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Vierschanzentournee: Das Comeback der "Schmitt-Mania"

Deutschland befindet sich wieder im Skisprung-Fieber. Nach dem starken fünften Platz von Vorzeigeathlet Martin Schmitt und weiteren sehr guten Platzierungen der anderen deutschen Adler in Oberstorf sind alle Beteiligten mehr als zufrieden. Allen voran der neue Bundestrainer Werner Schuster.

Mit einem Traumergebnis haben die deutschen Adler zum Auftakt der Vierschanzentournee den Weg zu einer neuen Skisprung-Euphorie in Deutschland bereitet, doch ihr Vorzeigeathlet Martin Schmitt konnte sich zunächst gar nicht richtig freuen. Nach Platz fünf beim Auftaktspringen in Oberstdorf wirkte der Routinier etwas zerknirscht, schien der heiß ersehnte Podestplatz durch einen fast perfekten Sprung im ersten Durchgang doch zum Greifen nahe.

Eine geruhsame Nacht später hatte aber auch Schmitt seine gute Laune wiedergefunden. "Der Start ist gelungen, ich habe eine gute Ausgangsposition. Ich bin überzeugt, dass ich auch in Garmisch einen guten Sprung machen werde", sagte der 30-Jährige.

Bundestrainer Werner Schuster gewann der Reaktion des vierfachen Weltmeisters sogar etwas Positives ab. "Das zeigt, dass das Feuer in ihm brennt. Er ist Sportler durch und durch und will unbedingt vorne dabei sein", lobte der Österreicher. Für den weiteren Verlauf der Tournee ist Schuster zuversichtlich. "Martin wird wieder beachtet, das merkt man auch an den Reaktionen der Konkurrenz. Er ist nicht mehr weit weg vom Podest", sagte der Nationalcoach.

Für Österreichs Rennsport-Direktor Toni Innauer ist Schmitt wieder zu einem ernsten Konkurrenten geworden. "Martin ist wieder da. Dafür muss man ihm großen Respekt zollen", sagte er. Auch der Cheftrainer der österreichischen Mannschaft, Alexander Pointner, hat den Deutschen wieder auf der Rechnung. "Er hat gezeigt, dass er eine gute Rolle spielen kann. Mit etwas mehr Selbstvertrauen wäre er schon in Oberstdorf ganz vorne gewesen", sagte Pointner.

Schmitt selbst fügte sich am Dienstag wieder in die Rolle des Underdogs, der "nur weiter das Niveau meiner Sprünge" halten will. Doch die kurzzeitige Enttäuschung nach Platz fünf, über den er sich vor wenigen Monaten noch ausgelassen gefreut hätte, zeigt auch das neue Anspruchsdenken beim 28-fachen Weltcupsieger. "Wenn man die Chance hat, aufs Podium zu springen, will man die natürlich auch nutzen", sagte der 30-Jährige. Mit etwas Distanz fügte er hinzu: "Ich bin mit dem Start insgesamt zufrieden. Der erste Sprung war mein bester in diesem Winter. Das gibt Auftrieb."

Schmitts Rückkehr in die Weltspitze verfolgten in Oberstdorf 22.000 Zuschauer, die die Anlage in einen Hexenkessel verwandelten. "Es macht Spaß, wenn man das sieht. Da werden Erinnerungen an vergangene Zeiten wach", sagte der Furtwanger. Auch Sportdirektor Thomas Pfüller geriet ins Schwärmen: "Das ist fantastisch. Es zeigt sich, dass Skispringen zusammen mit Biathlon die Wintersportart Nummer eins ist."

Neben Schmitt haben an der Renaissance auch Michael Neumayer (9.), Michael Uhrmann (10.) und Stephan Hocke (15.) ihren Anteil. "Vier Springer unter den ersten 15, das ist für uns schon am oberen Rand", sagte Schuster, den Pfüller im Überschwang bereits mit dem langjährigen Erfolgscoach Reinhard Heß verglich. "Werner ist ein Glücksfall für den deutschen Skisprung." Der Österreicher nahm die Lobeshymnen gelassen. "Es ist einfach ein tolles Gefühl, zu sehen, dass wir die Tournee mitgestalten können." Grund zum Abheben sieht auch Schmitt nicht: "Es hat mir wegen des fünften Platzes heute keiner das Frühstück ans Bett gebracht."

Am zweiten Tournee-Standort in Garmisch-Partenkirchen reiben sich die Veranstalter angesichts des Höhenflugs die Hände. "Seit die Ergebnisse wieder stimmen, hat der Vorverkauf deutlich angezogen. Und seit Montag herrscht wieder eine Schmitt-Mania", sagte OK-Pressesprecher Hannes Krätz. "Die 25.000 Zuschauer vom vergangenen Jahr dürften wir auf jeden Fall erreichen."

DPA / DPA

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