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Tour de France: Soler siegt, Winokurow weint

Der 2646 Meter hohe Galibier war zu viel für den verletzten Topfavoriten der Tour de France, Alexander Winokurow. Bei der Königsetappe musste er den Traum vom Sieg vorerst begraben. Im Ziel weinte der Kasache hemmungslos - während Andreas Klöden sich weiter auf dem Vormarsch befindet.

Er galt als der diesjährige Topfavorit der Tour de France. Doch bei der letzten Alpen-Etappe musste Alexander Winokurow die Hoffnungen auf seinen ersten Sieg wohl endgültig begraben. Seine Verletzungen vom Sturz in der vergangenen Woche forderten wieder ihren Tribut. Auf der letzten Alpen-Etappe von Val d'Isère nach Briancon brachten sie ihm über die Mini-Distanz von 159,5 Kilometern einen Zeitverlust auf die Topfahrer von knapp drei Minuten ein. Im Ziel weinte der Kasache hemmungslos und presste nur hervor: "Es war wieder fürchterlich."

Hernandez gewinnt 9. Etappe

Weitaus glücklicher zeigte sich dagegen Juan-Mauricio Soler Hernandez. Der 24-jährige Kolumbianer gewann den 9. Tagesabschnitt im Alleingang. Sein Siegertrikot durfte er aus prominenter Hand entgegen nehmen: Frankreichs neuer Präsident Nicolas Sarkozy hatte der Tour auf der "Königsetappe" in den Alpen den obligatorischen Besuch eines Staatsoberhauptes der Republik abgestattet und übergab im Ziel die Spitzenreiter-Trikots.

Insgesamt wird die 94. Tour de France an der Spitze zu einem Dreierkampf zwischen Andreas Klöden, dem Spanier Alejandro Valverde und dem Australier Cadel Evans. Zwar behauptete der Däne Michael Rasmussen auf der 9. Etappe die Spitze im Gesamtklassement, ist aber im Hinblick auf die zwei folgenden Zeitfahrer deutlich im Nachteil. Rasmussen verteidigte sein Gelbes Trikot mit 2:35 Minuten vor Valverde, der am 7. Juli in London starten durfte, obwohl es Anzeichen seiner Verwicklung in den Doping-Skandal gibt. Klöden rückte mit 3:50 Minuten Rückstand auf den Dänen in Gelb auf den 8. Platz im Gesamtklassement vor und dürfte die Frage nach dem wahren Kapitän im Astana-Team wohl endgültig geklärt haben. Der frühere Telekom-Profi Evans ist jetzt Vierter mit 2:41 Minuten Rückstand auf Rasmussen.

Vorentscheidung fiel noch vor dem Gipfel

Auf dem 18 Kilometer langen Aufstieg zum Galibier - der Gipfel lag noch stolze 37,5 Kilometer vom Ziel entfernt - fiel die Vorentscheidung. Beim Anstieg auf den Tour-Klassiker in den Alpen entschied sich das Schicksal des nach seinem Sturz angeschlagenen Winokurow, der schnell den Kontakt zur Spitze verlor. Auch Linus Gerdemann, am Start noch Zweiter der Gesamtwertung und am Samstag Gewinner des Gelben Trikots, musste der Temposteigerung Tribut zollen und fiel zurück. Im Ziel büßte der T-Mobile-Youngster 6:48 Minuten auf den Etappensieger sowie sein Weißes Trikot für den besten Nachwuchsfahrer an den Spanier Alberto Contador ein. Bei der Verfolgung einer Spitzengruppe lieferten sich die Topfahrer einen offenen Schlagabtausch, in dem sich Klöden behauptete.

Als einer der ersten Fahrer hatte kurz nach dem Start beim Aufstieg zum höchsten Tour-Punkt, auf den 2770 Meter hohen Iseran, der Ukrainer Jaroslaw Popowitsch attackiert. Zusammen mit fünf weiteren Fahrern bildete er wenig später eine sechsköpfige Spitzengruppe, die erst beim Anstieg auf den Galibier auseinander fiel. Aus dem Verfolgerfeld mit zunächst Rasmussen und Gerdemann an der Spitze fiel Markus Fothen (Kaarst) schon früh zurück. Für den Profi vom Team Gerolsteiner, im Vorjahr als Debütant 15., verläuft die diesjährige Tour enttäuschend. Überhaupt gehört sein Team bisher zu den großen Verlierern in Frankreich.

Mit Schmerzmitteln über den Berg

"Es geht von Tag zu Tag besser. Ich erhalte Strom-Therapien bis in die Nacht. Natürlich bleibt der Toursieg mein Traum", hatte Klöden zu Beginn der 9. Etappe erklärt. In der Team-Hierarchie bei Astana ist er immer noch offiziell die Nummer zwei hinter dem ebenfalls schwer gestürzten Winokurow. Bei seinem Sturz am vergangenen Donnerstag hatte er sich einen Haarriss im Steißbein und zahlreiche Prellungen zugezogen. Wegen Knie-Problemen - nach seinem Sturz mussten tiefe Fleischwunden genäht werden - musste sich Winokurow 60 Kilometer vor dem Ziel von Tour-Arzt Gerard Porte behandeln lassen. "Ich gab ihm ein entzündungshemmendes Medikament, das auch die Schmerzen lindert", sagte Porte.

Vor dem Etappenstart in Val d'Isère waren am Morgen weitere 25 Fahrer zu unangekündigten Blutkontrollen herangezogen worden. Betroffen waren die Teams Lampre, Crédit Agricole und Rabobank. Es gab keine auffälligen Befunde. Die Ärzte des Weltverbandes UCI haben seit dem Tour-Start bisher 129 dieser Tests vorgenommen. Vor Beginn der Tour in London waren alle 189 Starter getestet worden.

Andreas Zellmer und Esteban Engel/DPA / DPA

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