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Wimbledon-Finale: Dritte Krone für Rasenkönig Federer

Auch der US-Amerikaner Andy Roddick konnte Roger Federer nicht auf seinem Weg zum dritten Wimbledon-Titel in Folge stoppen. Der Schweizer lässt jetzt alte Rekorde wackeln.

Mit einer neuerlichen Tennis-Demonstration hat Roger Federer seinen Wimbledon-Hattrick perfekt gemacht und ist in einen elitären Zirkel vorgestoßen. Der Schweizer ließ dem Amerikaner Andy Roddick in einer Neuauflage des letztjährigen Endspiels mit 6:2, 7:6 (7:2), 6:4 keine Chance und gewann als achter Spieler zum dritten Mal nacheinander im Tennis-Mekka an der Church Road. Ihren dritten Einzel-Sieg feierte auch Venus Williams, die nach den Erfolgen 2000 und 2001 jedoch vier Jahre darauf warten musste.

Bei den Herren hatten zuletzt zwei Mal Pete Sampras und Björn Borg drei oder mehr Titel hintereinander gesammelt. "Sampras war einer meiner Lieblingsspieler, und was Borg erreicht hat, ist eigentlich schon außerhalb dessen, was möglich ist. In der selben Liga wie diese beiden zu sein, ist etwas absolut Besonderes für mich", sagte Federer nach seinem insgesamt fünften Grand-Slam-Titel und dem ersten in dieser Saison. Auf Rasen ist der 23-Jährige seit nunmehr 36 Partien ungeschlagen und braucht im kommenden Jahr noch fünf Siege, um den Rekord des fünfmaligen Wimbledon-Champions Borg einzustellen.

Gegen Roddick benötigte Federer nur 22 Minuten zum Gewinn des ersten Satzes und scheuchte den US-Open-Sieger von 2003 nach Belieben über den nach zwei Turnierwochen verbliebenen Rasen. Roddick konnte im zweiten Satz eine 3:1-Führung nicht halten und verzweifelte im Tiebreak, weil ihm kein einziger Punkt mit dem sonst so starken, eigenen Service gelang. Danach sorgte Nieselregen für eine rund 20-minütige Unterbrechung. "Roddick fehlen ein paar PS, er hat nicht die Mittel. Federer bewegt ihn statt umgekehrt", sagte der dreimalige Wimbledon-Sieger Boris Becker in der BBC. Nach 1:41 Stunden nutzte Federer seinen ersten Matchball.

Bei den Damen ist Wimbledon wieder in Williams-Hand. Nach einem titellosen Jahr in London hat Venus mit ihrem dritten Triumph ein weiteres Kapitel in der Erfolgs-Saga des US-Clans geschrieben. Nur kurz nach dem dramatischen 4:6, 7:6 (7:4), 9:7 über Lindsay Davenport trieb die 25-Jährige am Samstag auch den feinen Herren des All England Clubs den Schweiß auf die Stirn, als sie mit dem Venus Rosewater Dish ihre Freudensprünge vollführte. Die Siegerschale überstand den Gefühlsausbruch unbeschadet.

Die Emotionen waren verständlich. Als erste Siegerin seit 70 Jahren wehrte Venus Williams im Finale zunächst einen Matchball ab, ehe sie nach 2:45 Stunden das längste Frauen-Endspiel der 119-jährigen Wimbledon-Historie beendete. Nie zuvor ging der Erfolg an eine Spielerin, die nur an Nummer 14 gesetzt war. "Das ist etwas ganz Besonderes", sagte Venus Williams, die nach zuletzt fünf Final-Pleiten gegen Schwester Serena endlich ihren fünften Grand-Slam-Titel holte. "Ich bin stolz darauf, aber ich will noch viel mehr. Es ist mein Schicksal, große Titel zu gewinnen." 2002 und 2003 hatte Serena dies in Wimbledon vollbracht, ehe Maria Scharapowa im Vorjahr den Hattrick verhinderte.

Lindsay Davenport fehlte beim 5:4 im dritten Satz nur ein Punkt zum zweiten Wimbledon-Erfolg nach 1999 (gegen Steffi Graf), aber sie erkannte an: "Jedes Mal, wenn Venus die schlechteren Karten hatte, hat sie unglaublich gespielt." Vor einem halben Jahr hatte die Weltranglisten-Erste bei den Australian Open das Endspiel verloren - gegen Serena Williams.

Ihre Titelträume begraben mussten Anna-Lena Grönefeld und Martina Navratilova. Im Damen-Doppel gab es eine 4:6, 4:6-Niederlage gegen Swetlana Kusnezowa und Amelie Mauresmo. "Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber am Ende muss ich mit dem Halbfinale zufrieden sein", sagte Grönefeld. Das 48 Jahre Tennis-Idol Navratilova schied danach auch im Mixed aus und muss sich den Wimbledon-Rekord von 20 Titeln weiter mit Billie Jean King teilen.

Robert Semmler/DPA / DPA

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