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WM-Kampf: Wladimir Klitschkos Box-Karriere vor dem Ende

Beim Versuch, ihren historischen Bruder-Traum zu verwirklichen, ist Wladimir Klitschko K.o. gegangen. Der Schwergewichtler verlor gegen Brewster das Duell um die vakante Weltmeisterschaft.

Beim Versuch, ihren historischen Bruder-Traum zu verwirklichen, ist Wladimir Klitschko K.o. gegangen. Der Schwergewichtler aus dem Hamburger Universum Boxstall verlor in der Nacht zum Ostersonntag im Mandalay Bay Casino von Las Vegas gegen den Amerikaner Lamon Brewster das Duell um die vakante Weltmeisterschaft der World Boxing Organization (WBO) durch technischen Knockout am Ende der fünften Runde. Durch Wladimirs dritte Niederlage im 45. Kampf wurde die Vision der Klitschkos, als erste Brüder gleichzeitig Weltmeister in der Königsklasse zu sein, zur Illusion.

Vitali Klitschko sollte am 24. April in Los Angeles das Novum vollenden, wenn er gegen Corrie Sanders um den vakanten Titel des World Boxing Councils (WBC) kämpft. Der Südafrikaner hatte Wladimir am 8. März 2003 durch K.o. in der zweiten Runde als WBO- Weltmeister entthront.

Nach zwei Stunden das Krankenhaus verlassen

Die Demontage des jüngeren Klitschkos, die Erinnerungen an den Knockout gegen Ross Puritty (USA) vom Dezember 1998 weckte, könnte nach acht Profijahren auch dessen Karriereende bedeuten. Viele Experten von Promoter Don King bis zu Halbschwergewichts-Weltmeister Roy Jones haben ihm dazu geraten. "Jetzt weiß endgültig jeder, wie er zu schlagen ist. Mich überrascht sein Auftritt nicht, denn er hat keine Kondition und kein großes Herz", fällte Jones ein vernichtendes Urteil über den promovierten Sportwissenschaftler aus der Ukraine, der nach seinem jämmerlichen Abgang im Ring in Begleitung seines Bruders zur Untersuchung ins Krankenhaus gefahren wurde. Das Hospital konnten beide nach zwei Stunden wieder verlassen.

Auf Anraten seines «geschockten und bitter enttäuschten» Promoters Klaus-Peter Kohl erschien Wladimir Klitschko dann auch nicht mehr zur Pressekonferenz. Was sollte der 11:1-Favorit nach solch einem Debakel auch erzählen? Selbst Schönredner Emanuel Steward, der erstmals als Chefcoach in der Ecke stand, war nach dem Desaster verschwunden. Wie es zu diesem sensationellen Kampfausgang kam, war für die 10.000 Zuschauer in der Arena deutlich zu sehen. Mit brachialer Gewalt wollte der Ukrainer den 7,7 Kilo leichteren und 14 Zentimeter kleineren Rivalen ausknocken, um der Welt zu zeigen, welch würdiger Titelträger er ist. Mit der linken Hand traf er auch fast nach Belieben. Von 311 Punches schlugen 120 an Brewster Kopf oder Körper ein. Doch der neue Champion aus Los Angeles, dessen Schlagstatistik bei 158:43 lag, ließ sich von dem Dauerfeuer nur einmal erschüttern.

Völlig ausgepowerter Ex-Champion

In der vierten Runde ging Brewster nach einer links-rechts Kombination ans Kinn zu Boden. Es war das erste Mal, dass sich der bislang namenlose US-Boy (30 Siege/2 Niederlagen) im Ringstaub wiederfand. In der fünften Runde wendete sich das Blatt schlagartig, als der farbige Herausforderer mit mehreren linken Haken den bereist völlig ausgepowerten Ex-Champion bedrohlich ins Wanken brachte, woraufhin er stehend angezählt wurde.

Brewster witterte seine Chance und setzte erbarmungslos nach. Er landete zwar keinen Volltreffer, dennoch reichte es, um Klitschko von den Füßen zu holen. Dessen Knie brachen ein, saft- und kraftlos stolperte der zwei Meter große Hüne nach dem Gong zu Boden. Auf allen Vieren versuchte er in seine Ecke zu robben. Da er nicht mehr Herr seiner Sinne war und auf Fragen von Ringrichter Robert Byrd nicht reagierte, brach dieser den Fight ab.

Klitschkos allerschlimmste Niederlage

"Sein Nacken war nicht stark genug für meine Punches. Schon in der zweiten Runde hat er schwer geatmet und da war mir klar, der Junge hält nicht mehr lange durch", sagte Brewster triumphierend. Fritz Sdunek, der von Wladimir zum Konditionstrainer degradiert worden war, hatte vor Beginn der fünften Runde schon eine böse Vorahnung. "Geh aus der Linie, und haue deine Rechte rüber", gab er Wladimir mit auf die letzten drei Minuten. Der Geschlagene entschuldigte sich hinterher bei Sdunek mit den Worten: "Fritz, so eine scheiße, es tut mir Leid". Nach dem ganzen Spektakel im Vorfeld sei das seine allerschlimmste Niederlege gewesen, bekannte Sdunek, der über die sportliche Zukunft von Wladimir nichts sagen wollte. Das müsse er selbst entscheiden.

Gunnar Meinhardt, dpa

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