WM-Qualifikation Umfummelt, aber unbesiegt


Nach dem 2:0-Erfolg in Aserbaidschan sieht aus deutscher Sicht zumindest die Tabelle gut aus. Doch überzeugend war der Auftritt der DFB-Elf nicht. Bundestrainer Joachim Löw hatte eine eigentlich plausible Erklärung - eigentlich.
Von Wigbert Löer, Baku

Sie sprachen vom Pflichtsieg, alle, die sich äußerten nach dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Aserbaidschan. 2:0 gewonnen, drei Punkte, Gruppenerster weiterhin. Was will man mehr? Oder: Darf man mehr fordern?

Noch nicht, lautete die Antwort nach dem Sieg in Baku. Ein Pokal- und ein Meisterschaftsspiel haben die meisten Nationalspieler erst gemacht in der neuen Saison, und dieser Umstand hielt bei Spielern und Trainern als Erklärung für allerlei Unvermögen her. "Die Spieler brauchen fünf, sechs, sieben Spiele über 90 Minuten, um auf sehr hohem Niveau zu spielen", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Und natürlich war das nachvollziehbar.

Man darf die Partie Aserbaidschan gegen Deutschland aber zumindest auch als ein Spiel bezeichnen, in dem die meisten Akteure des klaren Favoriten schlecht aussahen. In der Innenverteidigung interpretierte Per Mertesacker ("Es hat noch nicht so viel zusammen gepasst") die Rolle des Abwehrchefs über weite Strecken beinahe als Libero, ohne sich dabei um Raumgewinn und die Eröffnung des Angriffsspiels zu scheren. Vor allem in der ersten Halbzeit passte er unablässig nach links auf Serdar Tasci. Der lief dann 20, 30 Meter nach vorne, flink und unbedrängt, aber meistens ohne mit seinem Abspiel für Gefahr zu sorgen.

Im Mittelfeld mühten sich in Halbzeit eins Bastian Schweinsteiger und im zweiten Durchgang bis zu seiner Auswechselung ein wenig auch Pjotr Trochowski. An Michael Ballack ("Zu bemängeln gibt es sicherlich einiges") lief viel vorbei. Vorne erfuhren Mario Gomez und Miroslav Klose, dass Aserbaidschans Trainer Berti Vogts seine Abwehr gut eingestellt hatte. Klose hatte wenige, Gomez beinahe keine guten Szenen.

Wohl seit Jahren ist eine deutsche Mannschaft nicht mehr so oft umdribbelt worden wie in Baku. Vor allem Serdar Tasci, aber auch die Außenverteidiger Marcel Schäfer und Phillip Lahm bekamen die quirligen Kaukasier kaum in den Griff, denen allerdings anschließend selten ein Abschluss gelang.

Wenn es einen Gewinner gab im deutschen Team, dann war das der Torwart. Robert Enke blieb in seinem fünften Pflichtspiel zum vierten Mal ohne Gegentor. "Jedes Spiel zu null ist sehr gut, ist ein kleiner Schritt für mich", sagte Enke, der nach Ballack zweitälteste Akteur der Deutschen.

Die Mannschaft, das wurde deutlich in Baku, braucht Zeit, um sich einzuspielen - auch wenn sie alles andere als frisch formiert ist. Vor dem Testspiel gegen Südafrika und dem Rückspiel gegen Aserbaidschan wird sie eine gute Woche, vor dem Spiel in Russland dann noch mal eine knappe Woche lang zusammen sein. Die Nationalspieler dürften dann, sofern sie unverletzt bleiben, auch mehr Spiele gemacht haben. "Russland ist im Moment in weiter Ferne", sagt Joachim Löw. Vielleicht ist das ganz gut so.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker