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US Open: Aus für B. Becker - Haas weiter

Das war's dann für Benjamin Becker: Der Agassi-Bezwinger hatte gegen den Ami Andy Roddick nicht den Hauch einer Chance. Tommy Haas hat dagegen nach einer wahren Nervenschlacht das Achtelfinale erreicht.

Die erstaunliche Reise des Benjamin Becker zu den US Open endete kurz und schmerzlos im Achtelfinale, den langen Weg zum etablierten Tennis-Profi will der Spätstarter aber von New York aus schnellstens fortsetzen. Nach den besten beiden Wochen seines Sportlerlebens tat dem 25-Jährigen das 3:6, 4:6, 3:6 gegen Ex-US- Open-Sieger Andy Roddick am Montagabend nur kurz weh.

"Ich bin auf eine sehr positive Weise erleichtert. Ich habe mich qualifiziert, bin Top 100, habe gegen Agassi gespielt und gewonnen und war jetzt nochmal auf dem Center Court. Ich hoffe, viel positive Energie daraus zu ziehen. Die Erfahrung gegen Agassi kann mir keiner mehr nehmen", sagte der Saarländer, der seinen Bekanntheitsgrad und den Respekt der Kollegen im Eiltempo vervielfacht hat. "Das war am Montag ein anderes Gefühl", berichtete Becker. Im Hotel sei er im Fahrstuhl angesprochen worden, in der Kabine hätten ihn auf einmal andere Profis gegrüßt. Kein Unbekannter mehr zu sein, heißt aber auch: Die Gegner kennen die Schwächen. Roddick setzte den Mettlacher unter Druck und wartete auf Fehler, die im siebten Match binnen 13 Tagen auch reichlich kamen. Zudem schmerzte Beckers Arm.

"Ich bin bodenständig genug"

Schon am Mittwoch hätte er von Deutschland aus zum Turnier nach Peking fliegen sollen, doch diesen Stress wird er sich nicht antun. Geplant sind Starts in Bangkok und Tokio, danach folgt die Hallensaison in Europa. Für welche Veranstaltungen Becker direkt qualifiziert ist, hängt auch davon ab, welchen Sprung der bislang 112. der Weltrangliste nach oben macht. Nur eines will Becker nicht: als der Mann abgestempelt werden, der Andre Agassis Karriere beendete. Allzu große Bedenken hat er da jedoch nicht: "Schwerer ist es, von Boris Becker loszukommen."

Dass die Erwartungen nun höher sind, war Becker vor dem Abschied aus Flushing Meadows klar. Er hatte sogar überlegt, nicht nach Deutschland zu fliegen, sondern zu seiner Freundin nach Florida. Doch das schlagartig gestiegene Interesse belaste ihn nicht, betonte Becker: "Ich sehe das nicht als Druck, sondern nehme das als positiv an. Ich bin bodenständig genug, um damit umzugehen." Sein Bezwinger Roddick trifft im Viertelfinale wie vor fünf Jahren auf Lleyton Hewitt. Der Australier schlug den am Ende unter Krämpfen leidenden Franzosen Richard Gasquet um ein Uhr morgens 6:4, 6:4, 4:6, 3:6, 6:3. Hewitt hatte 2001 das Duell der damaligen Jungstars gewonnen und danach seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt.

Haas jetzt gegen Safin

Bei den Damen demonstrierte die Weltranglisten-Erste Amélie Mauresmo ihre gewachsene Nervenstärke. Die Französin siegte trotz eines katastrophalen zweiten Satzes 6:4, 0:6, 6:2 gegen Serena Williams aus den USA, die zwei ihrer sieben Grand-Slam-Titel in New York holte. Nach einer Knieverletzung ist die einstige Nummer eins aber bis auf Rang 91 abgerutscht. "Wenn ich so gespielt hätte wie bisher, wäre das Ergebnis anders ausgefallen. Nach dem frühen Break im dritten Satz bin ich auseinander gefallen", meinte die 24-Jährige.

Die Australian-Open- und Wimbledonsiegerin Mauresmo sah ihre Reife als Grund für ihr Comeback im dritten Satz und den erst zweiten Erfolg gegen Serena Williams im elften Vergleich. Viertelfinal- Gegnerin ist die Russin Dinara Safina, deren Bruder Marat am Dienstag im Achtelfinale auf Thomas Haas traf. Im Rennen bleibt auch Russlands Ex-Wimbledonsiegerin Maria Scharapowa nach dem 6:4, 6:2 über die Chinesin Na Li. Ihre nächste Gegnerin Tatiana Golovin wurde zwar in Moskau geboren, spielt aber für ihre Wahlheimat Frankreich.

Der Hamburger Tommy Haas hatte bereits am frühen Montagabend deutscher Zeit in New York sein Match gegen Robby Ginepri gewonnen - wenn auch nur hauchdünn mit 7:6 (7:1), 6:4, 3:6, 3:6 und 7:6 (7:1). Der Amerikaner hatte ihn im Vorjahr in der dritten Runde ebenfalls nach der vollen Distanz bezwungen. "Ich habe am Ende daran gedacht, dass ich schon lange kein Fünf-Satz-Match mehr gewonnen habe. Aber ich habe gekämpft, und jetzt fühle ich mich großartig. Natürlich ist es hart, wenn man so verliert, denn Robby hat wieder ein großes Match gespielt", sagte Haas. Er konnte in dem 3:26 Stunden dauernden Match zur Mittagszeit allerdings keine Kraft für die nächste Partie sparen, die schon am Dienstag folgt. Dann heißt der Gegner Marat Safin.

DPA/kbe

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