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US Sport: Die Baseball-Hall of Fame

Im Baseball fällt der Historie und der Tradition eine enorme Bedeutung zu. Um großen Persönlichkeiten ein Denkmal zu setzen, wurde deshalb bereits 1936 die Baseball-Hall of Fame gegründet. Wir bringen Ihnen diese Institution heute etwas näher.

Im Baseball fällt der Historie und der Tradition eine enorme Bedeutung zu. Um großen Persönlichkeiten ein Denkmal zu setzen, wurde deshalb bereits 1936 die Baseball-Hall of Fame gegründet, die 1939 in Cooperstown (New York) einen festen Sitz bekam. Roberto Alomar, Bert Blyleven und Pat Gillick heißen seit gestern die neuesten Zugänge der Baseball-Hall of Fame.

Die ersten fünf Mitglieder waren Ty Cobb, Babe Ruth, Honus Wagner, Christy Mathewson und Walter Johnson, die 1936 die sogenannte First Class bildeten. Bis zu diesem Jahr wurden 295 Personen aufgenommen, darunter 205 Major League-Spieler, 35 Spieler der Negro Leagues, 19 Manager, neun Schiedsrichter und 27 Pioniere, Offizielle und Organisatoren des Sports.

Journalisten und Veteranen wählen aus

Um in die Hall of Fame aufgenommen zu werden, gibt es zwei Wege: Entweder von dem Baseball Writers Association of America (or BBWAA) gewählt werden oder vom Veterans Committee. Fünf Jahre nach Karriereende kann jeder Spieler, der mindestens zehn Jahre in der MLB gespielt hat von jedem Journalisten, der mindestens zehn Jahre BBWAA-Mitglied ist, gewählt werden.

Ein Kommittee trifft eine Vorauswahl und streicht Spieler, die nicht in Frage kommen, weil sie in ihrer Karriere nichts Großartiges erreicht haben. Nach dieser Vorauswahl bleiben meist 25-40 Spieler übrig, über die abgestimmt werden kann. Jeder Journalist kann bis zu zehn Stimmen abgeben und jeder Spieler, der mindestens 75 Prozent bekommt, wird in die Baseball Hall of Fame aufgenommen.

Das Veterans Committee wählt Trainer, Schiedsrichter, Offizielle und Spieler, die lange ihre Karriere beendet haben und nicht mehr von der BBWAA gewählt werden können in die Hall of Fame. Es müssen auch hier mindestens 75 Prozent der Stimmen auf eine Person entfallen, damit sie in die Hall of Fame aufgenommen werden kann.

Das Cap ist entscheidend

Mit dem Cap welchen Teams  - sollten sie für mehrere gespielt haben - Spieler in die Hall of Fame einziehen, konnten sie bis 2001 noch selber entscheiden. So entschied sich Frank Robinson - bis heute einziger Spieler, der sowohl in der National als auch in der American League zum MVP gewählt wurde - für die Baltimore Orioles, für die er sechs Jahre aktiv war, aber er spielte zehn Jahre für die Cincinnati Reds.

Oder Reggie Jackson, der zehn Jahre für die Kansas City/Oakland A's spielte und dort drei World Series gewann und einmal MVP wurde. Jackson wollte lieber als ein New York Yankee in die Hall of Fame, obwohl er dort nur fünf Jahre spielte und zwei World Series gewann. Aber bei den Yankees bekam er seinen Spitznamen Mr. October, nachdem er in Spiel sechs der World Series 1977 Homeruns auf drei aufeinander folgende Würfe erzielte.

Geld unter der Hand

Die freie Wahlmöglichkeit der Spieler führte dazu, dass es Gerüchte gab, dass die Teams Spielern Geld oder Jobs anboten, damit sie mit ihrer Cap in die Hall of Fame einziehen. Der erste Spieler, der mit einem anderen Team als seinem gewünschten in die Hall of Fame aufgenommen wurde, war Gary Carter 2003. Carter wollte mit einer Cap der New York Mets auf seiner Plakette erscheinen, für die er fünf Jahre spielte und eine World Series gewann. Aber die Hall of Fame wählte für ihn die Montréal Expos, für die Carter insgesamt zwölf Jahr spielte.

Wade Boggs soll sogar eine Klausel in seinem Vertrag mit den Tampa Bay Devil Rays gehabt haben, die es von ihm verlangte, dass er bei seinem Einzug in die Hall of Fame das Cap der Devil Rays wählen würde, obwohl er letztlich nur zwei Jahre dort spielte, nachdem er zuvor elf Jahre für die Boston Red Sox und fünf Jahre für die Yankees aktiv war - zwei der größten Teams, die die MLB zu bieten hat. Und so schritt die Hall of Fame ein und entschied, dass Boggs mit einer Cap der Red Sox dargestellt werden soll, obwohl er sich mit dem Team überworfen hatte.

Die Expos scheinen bei der Teamauswahl generell nicht sehr beliebt gewesen zu sein. Auch Andre Dawson wollte nicht mit dem Cap der Kanadier in die Hall of Fame, obwohl er elf Jahre dort gespielt hatte. Dawson wollte lieber als ein Chicago Cub verewigt werden, wo er sechs Jahre aktiv war, aber fünf seiner acht All-Star-Nominierungen und seinen einzigen MVP-Award gewann.

Die Kontroverse um Pete Rose

Aber es gibt nicht nur Diskrepanzen, für welches Team ein Spieler in die Hall of Fame einziehen soll, sondern, ob er überhaupt berücksichtigt werden soll, da er, obwohl sportlich dafür qualifiziert, sich durch seine Tätigkeiten abseits des Spielfeldes zu negativ in die Schlagzeilen gebracht hat.

Ein Paradebeispiel ist die Kontroverse um Pete Rose. Rose spielte von 1963 bis 1986 in der MLB und trainierte von 1984 bis 1989 die Cincinnati Reds. Er hält die Rekorde für Hits (4256), Spiele (3562), At-Bats (14.053) und Outs (10.328). Aber in die Hall of Fame wird Rose wahrscheinlich nie einziehen.

1990 unterschrieb Rose eine Vereinbarung mit dem MLB-Commissioner, dass er auf jegliche weitere Teilnahme am Baseballsport verzichten würde. Dafür würde die MLB Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen, dass Rose in seiner Zeit als Coach der Reds auf Spiele seines eigenen Teams gewettet habe. Seit dem Wettskandal 1919 um die Chicago White Sox waren Wetten bei zwielichtigen Buchmachern gleichbedeutend mit dem Todesurteil der Karriere.

Seit Jahren gibt es nun einen heftigen Streit um Pete Rose, ob er aufgrund seiner herausragenden Leistungen einer der besten Spieler aller Zeiten nicht doch in die Hall of Fame aufgenommen werden solle, egal, ob er Wetten abgeschlossen hat oder nicht.

Neue Nahrung werden diese Diskussionen in den kommenden Jahren bekommen, wenn teilweise überführte Doping-Sünder zur Aufnahme in die Hall of Fame gewählt werden können. 2013 sind dies unter anderem Barry Bonds, Roger Clemens und Sammy Sosa. Wir dürfen gespannt sein, wie die Hall of Fame entscheidet.

Henning Schulz

sportal.de / sportal
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