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Tour de France: McEwens Meisterstück

Massensprint in Montpellier: Auf den letzten Metern hat der Top-Sprinter Robbie McEwen den Turbo ausgepackt - mit seinem dritten Etappensieg wird der Kampf um Grün wieder spannend. Währenddessen musste ein Armstrong-Bezwinger unter Tränen aufgeben.

Einen Tag vor der erwarteten Hitzeschlacht in den Pyrenäen traten bei der 92. Tour de France noch einmal die Sprinter auf den Plan. Der Australier Robbie McEwen gewann den 13. Tagesabschnitt von Miramas nach Montpellier über 173,5 Kilometer und feierte seinen dritten Etappensieg nach den Erfolgen in Montargis und Karlsruhe. Trotzdem behauptete der Norweger Thor Hushovd nach dem Ausstieg Tom Boonens am Vortag das Grüne Trikot. Erst 200 Meter vor dem Ziel wurden die beiden Ausreißer Silvain Chavanel und Chris Horner, die zu lange um den möglichen Etappensieg gepokert hatten, gestellt.

Der Mann in Gelb zieht weiter seine Kreise: Lance Armstrong führt das Gesamtklassement nach wie vor mit 38 Sekunden vor dem Dänen Mikael Rasmussen und Christophe Moreau an. Auch Jan Ullrichs Abstand zu seinem Herausforderer - 4:02 Minuten - blieb unverändert. In dem am Knie verletzten Alejandro Valverde schied ein direkter Armstrong-Konkurrent aus.

Lotto macht Tempo

Auf dem Weg nach Montpellier kämpfte sich das Fahrerfeld durch die Gluthitze des Languedoc in Richtung der Pyrenäen. Anders als an den Vortagen hatte eine Ausreißergruppe am Freitag kein Glück. Fünf Ausreißer, unter ihnen der Franzose Thomas Voeckler, der im Vorjahr zehn Tage Gelb trug, wurden acht Kilometer vor dem Ziel gestellt. McEwens Lotto-Mannschaft hatte bei der Verfolgung die Hauptlast getragen. Auf dem kurvenreichen Parcours im Finale hatten sich dann noch Chavanel und Horner abgesetzt, aber den möglichen Erfolg selbst verspielt.

Die Armstrong-Konkurrenz dezimiert sich derweil ohne Zutun des Rekordsiegers: Alejandro Valverde stieg nach der Hälfte der Strecke kopfschüttelnd vom Rad. Im Begleitwagen sitzend begann er zu weinen. Der Fünfte der Gesamtwertung, der noch drei Tage zuvor bei seinem Sieg auf der schweren ersten Alpen-Etappe nach Courchevel selbst den Favoriten Armstrong in die Schranken verwiesen hatte, klagt seit dem Mannschaftszeitfahren nach Blois über Probleme im linken Knie. Ein Lenker war ihm dagegen geschlagen.

Die Aufgabe des Alejandro Valverde

"Konditionell bin ich noch voll da, aber die Schmerzen waren zu groß. Wenigstens habe ich eine Etappe gewonnen: Das ist das, was sich wollte", sagte der 25 Jahre alte Spanier vom Rennstall Illes Balears, der in seinem Heimatland als größte Nachwuchs-Hoffnung gilt und als möglicher Nachfolger des fünfmaligen Tour-Siegers Miguel Indurain gehandelt wird. Durch das vorzeitige Aus des Vize-Weltmeisters von 2003 verbesserte sich Ullrich in der Gesamtwertung auf Rang acht, sein Teamgefährte Andreas Klöden rückte auf Platz neun vor, Alexander Winokurow auf Platz elf.

Valverde führte im Weißen Trikot die Wertung des besten Tour- Neulings vor dem Armstrong-Helfer Jaroslaw Popowitsch an. Einen Tag zuvor hatte der Träger des Grünen Trikots, der zweifache Etappensieger Tom Boonen, aufgegeben. Nun blickt die Radsportwelt gespannt auf die Pyrenäen-Etappen am Wochenende - die wohl letzte Chance für Jan Ullrich im Kampf um das Gelbe Trikot.

Von Andreas Zellmer und Heinz Büse/DPA / DPA

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