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Tour de France, 1. Etappe: McEwen stürzt und siegt

Die erste Etappe der Tour de France wurde in England ausgefahren. Nach zahlreichen Attacken kam es in Canterbury zum Massensprint. Dabei konnte sich ein Australier durchsetzen, der einige Kilometer vor dem Ziel noch gestürzt war.

Der australische Radprofi Robbie McEwen hat die erste Etappe der 94. Tour de France gewonnen. Der Fahrer aus dem Lotto-Team siegte nach 203 Kilometern von London nach Canterbury im Sprint vor dem Norweger Thor Hushovd. Als Sechster erreichte Robert Förster aus Leipzig vom Team Gerolsteiner das Ziel. Das Gelbe Trikot des Führenden in der Gesamtwertung behauptete Fabian Cancellara aus der Schweiz, der am Samstag den Prolog gewonnen hatte. Trotz der drückenden Last der Doping-Diskussion ist die Tour de France schnell zur sportlichen Tagesordnung übergegangen.

McEwen, der 18 Kilometer vor dem Ziel nach einem Sturz noch 18 Sekunden Rückstand hatte, ließ der Konkurrenz - darunter Erik Zabel, der am Samstag seinen 37. Geburtstag gefeiert hatte - nach 203 Kilometern keine Chance. Trotzdem blieb sein Griff nach dem Gelben Trikot vergebens. Der Schweizer Zeitfahr-Weltmeister Cancellara, der mit einem Stundenmittel von 53,66 Kilometern den drittschnellsten Tour-Prolog aller Zeiten schaffte, verteidigte die Führung in der Gesamtwertung. "Ich will das Trikot bis nach Frankreich bringen", hatte Cancellara vor dem Start der 1. Etappe an der Tower Bridge erklärt. Klöden blieb mit 13 Sekunden Rückstand Zweiter im Gesamtklassement.

"Eines meiner besten Rennen überhaupt"

"Das war heute eines meiner besten Rennen überhaupt. Ich bin gestürzt und wurde danach im Sprint auch noch bedrängt - trotzdem habe ich es geschafft. Sieben Kilometer vor dem Ziel war ich mit Hilfe meiner Teamkollegen nach meinem Sturz wieder im Hauptfeld und bin dann mit Frust und Wut im Bauch ganz nach vorne gefahren. Mal sehen, wie es morgen läuft", sagte der 35-jährige McEwen, der Klöden das Grüne Trikot abnahm, das der Astana-Fahrer jedoch nur in Vertretung für Cancellara getragen hatte. Robert Förster vom Team Gerolsteiner war mit seinem sechsten Platz zufrieden: "Das zeigt mir, dass ich vorne bei den besten Sprintern dabei bin."

Zunächst hatte David Millar auf sich aufmerksam gemacht. Der Schotte, der beim Prolog als Spezialist auf Rang 13 enttäuschte, startete seine Attacke schon kurz nach dem Start. Nach 50 Kilometern erhielt Millar von vier Fahrern Gesellschaft. Aber die fünf Ausreißer hatten gegen das Feld keine Chance. 27 Kilometer vor dem Ziel war die Spitzengruppe eingeholt. Stéphane Auge aus Frankreich hielt wegen des winkenden Bergtrikots noch sieben Kilometer länger durch.

Vier Attacken ohne Erfolg

Danach starteten weitere Attacken, letztlich ohne Erfolg. Die Sprinter wollten sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen und taten mit ihren Teams alles, um das Feld im Finale kompakt zusammenzuhalten. Der hoffnungsvolle Brite Mark Cavendish aus dem T- Mobile-Team hatte im ungünstigsten Moment einen Defekt. Dadurch war der hinterher bitter enttäuschte Sprinter schon 21 Kilometer vor dem Ziel aus dem Rennen. Bester Deutscher war am Sonntag der Markkleeberger Förster, der schon Etappen beim Giro und bei der Spanien-Rundfahrt gewann.

Auf der 2. Etappe erreicht die Tour an diesem Montag Frankreich. Der zweite Tagesabschnitt über 168,5 Kilometer wird in Dünkirchen gestartet, nachdem die Fahrer am Sonntagabend mit dem Eurostar-Zug England verlassen hatten. Gent in Belgien ist das Ziel des Abschnitts, der wieder etwas für die Sprinter sein sollte.

Andreas Zellmer/DPA / DPA

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