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WM-Kampf: Klitschko kämpft gegen Heulsuse

Wladimir Klitschko war fassungslos: Auf der ersten Pressekonferenz vor dem WM-Kampf am 10. April beschwor Herausforderer Lamon Brewster sein persönliches Leid, brach mehrmals in Tränen aus und verließ schluchzend die Bühne.

Die Klitschkos greifen nach der WM-Krone im Schwergewicht. Vitali Klitschko kämpft am 24. April gegen Carrie Sanders um den vakanten Titel nach WBC-Version. Vierzehn Tage früher ist der kleine Bruder dran - Wladimir Klitschko hat es im WBO-Modus mit dem US-Amerikaner Lamon Brewster zu tun.

Tränenflut auf der Bühne

Der 30-Jährige ist nach Klitschko die Nummer zwei der WBO-Rangliste und somit offizieller Herausforderer. Er scheint aber auch ein großer Showmann oder begabter PR-Arbeiter. Bei der ersten Pressekonferenz am Mittwoch in Los Angeles der beiden Boxer vor ihrem Kampf kam es zu einem Eklat: Mehrmals brach der Amerikaner in Tränen aus, als er die Bedeutung beschrieb, die dieser Faustkampf für ihn habe. Schließlich warf er das Mikrofon weg, rannte schluchzend von der Bühne. "Dieser Typ muss mich umbringen, ansonsten werde ich Schwergewichts-Champion", war sein letzter Satz. Wladimir Klitschkow war fassungslos.

Klitschko fassungslos

"Ich habe ja schon viel auf Pressekonferenzen erlebt, aber so etwas war für mich einmalig", sagte Wladimir Klitschko sichtlich konsterniert nach dem spektakulären Auftritt seines farbigen Kontrahenten, gegen den er am 10. April in Las Vegas um den WM-Titel boxt. In gewisser Weise könne er Brewsters Gefühlsausbruch verstehen. "Er ist überwältigt von der Möglichkeit, die er nun bekommt, indem er um die Weltmeisterschaft boxen darf. Aber letztendlich geht es um den Kampf im Ring. Dann werden wir sehen, wer die Emotionen in Schach halten kann", stellte der jüngere Klitschko-Bruder fest.

Der drei Jahre ältere Brewster sei ein sehr explosiver Fighter, wie seine 13 Erstrunden-K.o-Siege in insgesamt 31 Profikämpfen beweisen. "Das wird eine heiße Angelegenheit", meinte der promovierte Sportwissenschaftler aus dem Hamburger Universum Boxstall. Vor einem Jahr hatte er nach fünf Titelverteidigungen den WBO-Gürtel nach einer sensationellen K.o.-Niederlage gegen den Südafrikaner Corrie Sanders abgeben müssen.

"Für mich geht es um Leben und Tod"

"Ihr alle müsst verstehen, das hier ist für mich nicht einfach nur ein Boxkampf", warb Brewster um Verständnis für seine Gefühle. "Für mich geht es hier um Leben oder Tod. Ich komme aus dem Getto, ich bin pleite, ich hatte niemals etwas. Ich bin jetzt 30. Ich boxe, seit ich sieben bin. Ich habe wahrscheinlich mehr Blut gesehen, als jeder einzelne in diesem Raum. Es ist hart für mich das zu sagen, was ich fühle", schluchzte der jetzt in Los Angeles lebende Faustkämpfer.

Er besitze keinen Doktortitel, sondern habe gerade mal so die High School abgeschlossen, sagte Brewster. Seine Frau und die drei Kinder habe er im über 2000 Meilen entfernten Indianapolis zurückgelassen, um an der Westküste besser trainieren zu können. Im Vorjahr war sein Trainer gestorben. "Er hatte mir beigebracht, an mich zu glauben. Sein größter Wunsch war es, dass ich Weltmeister werde. Nur wenn Gott für mich andere Pläne hat, wird es anders kommen", versicherte Brewster. Eine der beiden Punktniederlagen seiner Karriere hatte er gegen Landsmann Charles Shufford im Oktober 2000 bezogen. Den gleichen Gegner besiegte Klitschko neun Monate später durch technischen K.o. in der sechsten Runde.

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