Tour de France Rasmussen fühlt sich als Sieger


Weil er sich Doping-Kontrollen entzogen hatte, ist Michael Rasmussen von der Tour de France ausgeschlossen worden. Als Verlierer sieht sich der Däne dennoch nicht - im Gegenteil. Die Tour-Veranstalter streiten sich derweil mit dem Weltverband UCI um die Zukunft des Radrennens.

Der von der Tour de France ausgeschlossene Michael Rasmussen hat einen Rücktritt vom Profi-Radsport kategorisch ausgeschlossen. "Ich kann versichern, dass ich meine Karriere als Fahrer nicht beenden werde", sagte Rasmussen der dänischen Tageszeitung "Politiken". Er fühlt sich sogar als sportlicher Sieger der Frankreichrundfahrt: "Der Sieg wurde mir gestohlen."

Der Däne war am Mittwochabend von seinem Team Rabobank als Tour-Gesamtführender aus dem Rennen genommen und dann entlassen worden. Kurz darauf sprach auch das dänische Nationalteam dem 33-Jährige die Kündigung aus. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Doping-Kontrolltermine verpasst zu haben. Zudem hatte er falsche Angaben zu seinem Trainingsort gemacht. Er gab an, in Mexiko gewesen zu sein. Doch der frühere italienische Radprofi Davide Cassani erklärte, er habe ihn Mitte Juni in den Dolomiten trainieren sehen.

Tour-Veranstalter wollen sich von UCI lossagen

Nach dem Ausschluss Rasmussens und den Doping-Nachweisen bei Patrik Sinkewitz und Alexander Winokurow steckt die 104 Jahre alte Tour so tief in der Krise wie noch nie zuvor. Zwischen den Tour-Veranstaltern und dem Weltverband UCI tobt ein Kampf um Macht und Einfluss. Beide schieben sich den Schwarzen Doping-Peter zu. So wollen sich die Franzosen in Zukunft nicht mehr von den UCI-Funkionären hineinreden lassen. Die "Heilige Allianz" zwischen Rennställen, Weltverband und Tour im Kampf gegen Doping sei zerbrochen, sagte Tour-Präsident Patrice Clerc. Ab 2008, so sieht es der Rettungsplan vor, sollen andere, "ethische" Regeln für die Aufnahme von Fahrern und Teams gelten, die allein die Tour-Spitze festlegen will.

Dabei will die Tour vor allem mit der Welt-Antidopingagentur WADA zusammenarbeiten. Die UCI soll in den Plänen keine Rolle mehr spielen. Doch die Rezepte, mit denen Tour-Chef Christian Prudhomme, neue Doping-Desaster verhindern will, sind ziemlich bescheiden. Es ist vor allem von Paragrafen, Ausschüssen und Runden Tischen die Rede - so auch im Fall Rasmussen.

Rasmussen hätte nicht starten dürfen

Weil der Däne in den 45 Tagen vor Tour-Beginn nicht an seinem angegeben Ort gewesen sei, hätte er nach der UCI-Bestimmung XIV. 8.220 gar nicht starten dürfen. Der Verband hätte den früheren Mountainbike-Weltmeister sofort sperren müssen, sagte Prudhomme. UCI-Chef Pat McQuaid beruft sich dagegen auf einen anderen Artikel, wonach erst nach drei Verwarnungen die Rote Karte gezeigt werden darf. Dieser Artikel und nicht die 45-Tage-Frist solle auch in Zukunft angewandt werden.

Eine Loslösung vom Weltverband hält Hans-Michael Holczer, der Manager des Teams Gerolsteiner, allerdings für "juristisch wahrscheinlich schwierig". Es hätte laut Holzcer "in vergangener Zeit Vermutungen geben, dass ein neuer Verband gegründet werden soll". Sie hätten sich aber nicht bestätigt. Das neue Modell der Vereinigung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC), sozusagen ein "Club der Anständigen", könnte richtungweisend sein.

Der Club der Anständigen

Der während der diesjährigen Tour gegründeten Vereinigung gehören derzeit acht ProTour-Teams an, die sechs französischen und die beiden deutschen T-Mobile und Gerolsteiner. "Wir sind für totale Transparenz, wenden den Ethik-Code konsequent an, tauschen untereinander sämtliche Blutwerte der Fahrer aus und legen den Inhalt der Gesundheitspässe offen". Kein Fahrer der Vereinigung benutze etwa Kortikoide, oft als "legales Doping" bezeichnet, sagte Holczer. Allerdings hat T-Mobile hier noch eine Bringschuld. Die medizinischen Daten der Profis aus dem Bonner Team müssen noch nachgereicht werden. "Das werden unsere Ärzte tun", sagte am Freitag sein technischer Direktor Luuc Eisenga.

DPA/AP AP DPA

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