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Tour de France: Sieg Nummer zwei für Boonen

Tom Boonen ist Chef im Ring. Während der blonde Belgier vom Team Quickstep nur einen Tag nach seinem Sieg nach 212,5 Kilometern als erster die Ziellinie überquerte, hielten sich Lance Armstrong und Jan Ullrich wohlweißlich zurück.

Lance Armstrong und Jan Ullrich konzentrierten sich bereits auf das Mannschaftszeitfahren am Dienstag, als Tom Boonen aus Belgien seinen zweiten Etappensieg in Serie feierte: Die 3. Etappe der Tour de France von La Chataigneraie über 212,5 Kilometer nach Tours gehörte am Montag wieder den Sprintern. Im Massensprint ließ der Paris-Roubaix-Gewinner seiner Konkurrenz erneut keine Chance. Boonen, seit Sonntag Träger des Grünen Trikots, verwies den Österreicher Peter Wrolich vom Team Gerolsteiner auf Rang zwei - bester Deutscher war Robert Förster (Markkleeberg) auf Platz sieben. Dem ursprünglich drittplatzierten Australier Robbie McEwen vom Team Davitamon-Lotto wurde sein dritter Rang wegen Behinderung aberkannt.

Kampf um das Gelbe Trikot

Im Gesamtklassement gab es keine Veränderungen: David Zabriskie (USA) vom dänischen CSC-Team geht mit seinem Zwei-Sekunden-Vorsprung vor dem sechsfachen Rekordsieger Lance Armstrong in das 67,5 Kilometer lange Team-Zeitfahren von Tours nach Blois. Die T-Mobile-Elite um Jan Ullrich (1:08 Minuten zurück) und Alexander Winokurow (53 Sekunden) verteidigte ihre Plätze. Zwischen den Zeitfahr-Favoriten Discovery Channel (Armstrong) und CSC (Zabriskie) geht es am Dienstag um nichts Geringeres als das Gelbe Trikot.

"Im vorigen Jahr habe ich meine zweite Tour-Etappe erst beim Finale in Paris gewonnen. Das habe ich jetzt schon nach nur drei Etappen geschafft", sagte Boonen. Weniger zufrieden war Förster, der sich insgeheim mehr ausgerechnet hatte: "Meine Beine waren gut, aber ich hatte leider keine freie Fahrt, weil ich eingeklemmt war." Ullrich kommt drei Tage nach seinem Unfall allmählich in Tritt: "Es rollt immer besser".

Aufwärtstrend bei Jan Ullrich erwartet

Armstrong warnte davor, Ullrich bereits abzuschreiben. Wenn dieser den Schock des Unfalls vom Freitag verdaut hätte, erwartet der Texaner einen deutlichen Aufwärtstrend bei seinem vermeintlichen Herausforderer Nummer eins. Armstrong bleibt zurückhaltend und mahnte zur Vorsicht: "Ullrichs Abschneiden beim Zeitfahren hatte mit seinem Sturz zu tun. Ich stürzte im Training vor zehn Tagen und brauchte fünf Tage, um den Schock zu verdauen. Jan hatte das Pech, dass ihm das jetzt passierte. Wenn die Tour nach Deutschland kommt, wird er sich besonders ins Zeug legen. T-Mobile mit Ullrich, Winokurow und Klöden bleibt weiter sehr gefährlich".

Nach dem ersten Vorgeschmack am Sonntag mit einer Bergwertung folgten 24 Stunden später drei weitere der vierten Kategorie. Dabei trat Fabian Wegmann, Gewinner des Bergtrikots beim Giro d’Italia 2004, in Erscheinung. Der Profi aus dem Team Gerolsteiner gewann die erste Wertung an der Cote de Pouzauges vor dem Träger des Bergtrikots, Thomas Voeckler, der die Franzosen im Vorjahr im Gelben Trikot tagelang verzaubert hatte.

Nach der ersten Steigung des Tages nach 22 Kilometer hatte sich eine dreiköpfige Spitzengruppe gebildet, die das Rennen lange bestimmte und die letzten zwei Bergwertungen unter sich aufteilte. Das Trio mit dem Niederländer Erik Dekker an der Spitze wurde aber vom Feld vier Kilometer vor dem Ziel gestellt.

Teilung des Feldes durch Sturz

Das erste deutsche Sturzopfer im Rennen war am Vortag Daniel Becke vom Team Illes Baleares. Der Erfurter, der zusammen mit anderen auf den letzten drei Kilometern gestürzt war und damit im Finale eine Teilung des Feldes provoziert hatte, verletzte sich an der Hüfte. Er konnte die Tour am Montag aber fortsetzen. Dadurch war es am Sonntag bei den Juroren nach der Zielankunft zu einiger Konfusion gekommen.

Erst bekam die 27-köpfige Fahrergruppe an der Spitze - in ihr auch Ullrich - fünf Sekunden Vorsprung gutgeschrieben. Dann besann sich die Jury auf die neue Drei-Kilometer-Regel, die besagt, dass gestürzte Fahrer innerhalb der letzten 3000 Meter keine Zeit verlieren und andere auch nicht von einem Sturz zeitlich profitieren dürfen. T-Mobile hatte am Montag vor Beginn der 3. Etappe beim Veranstalter noch einmal offiziell nachgefragt. Doch die Entscheidung blieb unwiderruflich.

Andreas Zellmer und Heinz Büse/DPA / DPA

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