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Tour de France: Thor Hushovd gewinnt zweite Etappe

Der Norweger Thor Hushovd hat die zweite Tour-Etappe im Sprint des Hauptfeldes vor dem Luxemburger Kim Kirchen und Gerald Ciolek aus Pulheim gewonnen. Träger des Gelben Trikots ist weiterhin der Spanier Alejandro Valverde.

Alejandro Valverde eignet sich nicht unbedingt als Visitenkarte der "neuen" Tour de France. Aber der Spanier ist der Mann der Stunde: Der 28-Jährige, über dem weiter der Schatten eines Doping-Verdachts liegt, hat sein Gelbes Trikot erfolgreich verteidigt. Gleich zum Tour-Auftakt hatte Valverde am Vortag mit einem imposanten Etappensieg in Plumelec - zum ersten Mal seit 42 Jahren verzichteten die Organisatoren auf einen Prolog - das Kommando an der Spitze der Gesamtwertung übernommen.

Der Etappenerfolg des Norwegers Thor Hushovd im Ziel der verregneten 2. Etappe in St. Brieuc nach 164,5 Kilometern änderte nichts an der Spitze des Gesamtklassements. Neuer erster Verfolger von Valverde ist mit einer Sekunde Abstand der Luxemburger Kim Kirchen, der in St. Brieuc Zweiter vor seinem Team-Kollegen Gerald Ciolek wurde. Der Tour-Debütant aus Pulheim feierte damit einen gelungenen Einstand und machte aus deutscher Sicht Appetit auf mehr. "Ein bisschen Frust ist dabei, aber Hushovd hat das optimal gemacht", ärgerte sich Ciolek dennoch ein wenig.

Im hektischen Finale ging alles drunter und drüber

Im hektischen Finale ging alles drunter und drüber, zumal es auf den letzten zwei Kilometern noch einen Sturz gab, in den auch Markus Fothen, Sven Krauß und Heinrich Haussler vom Team Gerolsteiner verwickelt waren. Bis 700 Meter vor Schluss lag noch der Mailand-San Remo-Sieger Fabian Cancellara aus der Schweiz vorne. Dann kam die Spitze des Feldes herangeflogen. Hushovd feierte seinen insgesamt sechsten Tour-Etappensieg, 2005 hatte er das Grüne Trikot erobert. Juan Mauricio Soler, im Vorjahr Gewinner des Bergtrikots, verlor am Sonntag im Ziel über vier Minuten. Der Kolumbianer litt an den Sturzverletzungen des Vortages.

Die Gerolsteiner-Equipe zeigte sich wie am Vortag, als der WM- Dritte Stefan Schumacher attackiert hatte, wieder sehr aktiv. Aber auch diesmal blieb der durchschlagende Erfolg aus. Der deutsche Meister Fabian Wegmann fuhr in der ersten dreiköpfigen Ausreißergruppe, hatte an seinem Ausflug aber nur wenige Kilometer Freude. Der am Samstag gestürzte Münsteraner wurde ein Opfer des rasenden Hauptfeldes, das schnell aufschloss. "Ich hatte heute das Bergtrikot im Blick, aber ich habe meine Kräfte überschätzt", sagte Wegmann.

Nach der gescheiterten Wegmann-Attacke hatten lange vier Franzosen um Christophe Moreau und Thomas Voeckler ihr Glück in der Flucht gesucht, allerdings auch vergeblich. Die vier "Musketiere" scheiterten erst zwei Kilometer vor dem Ziel. Für die Profis der Gerolsteiner-Mannschaft ist die Tour auch ein großer Arbeitsmarkt, nachdem festzustehen scheint, dass ihr Team-Manager Hans-Michael Holczer für 2009 keinen Nachfolge-Sponsor präsentieren kann.

Keine Beweise gegen Valverde

Derlei Sorgen hat Auftaktsieger Valverde nicht - und auch die ständigen Fragen nach seinen möglichen Verbindungen zum Doping- Kartell Fuentes interessieren den Spanier wenig. "Kein Kommentar zu dieser Angelegenheit", wiegelte er ab. Seinen Start bei der Rad-WM vor zehn Monaten in Stuttgart hatte Valverde über den Internationalen Sportgerichtshof CAS einklagen müssen. Bei der 95. Frankreich- Rundfahrt ist er dagegen ohne Abstriche willkommen und eroberte als elfter Spanier in 105 Jahren Tour-Geschichte Gelb. Nun will Valverde in die Fußstapfen seines diesmal suspendierten Landsmannes Alberto Contador treten und im "Maillot Jaune" Paris erreichen.

"Das war heute auch wegen des Regens und Windes eine sehr schwere Etappe. Sie war maßgeschneidert für pure Sprinter. Ich konnte am Schluss nicht wie gestern noch ins Ziel sprinten - dazu fehlte mir die Kraft", sagte Valverde nach dem Rennen.

Weder der Organisator noch die Konkurrenz scheint sich von dem zierlichen Caisse d'Epargne-Fahrer hinters Licht geführt zu fühlen. "Das Problem ist immer das gleiche. So lange es keine Beweise gibt, werde ich nicht sagen, ich habe Probleme, gegen Valverde zu fahren", sagte Sebastian Lang. Der Erfurter Radprofi hatte sich bei der WM in Stuttgart lauthals über die Ungleichheit der Chancen im Peloton wegen des Doping-Problems aufgeregt und den Start seines Landsmannes Erik Zabel scharf verurteilt. Der zweitälteste Tour-Teilnehmer hofft am Montag auf doppelten Grund zur Freude. Zabel feiert bei seiner 14. Tour-Teilnahme in Nantes seinen 38. Geburtstag und träumt von seinem 13. Etappensieg. Das Streckenprofil kommt ihm entgegen, seine Beine sind aber nicht mehr so schnell wie früher.

Andreas Zellmer und Benjamin Haller/DPA / DPA

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