit seinem jüngeren Bruder Bert, denn der ist für das Schweizer Team Phonak ebenfalls als Radprofi in Frankreich dabei. „Es gibt bestimmt nicht so viele Brüderpaare, die zusammen bei der Tour de France gestartet sind.“ sagt Ralf Grabsch. Für längere Gespräche wird im Tourtrubel wohl keine Zeit bleiben. Immerhin: Papa Grabsch wird die beiden besuchen, wenn es in der dritten Woche in die Alpen geht. „Das will er sich natürlich nicht entgehen lassen, wenn seine beiden Söhne starten“, sagt Grabsch.

Einen Sieg hat Ralf Grabsch, der in Sachsen-Anhalt geboren wurde und seit über zehn Jahren in Hürth bei Köln lebt, aber schon jetzt erreicht: Allein die Tournominierung ist ein Erfolg für den Radprofi, der in seiner Karriere einige Niederlagen einstecken musste. Enttäuscht wechselte er 2002 vom Team Telekom ins zweitklassige Team Wiesenhof.

Erst Ende des vergangenen Jahres ergab sich die Chance für ihn, in die erste Klasse des Radsports zurückzukehren. Im neuen Team Milram mit seinem ehemaligen Telekom-Teamkollegen Erik Zabel fühlt er sich wohl. „Ich habe in diesem Jahr schon einen großen Leistungssprung gemacht, einige vordere Platzierungen bei großen Rennen erreicht und sogar eine Etappe bei der Bayern-Rundfahrt gewonnen“, sagt Grabsch. Und bei der Tour de France kann der Zabel-Helfer auch auf seine eigene Chance hoffen.


Mehr zum Thema



Newsticker