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Vierschanzentournee: Hannawald und Schmitt abgestürzt

Sven Hannawalds Rekordjagd bei der Vierschanzentournee ist durch einen Sturz beendet worden. Nach fünf Tagessiegen in Folge belegte der 28-Jährige in Garmisch-Partenkirchen Platz zwölf. Das Neujahrsspringen gewann der Slowene Primoz Peterka.

Den 35 000 Fans stand das Entsetzen im Gesicht, der Heimtrainer wandte sich fluchend ab und der gestürzte Tournee-Held lag deprimiert im Schnee: Sven Hannawalds grandiose Siegesserie bei der Vierschanzentournee ist schmerzvoll zu Ende gegangen. «Jetzt kann ich erst einschätzen, was ich vergangenes Jahr geleistet habe», sagte der Hinterzartener. Statt den erhofften sechsten Erfolg nacheinander feiern zu können, landete er nach einem Sturz im Finaldurchgang des Neujahrsspringens in Garmisch- Partenkirchen in einer Werbebande.

Janne Ahonen übernimmt Gesamtführung


Der 28-Jährige musste die Führung in der Tournee-Gesamtwertung an den Finnen Janne Ahonen abgeben, auf den er als Vierter zur Halbzeit 14,9 Punkte Rückstand aufweist. «Ich habe gekämpft, um die Sturzgrenze noch zu erreichen. Aber ich hätte unterwegs eine Verpflegungsstation gebraucht», kommentierte der Titelverteidiger seinen zwölften Platz in der Tageswertung mit Humor.

Primoz Peterka gewinnt in Garmisch-Partenkirchen


Den Sieg sicherte sich der Slowene Primoz Peterka, der zwei Mal auf 123,5 m sprang. Mit 264,6 Punkten lag er knapp vor den punktgleichen Andreas Goldberger (Österreich) und Adam Malysz (Polen). Den weitesten Satz des Tages lieferte Ahonen, der nach 129 m jedoch in den Schnee greifen musste und damit den sicher geglaubten Sieg verspielte. «Ich habe versucht, den Sprung zu stehen», sagte der Spitzenreiter verärgert.

«Kleinigkeiten werden sofort bestraft»


Vor dem ersten Sprung hatte Hannawald kurzfristig den Anzug gewechselt, doch in der neuen Kleidung gelang ihm mit 118 m nur ein viel zu kurzer Satz. Damit büßte er frühzeitig alle Siegchancen ein. Im Finale riskierte er dann alles und verlor vieles. Auf 124 m trug es den 28-Jährigen hinunter, doch bei der Telemark-Landung unterlief ihm ein Fehler. «Kleinigkeiten werden sofort bestraft. Das ging in die Hose», meinte Hannawald, der mit Schmerzen an Po und Wade relativ glimpflich davon kam. «Ich brauche jetzt etwas Zeit für die Behandlung und hoffe auf eine schnelle Heilung», sagte der «Sportler des Jahres».

Bundestrainer Reinhard Heß sieht seinen Schützling nun in einer schwierigen Ausgangsposition für die Springen in Innsbruck (4.1.) und Bischofshofen (6.1.). «Sven wird es schwer haben, ganz nach vorn zu kommen. Vielleicht gelingt ihm noch ein Einzelsieg, mit dem er den Rückstand aufholen kann», sagte der Thüringer. Der Coach gab zu, mit der neuen Situation nicht auf Anhieb klar gekommen zu sein. «Der Sturz von Sven hat mich etwas durcheinander gebracht», gestand Heß.

"Wind-Lotterie"


Überhaupt zogen die deutschen Skispringer bei der Wind-Lotterie von Garmisch-Partenkirchen überwiegend Nieten. «Das war brutal heute», meinte Michael Uhrmann nach seinem 26. Platz. Nur vier von elf DSV-Athleten erreichten das Finale - und Martin Schmitt gehörte nicht dazu. Der viermalige Weltmeister zog im K.o.-Duell mit Martin Höllwarth den kürzeren, obwohl der Österreicher nach seiner Landung bei 121 m knapp vor der Sturzgrenze zu Fall kam. Der Weltcup- Spitzenreiter erhielt dennoch kaum Punktabzüge und lag damit deutlich vor Schmitt, der nur 111,5 m erreichte. «Ich kann mich nicht beschweren, denn ich habe heute nicht die Leistung gebracht, um weiterzukommen», sagte der 24-Jährige. «Die Tatsachenentscheidung akzeptiere ich natürlich.»

Während Schmitts Traum vom ersten Tournee-Gesamtsieg damit vorzeitig geplatzt ist, darf Hannawald trotz des Rückschlages weiter hoffen. «Mir hat heute die Lockerheit gefehlt. Ich setzte jetzt auf die großen Schanzen. In Innsbruck will ich wieder mein Zeug machen», sagte der Hinterzartener. Auf die Gesamtwertung will er zunächst nicht schauen, um unnötigen Druck zu vermeiden. «Wenn ich jetzt anfange zu spekulieren, wird es ohnehin nichts», meinte Hannawald.

Eric Dobias und Gerald Fritsche, dpa

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