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Wimbledon-Herrenfinale: Federer zittert sich zur Titelverteidigung

Der schweizer Tennisprofi Roger Federer hat das Herrenfinale von Wimbledon in einem unkämpften Spiel für sich entschieden. Mit dem Sieg über den Spanier Rafael Nadal zieht er mit einer Tennislegende gleich.

Ungewohnt unsicher und ratlos, aber im entscheidenden Moment zum großem Kampf bereit, brachte der lange Zeit ideenlose Federer durch einen 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:3), 2:6, 6:2-Zittersieg im Final-Krimi gegen den nach einem Ausrutscher im vierten Satz am rechten Knie lädierten Spanier Rafael Nadal seinen fünften Triumph nacheinander unter Dach und Fach. Durch den Sieg in der Neuauflage des Vorjahres-Finals zog der Schweizer mit dem legendären Schweden Björn Borg gleich. Auch im 34. Match in Serie blieb Federer im Londoner Südwesten unbesiegt und feierte seinen elften Grand-Slam-Titel. Mehr hat nur der Amerikaner Pete Sampras, der allein in Wimbledon sieben seiner vierzehn Siege holte.

Bei wunderschönem Tennis-Wetter, das die verregnetsten All England Championships seit 25 Jahren fast vergessen ließ, boten die beiden topgesetzten Superstars ein Finale der Sonderklasse, das für Federer das erste Fünfsatz-Match in Wimbledon nach dem Achtelfinalsieg gegen Sampras 2001 war. Im Damen-Endspiel tags zuvor brillierte dagegen nur die Amerikanerin Venus Williams, die Marion Bartoli aus Frankreich 6:4, 6:1 bezwang und für ihren vierten Wimbledon-Sieg erstmals das gleiche Preisgeld in Höhe von 1,05 Millionen Euro bekam wie Champion Federer. Die Verlierer durften sich jeweils mit der Hälfte trösten.

Seit 54 Spielen auf Rasen unbesiegt

"Ich will den Titel unbedingt. Ein Jahr ohne wäre sehr traurig", hatte sich der seit 54 Matches auf seinem Lieblingsbelag unbesiegte Federer vor seinem 13. Grand-Slam-Finale selbst unter Druck gesetzt. Offenbar zu sehr, denn nach einem gelungenen 3:0-Start drohte der mühsam stampfende "Fed-Express" mehrfach aus der Erfolgsspur zu springen. Nadal glich postwendend aus und machte dem wankenden Favoriten nach dem knapp verlorenen Tiebreak auch in den folgenden Sätzen das Leben unglaublich schwer.

Immer wieder bemühten beide Spieler den "Hawk-Eye" genannten elektronischen Schiedsrichter, der erstmals in Wimbledon eingesetzt wurde. Insbesondere Federer, der das System eigentlich ablehnt, lag mehrfach falsch mit seiner Intervention. Dabei machte sich der seit 179 Wochen auf Platz eins rangierende Branchenprimus das Spiel selbst schwer. Viel zu selten ging er ans Netz, was ihm Rekord-Champion Sampras schon mehrfach vorgeworfen hat.

Nötige Korrekturen fehlten

Ohne Trainer in seiner Box fehlte Federer die nötige Korrektur. Und so bedurfte es beim Stand von 1:4 im vierten Satz schon eines Ausrutschers seines Kontrahenten, um die Partie schließlich doch in fünf Sätzen zu gewinnen. Doch es war kein leichtes Spiel wie beim 6:0, 7:6, 6:7, 6:3 im vorigen Jahr gegen den an der Patellasehne des rechten Knies lädierten Nadal, der mit dem dritten French-Open-Sieg die Hoffnungen Federers auf den Grand Slam zunichte gemacht hatte.

Das Damenfinale hatte die US-Amerikanerin Venus Williams gegen die Französin Marion Bartoli am Samstag für sich entscheiden und damit ein furioses Comeback gefeiert.

Andreas Bellinger/DPA / DPA

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